Milans Junior Messias - Kühlschränke schleppen ist nicht mehr

Junior Messias (r) vom AC Mailand jubelt nach seinem Führungstreffer.

Fußball | Champions League

Milans Junior Messias - Kühlschränke schleppen ist nicht mehr

Von Tim Beyer

Gerade hat Junior Messias für die AC Mailand in der Champions League ein Tor erzielt, das bleiben wird. Es ist die Heldwerdung eines Fußballers, der beinahe gar kein Profi geworden wäre.

Als die Verzweiflung groß war und das Ausscheiden nah, erschien Milan der Messias. Im Champions-League-Spiel gegen Atlético Madrid lief die 87. Minute, als Franck Kessié von der AC Mailand flankte und Atléticos Verteidigungskünstler für einen Augenblick die Orientierung und Junior Messias aus den Augen verloren. Messias sprang ab, köpfte, der Rest war Jubel in Rot und Schwarz.

Es war der Siegtreffer - und es war das Tor, das Milans Träume am Leben hielt. Mit einem Sieg am letzten Spieltag gegen den als Gruppensieger feststehenden FC Liverpool würde Milan zumindest die Europa League sichern, auch das Weiterkommen in der Champions League ist nun wieder möglich.

"Ich bin sehr glücklich", sagte Junior Messias, nachdem er das wahrscheinlich wichtigste Tor seiner Karriere erzielt hatte. "Es fiel, als ich es am meisten brauchte."

Kein Profivertrag, sondern Kühlschränke schleppen

Es gab im Leben des 30-Jährigen eine lange Zeit, in der es nicht danach aussah, als könne man seine Tore einmal auf der ganzen Welt verfolgen. Sie liegt noch gar nicht lange zurück. Seine Heimat Brasilien verließ er mit Anfang 20, um in Italien Fußballprofi zu werden. Doch ganz so einfach war es nicht. Also schleppte Messias Kühlschränke und Fernseher, um seine Familie zu ernähren.

Fußball spielte er in einer Freizeitliga, natürlich war er viel zu gut, sie nannten ihn "Phänomen". Erst als der Trainer Ezio Rossi zufällig ein Spiel von Messias sah, änderte sich dessen Situation. "Nach dem Spiel bin ich aufs Feld gerannt. Ich habe ihm gesagt, dass er nicht hierbleiben könne", hat Rossi einmal in einem Interview gesagt.

Debüt in der Serie A mit 29

Mit 24 wechselte Junior Messias zum Fünftligisten FBC Casale, als Trainer dort war wenige Wochen zuvor Rossi vorgestellt worden. Es ist der Beginn einer Geschichte, wie sie im modernen Fußball eigentlich nicht mehr vorgesehen ist. Messias entwuchs seinen Teams, also wechselte er oft. Er war 28, als er in der Serie B, Italiens zweiter Liga, debütierte. Messias spielte beim FC Crotone, erzielte Tore und legte vor, am Ende stiegen sie zusammen auf. Das war im Sommer 2019.

Auch in der Serie A war Messias Crotones bester Spieler, es war sein Durchbruch. In Mailand haben sie das natürlich registriert. Als in Milans Kader auch am letzten Tag der Transferperiode noch Platz für einen Offensivspieler war, lieh der Klub den Brasilianer für ein Jahr aus, auch eine Kaufoption soll es geben.

"Eine wunderbare Geschichte"

Gespielt hat er seitdem selten. Gegen Atlético schickte ihn Trainer Stefano Pioli nach 65 Minuten auf den Rasen, er wird diesen Einfall kaum bereuen. Es sind die Bilder dieses Spiels, wie Junior Messias im Moment des größten Erfolgs seiner Karriere für einen Moment den Blick senkte und dann die Arme zum Himmel reckte. Wie sich sogar Zlatan Ibrahimovic, der sich selbst manchmal Gott nennt, erbarmte und Milans neuen Messias herzte.

Nach dem Spiel wurde Pioli auch zu Junior Messias befragt, natürlich wurde er das. Also erzählte er von einem Spieler, dessen Start bei Milan kein leichter gewesen sei. Pioli sprach auch von dessen Entwicklung, das sei schon eine "wunderbare Geschichte". Er sagte: "Ich denke, das ist erst der Anfang für ihn, denn er hat die Qualität."

Stand: 25.11.2021, 16:45

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