Borussia Dortmund - die zwei Gesichter der Rose-Elf

Enttäuschung beim BVB nach dem Abpfiff

Champions-League-Aus des BVB

Borussia Dortmund - die zwei Gesichter der Rose-Elf

Von Julian Tilders

In der Champions League sang- und klanglos ausgeschieden, in der Fußball-Bundesliga mittendrin im Titelkampf. Borussia Dortmund rätselt über Leistungsschwankungen.

Fußball ist emotional, manchmal eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle. Und so musste sich Borussia Dortmunds Trainer Marco Rose nach dem bitteren vorzeitigen Aus in der Champions League bei Sporting Lissabon erstmal sortieren.

Konsterniert wirkte der Coach, der vor der Partie von einem "wichtigen Endspiel" gesprochen hatte. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte ebenfalls vorher gefordert: "Wir sollten es einfach anpacken und das Ding gewinnen, dann sind wir durch."

Anspruch und Wirklichkeit in Königsklasse nicht deckungsgleich

Statt großer Erleichterung nun aber das Abrutschen in die Europa League. Anspruch und Wirklichkeit sind einmal mehr nicht deckungsgleich beim BVB. Zumindest, was das internationale Geschäft angeht. Auch unter Rose. "Klares Ziel war es, nächstes Jahr in allen drei Wettbewerben dabei zu sein. Das ist schon ein Einschnitt", räumte der Trainer nach dem Spiel ein.

"Es ist nicht nur finanziell, sondern auch sportlich und auch vom Image ein Rückschlag. In dieser Situation, aus Corona kommend, da musst du in der Europa League schon sehr weit kommen, um das wirtschaftlich zu kompensieren", sagte Sportdirektor Michael Zorc. Etwa zehn Millionen Euro wäre der Einzug in die K.o.-Phase wert gewesen.

Marco Rose: "Müssen konstanter werden" Sportschau 25.11.2021 00:16 Min. Verfügbar bis 25.11.2022 Das Erste

Dabei hatte Watzke nach der Champions-League-Auslosung im August noch gesagt, man könne sich "nicht beklagen" über die Gruppe mit Ajax Amsterdam, Besiktas Istanbul und eben Lissabon. Dortmund ist in den letzten fünf Jahren nun schon zum zweiten Mal in der Gruppenphase ausgeschieden.

Individuelle Fehler wiegen zu schwer

Dabei knockte sich der BVB in Lissabon nach gutem Beginn schlicht selbst aus. Die Defensive war ohne den rotgesperrten Mats Hummels überfordert, sowohl Thomas Meunier als auch Nico Schulz kamen auf den Außenpositionen nicht wirklich zurecht, ebenso wie Marin Pongracic in der Zentrale.

Schulz unterlief der Patzer zum 0:1. Sein Ersatz Emre Can flog später wegen einer Tätlichkeit vom Platz. Und Dan-Axel Zagadou verursachte ungelenk einen Strafstoß. Der BVB kassierte nun schon elf Gegentore in dieser Champions-League-Saison, nur vier Klubs noch mehr.

Kader in der Breite mit Leistungsgefälle

Der Kader ist in der Breite dann doch anfällig, von der Abhängigkeit von Tormaschine Erling Haaland (Muskelbündelriss) ganz abgesehen. So dass auch weitere - zugegebenermaßen schwerwiegende - personelle Ausfälle wie die von Thorgan Hazard (Corona), Raphael Guerreiro (muskuläre Probleme) oder Hummels kaum verkraftbar sind. "Es ist unsere Pflicht nicht zu resignieren", sagte Rose dazu trotzig. "Auch mit den Ausfällen, mein Gott, dann ist es halt so, dann fallen die Spieler aus, dann können sich andere zeigen."

Das ist Fluch und Segen für den BVB. Dortmund hat als Durchlauferhitzer für Talente hochveranlagte Kicker wie Reinier im Team, denen aber auf internationaler Bühne noch nicht zugemutet werden kann, die Ausfälle zu kompensieren. Dem eingewechselten Stürmer Steffen Tigges, bisher nur mit wenig Einsatzzeit, kann ebenfalls kein Vorwurf gemacht werden.

Marco Rose: "Mehr als bitter"

Sportschau 25.11.2021 03:39 Min. Verfügbar bis 25.11.2022 Das Erste


Erkennbar ist, dass zum Beispiel die Abgänge von Offensivspieler Jadon Sancho und des routinierten Außenverteidigers Lukasz Piszczek nicht richtig aufgefangen werden konnten. Auch mit ihnen hing der Aufschwung und DFB-Pokalsieg in der letzten Rückrunde und das Erreichen des Viertelfinals in der Champions League eng zusammen.

Effizienz in der Liga: BVB voll im Titelkampf

Das andere Gesicht des BVB zeigt sich hingegen in der Bundesliga. Dort stimmt die Punkteausbeute, Dortmund belegt Platz zwei hinter Bayern München, die Rose-Elf gewann bisher alle sieben Heimspiele. Der BVB stand vor dem 13. Spieltag letztmals in der Saison 2018/19 in der Liga noch besser da als jetzt.

Kapitän Marco Reus, gegen Lissabon ebenfalls ohne den großen Aha-Moment, ärgerte sich bei "DAZN" über die Leistungsschwankungen des BVB, die "ups and downs". Das trifft auch auf seine persönliche Bilanz zu: Er ist in der Liga Erfolgsgarant mit bisher vier Toren und sechs Assists.

Und was die internationale Bühne angeht, wird auch er im nächsten Jahr einen neuen Anlauf nehmen. Dann aber in der Europa League.

Stand: 25.11.2021, 12:14

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