Karim Benzema von Real Madrid feiert sein Tor gegen Paris Saint Germain

Fußball | Champions League Real Madrids Benzema - Phänomen, "König", Rekordmann

Stand: 10.03.2022 13:08 Uhr

Karim Benzema hat mit einem spektakulären Hattrick gegen Paris Saint-Germain im Alleingang Real Madrid ins Viertelfinale der Champions League geschossen - und dabei Geschichte geschrieben und an seinem Legendenstatus gefeilt.

Von Frank van der Velden

Alfredo Di Stéfano wird bei Real Madrid bis heute verehrt wie kein Zweiter. Der gebürtige Argentinier war der unumstrittene Chef des legendären Teams, das von 1956 bis 1960 fünfmal in Serie den Europapokal der Landesmeister gewann. Kurzum: Der 2014 verstorbene Di Stefano hat Real Madrid zu dem gemacht, was es heute ist.

Wer also bei Real in einem Atemzug mit Di Stéfano genannt wird, der muss Großes geleistet haben. So wie Karim Benzema. Mit einem Hattrick im Achtelfinal-Rückspiel der Champions Leaguehat der Kapitän die "Königlichen" gegen Paris Saint-Germain nicht nur eine Runde weiter geschossen, er hat mit jetzt 309 Toren auch Di Stéfano in der ewigen Torjägerliste des Klubs überholt. Der Franzose hat dort jetzt nur noch Raúl (323) und Cristiano Ronaldo (450) vor sich.

Alter schützt vor Dreierpack nicht

Es war nicht der einzige Meilenstein. Benzema ist 34 Jahre alt. Damit ist er jetzt der älteste Spieler, dem in der Geschichte der Champions League ein Dreierpack gelang. Und was seine Europapokaltore (67) angeht, hat er jetzt sogar den großen Raul (66) überholt.

Natürlich wollen wir Benzema hier jetzt nicht mit Di Stéfano vergleichen. Das geht ja auch nicht, zu unterschiedlich sind die Fußballzeiten. Doch Benzema ist ein echtes Phänomen. Und nicht wenige werden sich am Mittwoch (09.03.2022) gefragt haben, warum Real so eifrig um Kylian Mbappé buhlt, wenn es doch Benzema in seinen Reihen hat. Der hat seinem Landsmann im Trikot von PSG jedenfalls klar die Show gestohlen. Immerhin brachte er Paris in der 39. Minute in Führung.

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Hattrick in 17 Minuten

Doch dann kam Benzema. Die drei Treffer stehen für alles, was ihn ausmacht. Da ist die Schlitzohrigkeit, die Gedankenschnelle, die feine Technik, die Strafraumbeherrschung, die Schussstärke und der unbedingte Wille. Es war ein spektakulärer Auftritt.

Für seinen Hattrick brauchte Benzema gerade mal 17 Minuten. In der 61. Minute bedrängte er PSG-Torhüter Gianluigi Donnarumma nach einem Rückpass so hart, dass der den Ball unglücklich auf Vinícius Júnior spielte. Der brachte ihn zurück zu Benzema und es stand 1:1.

Alaba: "Unfassbare Qualitäten"

In Minute 76 bekam er den Ball im Strafraum von Luka Modrić zugespielt und zog mit rechts sofort ab. Unmittelbar nach dem Wiederanspfiff (78.) der nächste Treffer: Nach einem blitzschnellen Angriff spielte PSG-Abwehrchef Marquinhos bei einem unglücklichen Klärungsversuch den Ball auf Benzema, der aus vollem Lauf sofort abzog. Paris konnte sich davon nicht mehr erholen. Nach der 0:1-Niderlage aus dem Hinspiel war Madrid eine Runde weiter.

"Ich glaube, er hat einfach wieder gezeigt, wie wichtig er für uns ist. Was er für Qualitäten mitbringt, ist einfach unfassbar", sagte Real-Verteidiger David Alaba. Ein großes Lob gab es auch aus Frankreich: "Geschlagen vom König", schriebt die Zeitung "L'Équipe" zur Pariser Niederlage.

Kongeniales Zusammenspiel mit Modric

Apropos Modric. Benzema machte die Tore, doch der Kroate zog das Spiel der Madrilenen auf. Nach der Auswechslung von Toni Kroos, der angeschlagen in die Partie gegangen war, übernahm er die Regie.

Unfassbar gut war seine Vorarbeit zum 1:1. Modric, der ja auch schon 36 Jahre alt ist, eroberte das Leder am eigenen Sechzehner, ließ vier Pariser stehen, schickt Vinícius Júnior in die Spitze, setze nach, bekam den Ball zurück und legte ihn dann genial auf Benzema.

Aus Ronaldos Schatten getreten

Seit 2009 spielt Benzema schon für Real Madrid. Viele Jahre lief er dort irgendwie so nebenher. Stets stand er im Schatten von Cristiano Ronaldo. Erst als der 2018 den Verein verließ, blühte Benzema auf. Zurzeit scheint er in der Form seines Lebens zu sein.

30 Tore in 33 Pflichtspielen hat er in dieser Saison schon gemacht. Und auch wenn Alfredo Di Stéfano wohl für immer das Maß aller Dinge sein wird, hat Benzema am Mittwoch ordentlich an seiner eigentlichen Legende gestrickt.