Fußball | 3. Liga

Nicole Kumpis will erste Präsidentin von Eintracht Braunschweig werden

Stand: 20.01.2022, 09:33 Uhr

Bekommt Eintracht Braunschweig im 127. Jahr seines Bestehens zum ersten Mal eine Präsidentin? Die ehemalige Chefin der Eintracht-Stiftung Nicole Kumpis steht bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung im März zur Wahl - und rechnet fest mit ihrem Sieg.

Von Florian Neuhauss und Boris Poscharsky

Die 47-Jährige findet es schade, dass das im Jahr 2022 überhaupt noch ein Thema ist. Aber ja, sie will Präsidentin des BTSV werden und weiß, dass das ein Novum wäre. "Mir sind die Dimension und die Tragweite schon bewusst. Mein Team und ich sind aber der Meinung, dass es nicht wichtig ist, ob es eine Frau oder ein Mann ist, die oder der an der Spitze steht", sagte Kumpis dem NDR und fügte hinzu: "Wichtig sind unser Programm und unsere Ziele. Es kommt auf Kompetenzen, Engagement und Leidenschaft an."

Schon mit der Ernennung zur Vizepräsidentin im Dezember betrat die Diplom-Sozialpädagogin Neuland - auch das gab es in Braunschweig vorher nicht.

Kumpis "Vereinsmensch, durch und durch blau-gelb"

Neu bei der Eintracht ist Kumpis allerdings keineswegs: "Ich bin schon immer mit großer Leidenschaft Eintracht-Fan gewesen - und habe auch immer noch meine Dauerkarte in Block sieben. Ich bin ein Vereinsmensch, durch und durch blau-gelb." Bevor sie im vergangenen Mai im Vorstand des Rotkreuz-Kreisverbandes Braunschweig-Salzgitter anfing, war sie Geschäftsführerin der Eintracht Braunschweig Stiftung. Und schon bei ihrem Abschied habe sie signalisiert, "dass ich weiter Verantwortung übernehmen möchte und auch gerne für Aufgaben bereitstehe".

Bratmann scheitert, Team tritt erneut an

Zunächst erklärte sie sich bereit, bei der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr als Vize unter dem amtierenden Präsidenten Christoph Bratmann anzutreten. Der SPD-Politiker war im Herbst 2020 zum Nachfolger des langjährigen Vereinsvorsitzenden Sebastian Ebel gewählt worden. Er wollte Ruhe in den ins Schlingern geratenen Club bringen - und besonders die aktive Fanszene wieder mit ihrem Verein versöhnen.

Doch daraus wurde nichts. Sportlich stiegen die "Löwen" wieder in die Dritte Liga ab. Und aus dem Versuch, mit einer Veranstaltungsreihe Fans mit Vereins- und Profiabteilungs-Führung zu einen, wurde nichts. Ganz im Gegenteil: Bratmann wurde im November abgewählt. Die übrigen vier Präsidiumskandidaten Kumpis, Rainer Cech, Kay-Uwe Rohn und Benjamin Kessel entschieden daraufhin, nicht mehr zur Wahl anzutreten.

Kumpis, Kessel und Co. offizieller Vorschlag des BTSV

Eintracht Braunschweigs Präsidentschaftskandidatin Nicole Kumpis (M.) mit Rainer Cech (v.l.), Kay-Uwe Rohn, Uwe Fritsch und Benjamin Kessel

"Aber in der Aufarbeitung war schnell klar, dass wir gemeinsam antreten möchten. Und mir ist in den sehr positiven Gesprächen sehr schnell klar geworden, dass ich mich als Präsidentin bewerben möchte", erklärte Kumpis nun. Zu ihrem Team gehört neben Cech, Rohn und Ex-Profi Kessel als Kandidat für den Posten als erster Vizepräsident auch Aufsichtsrat Uwe Fritsch, langjähriger Betriebsratchef von VW in Braunschweig.

Die Fünf sind das offizielle Präsidiumsteam, das der BTSV aufgestellt hat. "Ich glaube, dass wir mit Nicole Kumpis als Präsidentin nicht nur eine leidenschaftliche Vertreterin der Eintracht gewinnen, sondern mit ihr als Person ein starkes und verbindendes Zukunftssignal für den Traditionsverein setzen können", erklärte im Dezember der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Jens-Uwe Freitag bei der Bekanntgabe.

Kumpis will mehr Demokratie und die Bundesliga-Rückkehr

Als Präsidentin würde sie zuvorderst dem mehr als 5.000 Mitglieder starken Verein mit seinen 14 Abteilungen vorstehen. Kumpis wirbt damit, für mehr Demokratie zu sorgen: "Wir wollen für jedes einzelne Mitglied in den Abteilungen mehr Beteiligungsformen schaffen - zum Beispiel durch neue Gremien."

Das Präsidium ist allerdings auch im Aufsichtsrat der Profiabteilung vertreten. Für die Fußballer gelte es ebenfalls, Visionen zu entwickeln. Kurzfristig soll die Rückkehr in die Zweite Liga gelingen - aktuell belegen die "Löwen" mit einem Nachholspiel in der Hinterhand Rang drei, der zur Teilnahme an der Relegation berechtigt. Langfristig darf es für den deutschen Meister von 1967 dann noch eine weitere Etage nach oben gehen: "Es ist eine langfristige Aufgabe mit historischer Gegebenheit, dass wir wieder in der Ersten Liga spielen."

Präsident oder Präsidentin? Erstmals eine richtige Wahl

Dass Kumpis und ihre Mitstreiter im März gewählt werden, ist allerdings noch lange nicht sicher. Denn nicht nur eine Präsidentin wäre neu, neu ist auch, dass die Mitglieder bei der Wahl zwischen zwei Teams wählen können. Das zeigt aus ihrer Sicht schon "den Weg in Richtung Demokratisierung - wohin wir aufbrechen wollen".

Ihr Vorgänger als erster Vizepräsident, Axel Ditzinger, der im vergangenen Jahr nach gerade einmal sechs Monaten im Amt wieder zurückgetreten war, hat ebenfalls ein Team aufgestellt. Beim Unternehmer mit dabei ist unter anderem die ehemalige Hockey-Nationalspielerin Bettina Heinicke (geborene Blumenberg).

Kumpis will die Frauen-Karte nicht spielen, wenngleich "Diversität und unterschiedliche Geschlechter ein wichtiges Zeichen in unserer heutigen Gesellschaft sind". Ihr sei sogar erst mal wurscht, welches Team am Ende gewählt wird: "Es kommt darauf an, dass man das, was man macht, gut macht." Von ihrem Erfolg ist die 47-Jährige allerdings vollends überzeugt: "Mit allem, was wir jetzt erarbeitet haben, mit unserem ganzen Programm und dem Team, das dahintersteht, bin ich sehr sicher, dass wir im März siegreich vom Platz gehen werden." Und dann hätte der BTSV erstmals eine Frau an seiner Spitze.

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 22.01.2022 | 14:00 Uhr

Quelle: NDR

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