Preußen Münster und die Hintergründe der Einsprüche

Malte Metzelder, Sportdirektor von Preußen Münster

Gespräch mit Sportdirektor Metzelder

Preußen Münster und die Hintergründe der Einsprüche

Von Matthias Schmidt

Auf den ersten Blick wirkt es fast schon weinerlich, was Preußen Münster in den vergangenen Wochen veranstaltet hat: In den acht Spielen seit Wiederbeginn siegten die Münsteraner dreimal, spielten zweimal Unentschieden und verloren drei Spiele.

Gegen die Wertung der drei Niederlagen erhob der Verein fristgerecht Einspruch – gegen die anderen fünf Spiele nicht. Der Grund dafür ist simpel: Gegen Spiele mit Punktgewinn kann schlicht kein Einspruch erhoben werden.

Für Preußen ist klar: Die Austragung der Spiele verstoße gegen die Grundsätze des Fair Play und der Chancengleichheit, argumentiert der Verein. "Es gab erhebliche regionale Unterschiede, was die Vorbereitung auf den Re-Start anging", sagt Sportdirektor Malte Metzelder im Gespräch mit der Sportschau: "Wir konnten aufgrund behördlicher Vorgaben erst am 26. Mai ins Mannschaftstraining einsteigen – Bayern II gehörte dagegen zu den ersten Mannschaften, die wieder mit dem Training beginnen konnten."

Metzelder: "Es fehlt an Regeneration und Erholung"

Gegen die 2:3-Niederlage der Preußen beim Drittliga-Spitzenreiter ist eines der Verfahren anhängig. Die vergangenen Spiele, so Metzelder, zeigen, dass die Belastung für die Spieler mit elf Spielen innerhalb von fünf Wochen immens hoch ist: "Es fehlt an Regeneration und Erholung, um ausgeruht und mit voller Konzentration spielen zu können. Es entscheidet mehr denn je das Momentum und Spielglück. Gegen Zwickau waren das 90 Minuten Russisch Roulette“.

Ging Münster gegen den FSV dank eines verwandelten Elfmeters in der Nachspielzeit als Sieger des Vabanque-Spiels vom Platz, zog der Sportclub im direkten Duell gegen Abstiegskonkurrent Chemnitz den Kürzeren und verlor durch ein Eigentor in der letzten Spielminute mit 0:1.

Preußens Problem: Saison wird nicht zum 30. Juni beendet

Neben der unterschiedlichen Vorbereitungszeit gibt es ein zweites Argument, das aus Sicht der Westfalen gegen einen fairen Wettkampf spricht: Dass die Saison über den 30. Juni hinausgeht, obwohl zahlreiche Vereine dagegen gewesen sind. Viele Spielerverträge laufen zu diesem Datum aus. Zwar hat der DFB klargestellt, dass das Spielrecht bis zum Ende der Saison beim derzeitigen Verein verbleibt – arbeitsrechtlich könnte das allerdings anders aussehen. "Was würde denn passieren, wenn ein Verein einen der wichtigsten Spieler des Gegners ab dem 1.7. unter Vertrag nimmt? Durch diesen Saisonverlauf gibt es die Möglichkeit zur legalen Wettbewerbsverzerrung.“

Metzelder: "Hätten wahrscheinlich gegen alle Partien Einspruch eingelegt"

Der Einspruch gegen die Wertung der Partie in München wurde vom DFB bereits zurückgewiesen. Dass Preußen Münster mit seinen Einsprüchen Erfolg hat, hat im Verein wohl ohnehin niemand ernsthaft geglaubt: "Der DFB hat eine Kartellstellung. Die Richter, die die Einsprüche gegen die DFB-Entscheidungen verhandeln, kommen schließlich selbst vom DFB“, sagt Metzelder.

Nichtsdestotrotz: Hätten die Preußen alle bisherigen Spiele verloren, hätten die Westfalen "sehr wahrscheinlich gegen alle Partien Einspruch eingelegt", so Metzelder: "Es wäre grob fahrlässig, nicht alle juristischen Möglichkeiten auszunutzen, um uns gegen die Wettbewerbsverzerrungen zu wehren und die Interessen des Vereines zu schützen. Dafür leben wir in einem Rechtsstaat.“

Kurios an der ganzen Geschichte: Trotz der Einsprüche gehört Preußen Münster eher zu den Gewinnern seit Wiederbeginn. Stand die Mannschaft von Trainer Sascha Hildmann bis zur Saisonunterbrechung mit 27 Punkten aus 27 Spielen mit sechs Punkten Rückstand auf einem Abstiegsplatz, sind es nach elf Punkten aus acht Spielen seitdem nur noch zwei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer.

Stand: 26.06.2020, 09:00

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