Auswärtstorregel in der Champions League: Abgeschafft und doch nicht weg

Geoffrey Kondogbia (Atletico Madrid) im Zweikampf mit Zlatan Ibrahimovic

Fußball | Champions League

Auswärtstorregel in der Champions League: Abgeschafft und doch nicht weg

Von Sebastian Hochrainer

Vor dieser Saison wurde im Europapokal die Auswärtstorregel abgeschafft. Dennoch könnte in der Champions League ein Team wegen mehr erzielter Treffer auf fremdem Platz ins Achtelfinale einziehen.

Jahrelang war die Auswärtstorregel ein Streitthema im Fußball. Viele hielten es für ungerecht, dass direkte Vergleiche in Gruppenphasen und K.o.-Runden bei Torgleichheit dadurch entschieden wurden, dass ein Team mehr Treffer auswärts erzielte. Dass ein 1:0-Heimsieg de facto somit mehr wert war als ein 2:1, stand lange in der Kritik.

Die Regel ist weg, Auswärtstore sind aber immer noch wichtig

Seit dieser Saison hat diese Regel keinen Bestand mehr. Doch genau das könnte in der Champions League am letzten Spieltag in Gruppe B zu einem Szenario führen, in dem schließlich doch wieder die Auswärtstore entscheidend werden - nur eben nicht nur die aus den direkten Duellen.

Aktuell belegt dort die AC Mailand Rang drei mit vier Zählern und einem Torverhältnis von 5:7. Mit 4:7-Toren und ebenfalls vier Punkten liegt Atlético Madrid dahinter auf dem letzten Platz. Die Spanier müssen ihr Auswärtsspiel beim FC Porto gewinnen, um noch den Einzug ins Achtelfinale schaffen zu können - und werden dann ganz genau auf das Ergebnis des Mailänder Spiels gegen den FC Liverpool schauen.

Mailand und Madrid müssen gewinnen und auf das Parallelspiel schauen

Sollte Milan dort nicht gewinnen, ist die Sache klar, dann steht Atlético im Erfolgsfall im Achtelfinale. Holt auch das Team um Superstar Zlatan Ibrahimovic den zweiten Sieg in dieser Gruppenphase, beginnt das große Rechnen.

Siegen Mailand und Madrid mit der gleichen Tordifferenz oder die Italiener höher als die Spanier, darf Milan jubeln. Gewinnt Atlético um mindestens zwei Tore höher als die "Rossoneri", freut sich Trainer Diego Simeone über das Weiterkommen. Holt sein Team einen Treffer auf, wird es kompliziert.

Sechs Parameter könnten unentschieden ausgehen

Für das Weiterkommen entscheiden folgende Parameter: Herrscht bei einem Gleichheit, folgt nach angegebener Reihenfolge der nächste: Punkte, Anzahl der Punkte im direkten Vergleich, Torverhältnis im direkten Vergleich, Tordifferenz aus allen Gruppenspielen, erzielte Treffer in den sechs Partien.

Sollte Madrid beispielsweise mit 2:0 in Porto gewinnen und Mailand mit 1:0 gegen Liverpool, wären alle diese Parameter gleich. Beide Teams hätten sieben Punkte, der direkte Vergleich (Madrid gewann in Mailand mit 2:1, Mailand in Madrid mit 1:0) wäre ausgeglichen, das Torverhältnis läge bei beiden bei 6:7. Und dann käme doch wieder eine Auswärtstorregel.

Die Auswärtstore können Madrid ins Achtelfinale bringen

Der nächste entscheidende Faktor in diesem Fall wäre nämlich, welche Mannschaft in der Gruppenphase die meisten Tore auf fremden Plätzen erzielt hat. Und da ist jetzt schon klar, dass Atlético diesen Fall für sich entscheiden würde.

Milan hat bisher drei Auswärtstore erzielt, Madrid zwei. Da die Spanier aber in dem beschriebenen Szenario ohnehin mindestens zwei Treffer erzielen müssten, kämen sie auf mindestens vier Auswärtstore. Und Mailand wäre trotz gestrichener Auswärtstorregel doch an einer solchen gescheitert.

Stand: 07.12.2021, 12:04

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