3. Liga: Mehr Hygiene und Nachwuchs - Klubs in Bedrängnis

Das Symbol der 3. Liga mit dem Slogan "Die 3. Liga zeigt´s uns"

Saisonreport 2019/2020

3. Liga: Mehr Hygiene und Nachwuchs - Klubs in Bedrängnis

Die 3. Liga ist sportlich attraktiv und wollte sich finanziell stabilisieren, doch dann kam die Pandemie - die Folgen sind nur zu erahnen. Vor der anstehenden Rückrunde will der DFB das Hygienekonzept verschärfen - weitere Spielverlegungen sollen vermieden werden.

Vier Spiele müssen in der 3. Liga aktuell noch nachgeholt werden, dann ist die Hinrunde auch formal abgeschlossen. "Nur vier Spiele", sagte Manuel Hartmann, DFB-Abteilungsleiter Spielbetrieb Ligen, am Donnerstag bei einer Videoschalte des Deutschen Fußball Bundes. Insgesamt mussten in der Hinrunde 21 Spiele abgesagt und neu angesetzt werden. Das sei "vertretbar", weil man "etwas Puffer" gehabt habe.

Vor dem Hintergrund einer eng getakteten Rückrunde bis Ende Mai und der Sorge vor einem mutierten Coronavirus, das sich in Deutschland schneller ausbreiten könnte, will der DFB deutlich weniger Spielabsagen im zweiten Durchgang der 3. Liga riskieren. Dazu sollen wie auch in den beiden Bundesligen die Sinne für das Hygienekonzept noch einmal geschärft und die Maßnahmen verschärft werden.

Ziel: weniger Mannschaftsquarantänen

Neben der Empfehlung, verstärkt FFP-2-Masken im Mannschaftsbus einzusetzen, soll eine Checkliste für den Kontakt mit dem Gesundheitsamt ins Hygieneprotokoll aufgenommen werden. Anhand dieser Liste sollen die Vereine bei einem Coronafall genau darlegen können, "wie die letzten 48 Stunden abgelaufen sind, eventuell sogar als Fotobuch", sagte Hartmann.

So könnten komplette Mannschaftsquarantänen eher vermieden wären und weniger Spiele müssten ausfallen. Am Freitag sollen die Änderungen vom DFB-Präsidium beschlossen werden.

Zuschauereinnahmen fehlen

Während die finanziellen Kennzahlen der letzten Saison 2019/20 insgesamt positiv bewertet und von der Corona-Pandemie nur wenig beeinflusst wurden, schaut man beim DFB etwas besorgt in die Zukunft. "Der Trend ist auf jeden Fall nicht der beste. Wir haben die Sorge, dass wir im nächsten Saisonreport eine Negativentwicklung verzeichnen müssen", sagte Hartmann.

Vor allem die Zuschauereinnahmen fallen durch die Geisterspiele weg und fehlen den Klubs. Normalerweise machen die Ticketverkäufe rund 17 Prozent aus und damit mehr als in der 1. und 2. Bundesliga. Durch Corona-Tests und Hygienemaßnahmen sind dazu neue Kosten für die Vereine entstanden. Hartmann ließ auch durchblicken, dass die 20 Klubs als Konsequenz ihre Personalkosten herunterfahren müssten, sei "noch nicht ganz angekommen".

1,6 Millionen Euro Fehlbetrag pro Klub

In der Saison 2019/20 haben die Vereine der 3. Liga im Durchschnitt 4,2 Millionen Euro für ihr kickendes Personal ausgegeben. In der laufenden Saison sind diese Ausgaben offenbar kaum angepasst bzw. nach unten korrigiert worden.

Das eigentliche Problem ist aber, dass die Einnahmen und Ausgaben in einem Missverhältnis zueinander stehen - zwar nicht dramatisch, aber doch auffällig. So weisen die Klubs trotz eines neuen Höchstwerts bei den Erträgen (durchschnittlich 10,8 Mio. Euro pro Verein), einen Fehlbetrag von 1,6 Mio. Euro auf. Nur sechs Vereine überhaupt konnten einen Überschuss erzielen.

Back to the roots

Wie also den finanziellen Herausforderungen entgegentreten? Manfred Schwabl, Präsident von der SpVgg Unterhaching, der auch Mitglied in der im November gegründeten Taskforce 3. Liga ist, will vermehrt auf die Jugend setzen. "Wir wollen in Zukunft 80 Prozent unserer Profispieler aus unserem eigenen Nachwuchsleistungszentrum hochziehen." Es ist damit auch die Rückkehr zur Grundidee bei der Gründung der Liga: als Ausbildungsliga.

Wieder mehr auf die Jugend setzen: genau das ist auch ein Kernthema in der Taskforce, in der laut Schwabl "sehr kontrovers diskutiert" wird. Er fordert beispielsweise den Nachwuchsfördertopf von aktuell drei auf 30 Millionen Euro aufzustocken.

3. Liga nur als Zwischenstation

Schwabl kritisiert vor allem, dass die meisten Teams so schnell wie möglich wieder raus wollen aus der 3. Liga - am liebsten nach oben. "Die Liga ist eine tolle Plattform und wir wir fühlen uns hier richtig wohl." Das sehen aber offenbar nur wenige Vereinsbosse so. Zwar ist der Sprung in die 2. Bundesliga sportlich gar nicht so groß, aber finanziell enorm. Daher übernehmen sich Vereine in der höchsten vom DFB organisierten Männerspielklasse immer wieder.

Wer sich in dieser Saison womöglich übernommen hat, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Bis Donnerstag (21.01.) hatten einige Vereine noch die Chance ihre Liquiditätslücken in Mitten der Saison zu schließen - das sei aber "nicht gänzlich unüblich", so Hartmann. Dass aber nur wenige Stunden später der KFC Uerdingen ein Insolvenzverfahren einleitete unterstreicht die schwierige Situation der Drittligaklubs.

red | Stand: 21.01.2021, 14:54

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