3. Liga - Start in die Restsaison

Leeres Stadion des 1. FC Magdeburg

Rückkehr nach 81 Tagen Pause

3. Liga - Start in die Restsaison

Von Dirk Burkhardt

81 Tage hat die 3. Liga pausiert. Bis zuletzt stand die Fortsetzung der Fußball-Saison nach den Corona-Beschränkungen auf der Kippe. Erst wenige Tage vor dem Start in die restliche Saison beschloss ein DFB-Bundestag trotz großer Proteste, dass die verbleibenden elf Spieltage stattfinden sollen. Jetzt geht es für viele Klubs nicht nur um Auf- oder Abstieg, sondern noch um viel mehr. Wissenwertes zur Wiederaufnahme.

Was bisher geschah

Sportlich hätte die 3. Liga vor der Unterbrechung kaum spannender sein können. Bei einem Abstand von fünf Punkten zwischen einem Aufstiegsplatz und Rang elf kann sich die Hälfte der Liga Hoffnungen auf den Sprung in die 2. Liga machen. Ab Viktoria Köln auf Rang zwölf geht der Blick Richtung Abstiegsplätze, wobei die SG Sonnenhof Großaspach (12 Punkte Rückstand) und Carl Zeiss Jena (16 ) als Vorletzter und Letzter elf Spieltage vor Schluss schon einen ordentlichen Abstand haben und wohl nicht mehr zu retten sind.

Gut in Form waren vor der Pandemie vor allem 1860 München und Waldhof Mannheim. Die Sechziger legten bis zur Corona-Pause eine Serie von 14 Spielen ohne Niederlage hin. Zwar waren darunter auch sieben Unentschieden, aber die "Löwen" haben mit 42 Zählern direkten Kontakt zum Spitzentrio MSV Duisburg (47 Punkte), Waldhof Mannheim und SpVgg Unterhaching (je 44). Für Aufsteiger Waldhof lief es sogar noch besser. Mit 25 Punkten aus 13 ungeschlagenen Spielen stürmten die Mannheimer vor bis auf Platz zwei und dürfen nach dem Abstieg von 2003 von einer Rückkehr in die 2. Liga träumen.

Zum dritten Mal Trainer in Ingolstadt: Tomas Oral

Zum dritten Mal Trainer in Ingolstadt: Tomas Oral

Unter den Top-Teams waren vor der Liga-Unterbrechung vor allem Spitzenreiter MSV Duisburg und der FC Ingolstadt auf Schlingerkurs. Während die "Zebras", immerhin seit dem 14. Spieltag ganz oben in der Tabelle, bei nur einem Sieg aus den fünf Spielen vor der Pause vor allem von den Patzern der Konkurrenz profitierten, ging es für Ingolstadt durch nur einen Zähler im selben Zeitraum von Rang zwei runter auf fünf. Deshalb tauschten die "Schanzer" kurz vor dem Corona-Stopp noch auf dem Trainerstuhl. Tomas Oral kam für Jeff Saibene.

Im Tabellenkeller erholte sich vor der Unterbrechung ab Mitte März vor allem Viktoria Köln mit drei Siegen in Folge. Halle dagegen befand sich mit zehn Spielen ohne Sieg im freien Fall und rangiert mit 33 Punkten gerade so noch über dem Strich. Dabei war der HFC mit 31 Punkten aus den ersten 16 Spielen bis auf Platz zwei durchgestartet.

Während der Corona-Zwangspause

In keiner der drei deutschen Fußball-Profiligen ging es in der Zwangspause so unruhig und kontrovers zu wie in Liga drei. Auf sportlicher Seite tauschte neben dem FC Ingolstadt auch der KFC Uerdingen seinen Trainer aus. Stefan Krämer, bereits bis Januar 2019 bei den Krefeldern, kehrte als Trainer Nummer drei in der laufenden Saison zurück auf die Bank. Später verließ dann noch der als Sportdirektor angeheuerte Stefan Effenberg den KFC.

Viel turbulenter war es allerdings abseits des Rasens. Die fehlenden Einnahmen drängten viele Klubs der 3. Liga an den Rand der Insolvenz. Eilig schloss der DFB Anfang April aus, dass eine Insolvenz sportliche Konsequenzen für die laufende Saison hat. Daran, dass einige Klubs auf der Kippe stehen, ändert das nichts.  "In der 3. Liga überlebt man keine zehn Jahre", sagte Unterhachings Präsident Manfred Schwabl dem "Focus". "Wir müssen unbedingt raus."

Entsprechend wurde auch die Debatte um eine Fortsetzung der Liga hitzig geführt. Die Klubs, die eher in der unteren Hälfte der Tabelle stehen, plädierten lautstark für einen Abbruch und eine Annullierung der Saison. Daraus resultierte auch der Vorschlag, die 3. Liga aufzustocken und in zwei Staffeln zu teilen. Der andere Teil der Liga war wie der DFB für eine Fortsetzung, um eine sportliche Entscheidung herbeizuführen. Letztlich setzte sich der DFB durch und beschloss endgültig über seinen Bundestag am 25. Mai die Wiederaufnahme für den 30. Mai.

Anders als in der Bundesliga und 2. Liga waren allerdings einige Klubs noch strengen Auflagen ihres Bundeslandes unterworfen. So konnten zum Beispiel der FSV Zwickau oder der Hallesche FC fast erst mit Beginn der einwöchigen Quarantäne vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs wieder ins Mannschaftstraining starten. Andere Teams sind schon wesentlich länger unter fußballähnlicheren Bedingungen zurück auf dem Feld.

Die Wiederaufnahme

Jetzt geht es also los, unter denselben Bedingungen wie in den anderen Profiligen: leere Zuschauerränge, strenge Hygiene-Auflagen und regelmäßige Tests auf das Coronavirus. Elf Spieltage innerhalb von fünf Wochen sollen die Saison in der 3. Liga bis zum 4. Juli noch retten. Danach geht es noch in die Aufstiegsrelegation zur 2. Liga. In diesem engen Terminplan ist kaum Platz für Ausfälle durch Team-Quarantäne.

Sportlich geht es gleich mit einem Spitzenspiel los: 1860 München empfängt am Sonntag (13 Uhr) Spitzenreiter MSV Duisburg. Über 30.000 "Geistertickets" haben die "Löwen" für die Partie verkauft und Einnahmen von 500.000 Euro erzielt. Dafür soll das Konterfei der Kartenkäufer im Stadion an der Grünwalder Straße auftauchen. Mit einem Sieg wäre München bis auf zwei Punkte an den MSV heran.

Erste Einschränkungen durch die Coronakrise muss Schlusslicht Carl Zeiss Jena hinnehmen. Weil das heimische Stadion noch nicht freigeben ist, trägt Jena seine Partie am Sonntag (17 Uhr) gegen den Chemnitzer FC im über 200 Kilometer entfernten Würzburg aus.

Einen Rekord wird es sofort bei der Rückkehr geben: Viktoria Kölns Trainer Pavel Dotchev wird beim Spiel in Braunschweig (Samstag, 14 Uhr), zum 238. Mal als Coach in der 3. Liga an der Seitenlinie stehen und damit den bisherigen Rekordhalter Peter Vollmann endgültig ablösen.

Zusammenfassungen der Spiele 1. FC Magdeburg gegen 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig gegen Viktoria Köln, SV Meppen gegen Kickers Würzburg und SV Waldhof Mannheim gegen KFC Uerdingen gibt es Samstag ab 18 Uhr in der Sportschau im Ersten.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Samstag, 30.05.2020, 18 Uhr.

Stand: 29.05.2020, 13:43

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