Nationale Serienmeister: Die Krux mit der Königsklasse

Liste der Meisterschaften von PSG, Juventus und Bayern München in den letzten neun Saisons

Ungleiche Geldverteilung

Nationale Serienmeister: Die Krux mit der Königsklasse

Die enormen Geldströme in der Königsklasse drohen den Wettbewerb in den europäischen Ligen zu zerstören. Die Dominanz der Topklubs wird immer größer, weil ein kleiner Zirkel in der Champions League immer mehr Geld verdient.

Bayern München, Juventus Turin und Paris Saint Germain werden Meister - für diese Kombiwette gibt es schon seit Jahren keine großen Gewinne mehr. Juventus Turin sicherte sich am Wochenende zum neunten Mal in Serie den Titel in Italien, die Bayern holten sich zuvor zum achten Mal nacheinander die Meisterschaft in der Bundesliga, und Paris stand in Frankreich zum siebten Mal in den vergangenen acht Jahren in der Tabelle ganz oben.

Wenn es um den nationalen Titel geht, herrscht in Europas Top-Ligen meist gähnende Langeweile. Zumal auch in Spanien sich nur Real Madrid und der FC Barcelona munter abwechseln. Richtig gefordert werden diese Klubs, das ist die bittere Wahrheit, auf nationaler Ebene nur noch selten, umso wichtiger ist allen die Fortsetzung der Champions League. Weil dann endlich wieder gleichwertige Gegner warten.

Zunächst werden die ausstehenden Achtelfinale nachgeholt: Manchester City erwartet dann Real Madrid, Juventus Turin empfängt Olympique Lyon (beide 7. August), Bayern München spielt gegen den FC Chelsea, der FC Barcelona gegen SSC Neapel (beide 8. August).

Studie bringt erschreckende Ergebnisse

Die Hauptursache dafür, dass sich Bayern, Juventus, Barcelona, Madrid oder Paris immer weiter vom Rest ihrer nationalen Ligen entfernen, liegt im explosionsartigen Anstieg der Erlöse aus der Champions League. "Die Umsätze der Champions League sind immer größer geworden. Und vor allem: Immer weniger Topklubs bekommen einen immer größeren Anteil", beschreibt Stefan Ludwig, Leiter der Sport Business Gruppe bei der Wirtschaftsprüfergesellschaft Deloitte das große Dilemma. Bei einem Vortrag der European Leagues, eines Verbandes von europäischen Profi-Ligen, trug der damalige Generalsekretär Georg Pangl zum Thema "Sport, Führung und Finanzen" im Herbst vergangenen Jahres in Frankfurt bemerkenswerte Fakten vor, die die auseinanderklaffende Schere belegten.

Pangl über UEFA-Pläne: "Das ist ein bedrohliches Szenario" sport inside 18.09.2019 02:12 Min. Verfügbar bis 18.09.2020 WDR Von Matthias Wolf

Die Einnahmen für die 14 europäischen Topklubs aus den UEFA-Geldern waren in den 26 Jahren zwischen 1992 und 2018 mit sieben Milliarden Euro genauso hoch wie in den sechs Jahren zwischen 2018 und 2024. Hinzu kommt, dass die Königsklasse so viel besser gestellt ist gegenüber der Europa League, früher UEFA-Cup, dass sich allein daraus ein gewaltiges Ungleichgewicht ergeben hat. Heute konzentrieren sich 39 Prozent aller Sponsorengelder im europäischen Fußball auf die Top 12. Vor zehn Jahren waren es erst 22 Prozent.

Zwei Milliarden Euro nur für die Champions League

Die Ausschüttungen in den UEFA-Wettbewerben sind von der Saison 2010/11 bis zur Saison 2018/19 jährlich um durchschnittlich 13,8 Prozent gestiegen. 2018/19 entfielen von den 2,54 Milliarden Euro allein 1,98 Milliarden Euro auf die Klubs in der Champions League. "Keine andere Sportart generiert so viele Einnahmen aus der Vermarktung eines internationalen und ligaübergreifenden Wettbewerbs", sagt Ludwig.

Die europäische Dachorganisation verstärkt den Trend, dass die Großen immer größer werden – und die Spiele immer vorhersehbarer. Die große Champions-League-Reform zur Saison 2018/19 hat das Auseinanderklaffen der Schere noch vergrößert. Auf Druck der Topklubs und aus der Angst, diese könnten sich in einer eigenen Europaliga zusammenschließen, entschied sich die UEFA für Maßnahmen, die die Dominanz der Spitzenvereine weiter zementiert hat. Demnach wandern 81 Prozent Mehreinnahmen auf das Konto von nur 4,5 Prozent der Klubs, während 700 Vereine in ganz Europa sogar noch schlechter gestellt wurden als vorher.

Der Teufelskreis ist kaum zu durchbrechen

Vier sichere Startplätze haben seitdem die vier Eliteligen aus Spanien, Deutschland, England und Italien. Für die nationalen Branchenführer wird es daher nahezu unmöglich, sich nicht für die Königsklasse zu qualifizieren. Zudem beschloss die UEFA eine Umverteilung der Erlöse zugunsten der Topklubs, indem sie neben Startgeld, Erfolgsprämien und Geldern aus dem sogenannten Marktpool, der abhängig vom Wert der nationalen TV-Rechte für die UEFA-Wettbewerbe ist, eine vierte Säule einführte.

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Abhängig von den Erfolgen der Vergangenheit steigen die Einnahmen der Klubs. Wer erfolgreich ist, bekommt also noch mehr Geld und wird damit noch erfolgreicher. Nur wenn dieser Kreislauf durchbrochen wird, besteht die Chance auf mehr Spannung - sowohl international als auch national.

Gift für die Wettbewerbsfähigkeit

"Die TV-Gelder aus den internationalen Wettbewerben sind Gift für die Wettbewerbsfähigkeit in den nationalen Ligen", sagte Düsseldorfs Vorstandsboss Thomas Röttgermann unlängst. Röttgermann warnte gegenüber der Sportschau davor, "den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen." Es herrsche keine Spannung mehr, das beträfe auch die Bundesliga. Bayern München und Borussia Dortmund hätten aufgrund "der großen Beträge, die sie bekommen" Planungssicherheit, "aber der Sport, die Unwägbarkeit der sportlichen Auseinandersetzung muss gewahrt bleiben. Wenn wir das nicht tun, vergraulen wir die Menschen, die sich das ansehen. Dann können wir alle Modelle, die wir jetzt haben, in die Tonne kloppen."

Ein grundsätzlicher Wille bei den Topklubs ist vorhanden. "Ich glaube, wir waren immer in der Lage, faire und ernste Lösungen zu finden. Und ich bin überzeugt, dass uns das auch in diesem Jahr gelingt", sagte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mit Blick auf die nationalen Einnahmen. Geht es um den dicken Batzen der internationalen Erlöse, werden sich die Topklubs aber nicht so generös zeigen. Zumal auch sie von der Corona-Krise hart getroffen werden. "Im kommenden Jahr ist sicherlich ein größerer finanzieller Einbruch zu erwarten", sagte Rummenigge. Wirklich große Zugeständnisse sind daher nicht zu erwarten.

red/dpa | Stand: 29.07.2020, 16:00

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