Dem FC Chelsea droht ein längerer Abschied

Chelsea-TrainerAntonio Conte

Achtelfinale

Dem FC Chelsea droht ein längerer Abschied

Das Achtelfinal-Rückspiel beim FC Barcelona könnte für den FC Chelsea der vorerst letzte Auftritt in der Champions League sein. Die Zukunft des Teammanagers Antonio Conte ist offener denn je.

Für Meister FC Chelsea reicht es in der englischen Premier League in diesem Jahr ganz einfach nicht. Das hat sich zuletzt deutlich gezeigt. Da verloren die "Blues" gleich zwei Spitzenspiele in Serie - erst bei Manchester United und dann bei Manchester City.

In der Tabelle rutschen die Londoner auf Platz fünf ab. Damit würden sie sich am Ende der Saison nicht für die Champions League qualifizieren und ihr Minimalziel verpassen. Das Thema Titelverteidigung ist wegen Citys Übermacht eh längst abgehakt. "Wir müssen um einen Champions-League-Platz kämpfen. Ich hoffe, meine Spieler realisieren das schnell", sagt der Italiener Conte: "Wir dürfen keine Punkte mehr verlieren." Vier Zähler Rückstand hat Chelsea auf den Vierten aus Liverpool.

Optimistisch nach Barcelona

Als Sieger der Champions League wäre Chelsea freilich auch im kommenden Jahr für die "Königsklasse" qualifiziert. Doch danach sieht es nicht aus. Im Achtelfinal-Hinspiel reichte es gegen den FC Barcelona an der heimischen Stamford Bridge nur zu einem 1:1. Barca ist im Rückspiel im Camp Nou deshalb haushoher Favorit.

Conte ist dennoch optimistisch. "Wir haben gute Chancen, eine Runde weiter zu kommen", sagt er. Sein Vertrauen zieht er aus dem Hinspiel, bei dem sein Team im Grunde nur wegen eines Fehlers am Ende nur remis spielte.

Ärger mit der Klub-Führung

Conte hat aber noch ganz andere Sorgen. Der Meistermacher beklagte zuletzt mangelnden Rückhalt im Klub. Die Beziehung zur Führung soll zerrüttet sein. Es soll bei den Vereinsoberen um Eigner Roman Abramowitsch nicht gut angekommen sein, dass Conte im Sommer den inzwischen bei Atletico Madrid spielenden Torjäger Diego Costa abserviert hat.

Außerdem ist der Teammanager angeblich unzufrieden mit der Transferpolitik des Klubs. Die Weggänge nach der abgelaufenen Meistersaison - neben Costa verließ unter anderem Mittelfeld-Stabilisator Nemanja Matic den Verein - konnten nicht angemessen kompensiert werden. Mehrere Wunschspieler bekam Conte offenbar nicht.

Gerüchte um Nachfolger

Contes Vertrag läuft noch bis 2019. Doch für viele Fachleute gilt es als ausgemacht, dass am Ende dieser Saison Schluss ist. Als Kandidaten für seine Nachfolge werden der ehemalige Bayern-Trainer Carlo Ancelotti gehandelt, der schon von 2009 bis 2011 bei Chelsea auf der Bank saß, und Luis Enrique, Ex-Coach des FC Barcelona.

Der 48-Jährige betonte, er habe keine Ambitionen, vorzeitig aufzuhören. "Ich bin glücklich hier, aber damit es in einer Ehe weitergeht, müssen sich alle einig sein", sagte er: "Vielleicht würde ich mir wünschen, dass der Verein sagt, dass er mir und meiner Arbeit vertraut", betonte er.

Experten warnten schon früh, dass dem Verein eine "Mourinho-Saison" drohen könnte. Der eigenwillige Trainer aus Portugal hatte Chelsea 2015 zum Titel geführt. In der Spielzeit danach stürzte das Team dramatisch ab, Mourinho wurde entlassen. Conte könnte es spätestens am Ende dieser Saison auch so gehen.

Bald wieder Nationaltrainer?

Doch vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Denn Conte soll zwei Jahre nach seinem Rücktritt als Trainer der italienischen Nationalmannschaft wieder die "Squadra Azzurra" übernehmen. Der mit der Suche nach einem neuen Coach beauftragte Ex-Nationalspieler Alessandro Costacurta erklärte Conte zum Wunschkandidaten.

"Ich habe noch nicht gewählt, aber meiner Meinung nach könnte Conte es am besten", sagte Costacurta überraschend freimütig: "Ich werde auf jeden Fall in einigen Monaten mit ihm sprechen." Conte war 2016 nach Italiens Viertelfinal-Aus bei der EM in Frankreich gegen Weltmeister Deutschland wie angekündigt nach zweijähriger Tätigkeit als Nationaltrainer zu Chelsea gewechselt. Unter Contes Nachfolger Gian Piero Ventura hatte Italien erstmals seit 60 Jahren die Teilnahme an einem WM-Turnier verpasst.

Noch wichtige Spiele in der Premier League

Verloren ist für Chelsea in der Premier League noch nichts. Mit Tottenham Hotspur und dem FC Liverpool hat der Meister noch zwei direkte Konkurrenten um einen Platz in der Champions League daheim zu Gast - zwei Spitzenspiele, die Conte dann nicht verlieren sollte.

red / sid / dpa | Stand: 14.03.2018, 13:16

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