Bayern München deklassiert den FC Barcelona - schon wieder "8"

Lionel Messi (M.)

Viertelfinale in der Champions League

Bayern München deklassiert den FC Barcelona - schon wieder "8"

Von Marcus Bark

Die "8" prägt die Saison des FC Bayern. Während die achte Meisterschaft nacheinander letztlich als normal hingenommen wurde, wird nach dem 8:2 gegen den FC Barcelona nach Erklärungen gesucht, vor allem beim Gegner.

Die Merchandisingkollektion des FC Bayern führt T-Shirts mit einer großen "8" auf der Brust. Sie wurden aufgelegt, weil der Rekordmeister seinen Rekord ausbaute und acht Mal nacheinander als beste Mannschaft die Bundesliga abschloss. "Deutscher Meister 2020" steht daher unter der "8".

Für alle Fans des FC Bayern, die beim Zählen der nationalen Titel nur noch mühsam mitkommen, wird die Zahl künftig als Eselsbrücke. Irgendwie so: "Bevor wir 8:2 gegen Barcelona gewonnen haben, sind wir zum achten Mal hintereinander Meister geworden."

Kimmich: "Das ist schon brutal"

Acht. 8:2. Acht zu zwei. "Das ist schon brutal", staunte auch Joshua Kimmich und sprach sich deshalb nochmal vor: "Man muss sich vor Augen führen, dass wir gegen Barcelona mit 8:2 gewonnen haben. Das ist schwierig zu begreifen."

Die Bayern waren als Favorit in das Spiel gegangen aufgrund der Vorkenntnisse, die in der vergangenen Saison erworben wurden. Aber dass es so heftig für den Außenseiter würde, hatte niemand erwartet. Daher stellt sich die Frage: Waren die Bayern an diesem denkwürdigen Freitagabend (14.08.2020) in Lissabon so gut oder Barcelona so schwach?

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Die knappe Antwort: Der FC Bayern war überragend, Barcelona desolat. Ein bisschen mehr Differenzierung ist aber nötig, denn fantastisch waren die Münchner in der Offensive, waren sie im Pressing, in der Chancenverwertung.

Desolat in Defensive, Abwehr und Verteidigung

Barcelona war desolat in der Defensive, in der Abwehr und in der Verteidigung. Diese Redundanz sei in diesem Fall erlaubt. Individuell waren gleich mehrere Spieler (Nelson Semedo, Clement Lenglet, Sergi Roberto) extrem überfordert, auch als Gruppe lieferten die Katalanen eine Leistung in der Defensive ab, die bei einem Viertelfinalisten der Champions League kaum für möglich gehalten wird.

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So viele Tore können Lionel Messi (dessen Lustlosigkeit gegen den Ball bei jedem anderen Spieler häufiger hervorgehoben würde) und Luis Suarez gar nicht schießen, dass diese Schwächen wettgemacht werden. Es wären aber auch gegen die Bayern noch ein paar mehr möglich gewesen. Denn die Münchner ließen es mehrmals zu, dass Barcelona in den Raum zwischen Viererkette und Torwart Manuel Neuer kam, vorzugsweise über die Außen. In einem möglichen Halbfinale gegen Manchester City könnte das weh tun.

Himmel voller Geruchswolken

Trainer Hansi Flick wird die leichten Schwächen registriert haben und intern ansprechen. Die herausragenden Stärken in der Offensive spielte er ein wenig herunter, um die Euphorie einzudämmen. Er fand die Leistung zwar "beeindruckend", sprach aber nur von einer "kleinen Duftmarke". Dabei war es ein Himmel voller Geruchswolken, den Thiago, Thomas Müller, Ivan Perisic und Alphonso Davies (um nur die Besten zu nennen) hinterließen.

"Wir wissen, dass es ein hartes Stück Arbeit ist, um am Ende da zu stehen, wo wir gerne hin wollen", sagte Flick, den "nur ersten Schritt von dreien" nannte Leon Goretzka den historischen Erfolg.

Serie von Einbrüchen

Die historische Niederlage dürfte beim FC Barcelona einiges bewirken. Dass Trainer Quique Setién seinen Arbeitsplatz behalten wird, glaubt nicht einmal Quique Setién. Aber die Probleme liegen tiefer. Vor zwei Jahren schieden die Katalanen im Viertelfinale gegen die AS Rom aus, obwohl das Hinspiel mit 4:1 gewonnen worden war. Im Frühjahr 2019 wurde der FC Liverpool im Camp Nou mit 3:0 besiegt, in Anfield gab es dann ein 0:4.

Der FC Barcelona ist in den vergangenen Jahren schon häufiger abgesungen worden, blieb aber trotzdem in der europäischen Spitze und gewann auch mehrmals die Meisterschaft in Spanien. Ein guter Trainer, zwei, drei Verstärkungen in der Defensive - dann kann der FC Barcelona wieder die Größe haben, die er haben möchte.

Der FC Bayern ist derzeit viel, viel größer als es zu Beginn der Saison aussah, in der die "8" nun eine prägende Rolle spielt.

Statistik

Fußball · Champions League 2019/2020

Freitag, 14.08.2020 | 21.00 Uhr

Wappen FC Barcelona

FC Barcelona

ter Stegen – Semedo, Piqué, Lenglet, Jordi Alba – Roberto (46. Griezmann), Busquets (70. Fati), F. de Jong – Ar. Vidal – Messi, Suarez

2
Wappen Bayern München

Bayern München

Neuer – Kimmich, Boateng (76. Süle), Alaba, Davies (84. Lucas Hernández) – Goretzka (84. Tolisso), Thiago – Gnabry (75. Philippe Coutinho), Müller, Perisic (67. Coman) – Lewandowski

8

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Müller (4.)
  • 1:1 Alaba (7./Eigentor)
  • 1:2 Perisic (22.)
  • 1:3 Gnabry (28.)
  • 1:4 Müller (31.)
  • 2:4 Suarez (57.)
  • 2:5 Kimmich (63.)
  • 2:6 Lewandowski (82.)
  • 2:7 Kimmich (85.)
  • 2:8 Philippe Coutinho (89.)

Strafen:

  • gelbe Karte Boateng (1 )
  • gelbe Karte Davies (1 )
  • gelbe Karte Suarez (2 )
  • gelbe Karte Jordi Alba (2 )
  • gelbe Karte Kimmich (3 )
  • gelbe Karte Ar. Vidal (2 )

Schiedsrichter:

  • Damir Skomina (Slowenien)

Vorkommnisse:

  • Das Spiel findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Sportvorstand Salihamidzic (Bayern) sieht wegen unsportlichen Verhaltens die Gelbe Karte (61.).

Stand der Statistik: Freitag, 14.08.2020, 22:51 Uhr

Stand: 15.08.2020, 09:40

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