Favre und die Nummer eins beim BVB - das Rätsel

Lucien Favre (l.), Roman Bürki

Roman Bürki oder Marwin Hitz

Favre und die Nummer eins beim BVB - das Rätsel

Von Marcus Bark

Lucien Favre vermeidet auch vor Borussia Dortmunds Spiel in der Champions League gegen Zenit St. Petersburg ein Bekenntnis zu seiner Nummer eins im Tor. Die Motivation des Trainers bleibt ein Rätsel.

Jude Bellingham neben Axel Witsel? Oder Mahmoud Dahoud im zentralen Mittelfeld wieder zusammen mit Thomas Delaney wie im Revierderby gegen den FC Schalke 04? Giovanni Reyna oder Marco Reus? Oder vielleicht beide?

Das sind Fragen, die Lucien Favre beschäftigt haben dürften, genau wie seinen Kollegen Sergej Semak, der mit Zenit St. Petersburg am Mittwoch (28.10.2020) beim BVB zum zweiten Gruppenspiel antritt. Ob der Trainer des russischen Meisters allerdings darüber grübelt, wer beim Gegner im Tor stehen wird, darf bezweifelt werden.

Das könnte eine Rolle spielen, wenn Roman Bürki und Marwin Hitz grundverschiedene Torhüter wären. Der eine etwa einen Libero spielt wie Manuel Neuer und Pässe verteilt wie Marc-André ter Stegen, während der andere gerne im Strafraum bleibt und den Befreiungsschlag bevorzugt.

"Roman ist nicht mehr verletzt und nicht mehr krank"

Einen Tag vor dem Spiel gegen Zenit wurde Favre wieder gefragt, wer denn im Tor stehen werde. Er antwortete: "Roman ist nicht mehr verletzt und nicht mehr krank." Das hört sich stark danach an, dass Bürki hinter dem Kapitän ins Stadion einlaufen wird. Aber auf die explizite Nachfrage wollte sich der Trainer des BVB nicht explizit festlegen. Er bat um Verständnis, dass er seinem Kollegen nichts von der Aufstellung verraten wolle.

Torhüter, so heißt es immer, und das bestätigen vor allem auch Torhüter, bräuchten mehr als Feldspieler das Vertrauen und die Gewissheit über ihren Status. Eventuell haben Bürki und Hitz diese Gewissheit auch. Öffentlich allerdings mutet Favres Gehabe in der Torwartfrage als Eiertanz an. Warum der Trainer weiter tanzt, obwohl sich Verantwortliche des Vereins schon klar positioniert haben, bleibt ein Rätsel.

Die Entwicklung in der Torhüterfrage beim BVB

Die im folgenden dargestellte Entwicklung in den vergangenen Wochen gibt auch keine schlüssige Antwort: Probleme an der Hüfte, so hieß es, verwehrten Bürki am 14. September einen Einsatz in der ersten Runde des DFB-Pokals beim MSV Duisburg. Es dürfte tatsächlich nur eine leichte Verletzung gewesen sein, denn fünf Tage später stand Bürki am ersten Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach im Tor. Eine Woche später kassierte er beim Auswärtsspiel in Augsburg die einzigen beiden Treffer, die der BVB bislang in dieser Bundesligasaison hinnehmen musste.

Dann, so die offizielle Mitteilung des Vereins, erwischte den Torwart ein Infekt. Er verpasste deswegen den Supercup beim FC Bayern und die Partie gegen den SC Freiburg.

Bis hierhin war alles schlüssig erklärt. Als Hitz dann aber nach der Länderspielpause auch in der Partie bei der TSG Hoffenheim den Vorzug erhielt und Bürki auf der Bank saß, gab es erste, leise Fragen. Der Trainer, so hieß es von Sebastian Kehl, dem Leiter der Lizenzspielerabteilung, habe "nach Frische" entschieden. Das Programm der kommenden Woche sei sehr herausfordernd.

Lucien Favre: "Zenit hat unnötig verloren gegen Brügge" Sportschau 27.10.2020 00:42 Min. Verfügbar bis 27.10.2021 Das Erste

Hitz überraschend in Rom im Einsatz

War und ist es, denn drei Tage nach dem Spiel in Sinsheim stand der Auftakt in der Champions League bei Lazio Rom auf dem Programm und Hitz schon wieder im Tor. Die "desolate Leistung" (Kehl) bei der 1:3-Niederlage überdeckte ein Thema, das dann wieder vor dem Revierderby aufkam. Auf die Frage, wer denn gegen den FC Schalke 04 im Tor stehe, gab Favre eine ausweichende Antwort.

Favre patzig: "Mir gefällt die Frage nicht"

Nachdem das Derby mit Bürki im Tor 3:0 gewonnen worden war, gab er ausweichende oder gar patzige Antworten. "Mir gefällt die Frage nicht", herrschte der Schweizer die ZDF-Reporterin Claudia Neumann an, weil diese gefragt hatte, welcher Schweizer denn künftig bei Borussia Dortmund im Tor stehe: Bürki oder Hitz?

Sebastian Kehl als auch Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc hatten am selben Tag gesagt, dass Roman Bürki "die Nummer eins" sei, der Trainer gleichwohl die Entscheidung zu treffen habe, wer denn spiele.

Trotzdem ließen die Aussagen den Schluss zu, dass auch die Chefetage Zweifel daran hat, ob Favres rätselhaftes Verhalten in der Torhüterfrage leistungsfördernd sei.

CL: Dortmund will sich gegen St. Petersburg beweisen

Sportschau 28.10.2020 01:44 Min. Verfügbar bis 28.10.2021 ARD Von Anne van Eickels


Stand: 28.10.2020, 10:30

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