Analyse - Qualität schlägt den FC Bayern

Bayerns Jamal Musiala ist enttäuscht, dahinter David Alaba (l), Neymar (m) und Joshua Kimmich (r)

Nach dem Champions-League-Aus

Analyse - Qualität schlägt den FC Bayern

Von Jo Herold

Bayern München ist im Viertelfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain ausgeschieden. Die Qualität des Kaders von PSG war für die ersatzgeschwächten Bayern eine Nummer zu groß. Eine Analyse.

Hansi Flicks Aufgabe vor dem Rückspiel schien lösbar zu sein: Abwehrfehler minimieren, die Chancenausbeute steigern. Tatsächlich aber zeigte sich Gegner Paris Saint-Germain gegenüber dem Hinspiel taktisch deutlich verbessert und setzte seine hochklassigen Spieler perfekt in Szene.

Dass Kylian Mbappé und Neymar trotzdem kein Tor erzielten, war zwei Dingen geschuldet: einem überragenden Keeper Manuel Neuer und dem Ausbleiben des kleinen, manchmal sehr fiesen Spielglücks.

Chancen gab es zuhauf: Zwischen der 34. und 39. Spielminute traf Neymar dreimal das Gehäuse des Bayerntores. Mbappe verwandelte in der zweiten Halbzeit einen Konter mit einer Selbstverständlichkeit, wie sie in der Bundesliga aktuell nur selten zu sehen ist: zentral per "Strahl" unter die Latte.

Nur eine knappe Abseitsposition des Doppeltorschützen aus dem Hinspiel verhinderte nach VAR-Check den Ausgleich. So blieb es beim 1:0 für die Bayern - das in der Summe eben nicht reichte.

"Au revoir, FC Bayern München" - die Audio-Highlights aus Paris Sportschau 14.04.2021 01:25 Min. Verfügbar bis 20.04.2022 Das Erste

Unterschiedsspieler - aber am Dienstag nicht bei den Bayern

Das Problem für Hansi Flick: eine dünne Auswechselbank. Dass der Lauf durch die Wettbewerbe wie 2020 in diesem zweiten Coronajahr nicht gelingen würde, war spätestens dann klar, als sich Robert Lewandowski im März bei einer Länderspielreise verletzte. Lewandowski, die Versicherung des FC Bayern.

Und dann fiel auch für die Paris-Spiele Serge Gnabry aus. Dazu gesellten sich noch Leon Goretzka und Niklas Süle. Leistungsträger, für die es bei den Bayern vor allem in der Offensive keinen Ersatz gibt.

Paris hatte diese Verletzungssorgen im Angriff nicht - und war so klar im Vorteil: Was Neymar, Kylian Mbappé und phasenweise Ángel di María gegen die Bayern am Ball und im Zusammenspiel zeigten, war ganz großes Kino.

Ihre gegenseitigen Laufwege kennen die drei blind, vor allem Neymar und Mbappé bewiesen im Hinspiel (sehr erfolgreich) und im Rückspiel (glücklos), dass hier das womöglich aktuell größte Angreiferpotenzial Europas zusammenspielen darf.

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Pochettino findet die richtigen Mittel

Nicht nur im Angriff, auch in der Abwehr hat PSG-Trainer Mauricio Pochettino mit dem richtigen Coaching nicht nur den Ausfall seines Abwehrkoordinators und Kapitäns Marquinhos wettgemacht, er hat die defensiven Fehler, die die unzähligen Torschüsse der Bayern im Hinspiel ermöglichten, abstellen können.

Besonders die Außenverteidiger Dagba und Diallo (später adäquat ersetzt durch Bakker) waren für Kingsley Coman und Leroy Sané häufig nicht überwindbar, insgesamt doppelten die Abwehrspieler den ballführenden Münchner, verdichteten geschickt das Abwehrzentrum und erschwerten so das Eindringen der Bayern ins Angriffsdrittel.

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Transfers ohne Durchschlag

Das Ausscheiden der Bayern hat auch mit der Kaderpolitik zu tun: Der Kader der Münchner wurde zur laufenden Saison ausgedünnt und nicht verstärkt. Die Verpflichtungen von Douglas Costa und Buona Sarr gingen ins Leere, und Eric Maxim Choupo-Moting ist nicht ansatzweise ein Ersatz oder Sturmpartner von Robert Lewandowski.

Angesichts der Verletztenliste der Münchner saßen gegen PSG sechs Feldspieler auf der Bank, von denen drei (Nianzou, Stanisic und Zaiser) über kaum oder wenig Profi-Erfahrung verfügen.

Flicks Abschiedsrede?

Wie geht es weiter mit Hansi Flick? Im Interview bei "Sky" war zwar von Gesprächsbereitschaft gegenüber den Bayern-Granden die Rede. Aber der Coach, der mit den Bayern in seinem Antrittsjahr ein Feuerwerk an Titeln abbrannte, sprach sehr wenig von der Erfüllung seines bis 2022 datierten Vertrags, sondern erwähnte sehr häufig den DFB - schließlich ist der 56-Jährige einer der Kandidaten auf die Nachfolge von Bundestrainer Joachim Löw.

Sein Zwist mit Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic könnte Flick schlicht die Perspektive genommen haben. Ausgebremst bei personellen Entscheidungen, Leidtragender von fehlenden Mannschaftsverstärkungen, kein Zutrauen in eine erfolgreiche Transferpolitik für die Zukunft. Bayerns Ausscheiden aus der Champions League erscheint somit fast folgerichtig.

Stand: 14.04.2021, 08:00

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