Paris Saint-Germain und das lange Warten

Paris-Präsident  Nasser Al-Khelaifi

Champions League

Paris Saint-Germain und das lange Warten

Paris Saint-Germain und seine Geldgeber müssen weiter warten auf den ersten Sieg in der Champions League. Trainer Thomas Tuchel darf wohl bleiben.

Nasser Al-Khelaïfi machte äußerlich einen gefassten Eindruck. Freundlich und verbindlich verteilte er nach dem Champions-League-Finale auf dem Siegerpodest die Medaillen an die Spieler des FC Bayern München. Innerlich wird es in dem Katarer gebrodelt haben. Erneut hatte sein Klub Paris Saint-Germain das große Ziel, den Gewinn des Henkelpotts, nicht erreicht. Die Bayern gewannen im Estádio da Luz in Lissabon mit 1:0 (0:0).

Seit 2011 pumpt der 46-Jährige über die Beteiligungsfirma Qatar Sports Investments jede Menge Geld in den französischen Hauptstadtklub. Sieben französische Meisterschaften und fünf Pokalsiege sprangen dabei heraus. Doch das ist eher Beiwerk. Mit dem Gewinn der Champions League und dem damit verbundenen Renommee wurde es bislang nichts. "Natürlich sind wir traurig", sagte Al-Khelaïfi: "Wir werden daran arbeiten, diese Champions League zu gewinnen, wir waren nah dran und nach diesem Abend glauben wir noch mehr daran als vorher."

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Sportschau 23.08.2020 01:24 Min. Verfügbar bis 23.08.2021 ARD

Tuchel geht von Verbleib aus

Nah dran war Paris in der Tat. Nachdem der Klub zuvor nie über das Viertelfinale hinausgekommen war, stand man nun erstmals im Endspiel. Zudem war es Trainer Thomas Tuchel gelungen, aus dem Pariser Starensemble um Neymar und Kylian Mbappé erstmals eine funktionierende Mannschaft zu formen. "Ich habe es vorher gefühlt, dass es wahrscheinlich auf die erste Torchance ankommt", sagte Tuchel: "Dass wir leiden werden, dass wir gegen eine starke Mannschaft spielen. Wir haben einen großen Kampf gesehen. Wir wollten es unbedingt wissen."

Tuchel geht deshalb auch von einem Verbleib als Trainer aus. "Ich weiß nichts anderes. Ich gehe mal fest davon aus", sagte der 46-Jährige, dessen Vertrag bis 2021 läuft. Vor Tuchel waren allerdings schon Carlo Ancelotti, Laurent Blanc und Unai Emery an den hohen Zielen der Klubbosse gescheitert.

Thomas Tuchel: "Das ist erst der Anfang, nicht bereits der Höhepunkt" Sportschau 24.08.2020 00:24 Min. Verfügbar bis 24.08.2021 Das Erste

Kaderplanungen laufen

Für Tuchel spricht, dass er es wenigstens ins Finale geschafft hat und dass das Verhältnis zum Team offenbar sehr gut ist. Seine beiden Superstars nahm er in Schutz. "Ich bin mit Neymar super zufrieden heute, er hat die Mentalität eines kleinen Straßenkämpfers gezeigt, er ist ein echter Anführer geworden, ein Spieler, der sich absolut auspowert. Mbappé merkt man an, dass er vor vier Wochen einen Bänderriss erlitten hat", sagte Tuchel.

Dass er zumindest ein weiteres Jahr bleiben und seinen Vertrag erfüllen darf, erscheint realistisch. Mit welchem Kader und mit welchen möglichen weiteren Superstars er kommende Saison arbeiten und den nächsten Versuch starten wird, dürfte sich bald zeigen. "Wir werden jetzt Gespräche führen, nicht über meine Verlängerung, sondern Gespräche, wie wir die Mannschaft wieder neu aufbauen und weiter verstärken müssen", erklärte Tuchel: "Denn wir brauchen neue Energie, wie brauchen neue Qualität, um unser Niveau zu halten und um allen ganz klar die Perspektive aufzuzeigen, dass wir nicht nachlassen, dass wir weiter nach vorn gehen, und dass das, was wir uns aufgebaut haben, erst der Anfang ist und nicht bereits der Höhepunkt." Gegen die Bayern wurde deutlich, dass dem Kader Breite und Tiefe fehlt. Nationalspieler Julian Draxler spielte nach seiner Einwechslung überhaupt keine Rolle, Eric Maxim Choupo-Moting agierte ebenfalls eher unglücklich.

Geduld ist gefragt

Fest steht: Al-Khelaïfi braucht mehr Geduld als ihm lieb ist. Vielleicht ist Paris einfach noch nicht so weit. Die französische Zeitung "Midi Libre" schreibt, PSG sei "erfasst (gewesen) von dem Ereignis, geschlagen von den Bayern, die lange Erfahrung mit diesen großen Treffen haben." Etwas spöttischer formuliert es das spanische Blatt "AS": "Es gibt keinen Platz für PSG im auserwählten Klub der Champions, ein Platz, der sich nicht mit Geld kaufen lässt, sondern der sich aus dem Werdegang der Bayern ergibt."

vdv/sid/dpa | Stand: 24.08.2020, 10:15

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