Hansa Rostock als erster Profi-Fußballclub wieder mit Fans

Hansa-Fans mit Maske halten im Stadion ihre Schals hoch.

NDR-Sport

Hansa Rostock als erster Profi-Fußballclub wieder mit Fans

Der FC Hansa Rostock darf sein Drittliga-Spiel am Sonnabend gegen den Halleschen FC (live im NDR) vor Zuschauern austragen. Das Landeskabinett gab am Donnerstagabend grünes Licht.

"Das Gesundheitsamt Rostock hat das Konzept gebilligt, und wir sind auch zu der Überzeugung gelangt, dass das Spiel vor Zuschauern stattfinden kann", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU). "Es gibt insgesamt die Auflage, hier Erfahrungen zu sammeln und dem Deutschen Fußball-Bund mitzuteilen, welche Stärken und Schwächen das Konzept hat."

Der Aufstiegsaspirant ist damit der erste Profi-Fußballclub, der seit fast fünf Monaten wieder vor Fans spielen darf. "Bei aller Freude, der erste Verein sein zu können, der wieder vor Zuschauern spielen darf, sind wir uns zugleich aber auch der unheimlich großen Verantwortung bewusst, die wir mit dieser Vorreiterrolle tragen", teilte der FC Hansa mit.

777 Zuschauer sind zugelassen

777 Zuschauer - in Rostock lebende Dauerkartenbesitzer sowie Ticketinhaber von Hansa-Partnerfirmen - sind für Rostocks Heimspiel gegen den Halleschen FC am Sonnabend (14 Uhr, live im TV und im Livecenter bei NDR.de) im Ostseestadion zugelassen. Vor den Stadiontoren werden Schnelltests durchgeführt, auf den Rängen herrscht Masken- und Abstandspflicht. In Kombination mit Tests und Hygieneregeln sollen die Zuschauer in Rostock die App "Luca" nutzen, die im Falle einer Infektion eine unkomplizierte Nachverfolgung der Kontakte ermöglicht. Die Südtribüne bleibt gesperrt. Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerium hatte einem entsprechenden Konzept bereits am Mittwochabend zugestimmt.

Rostock mit niedriger Sieben-Tage-Inzidenz

"Das ist ein möglicher Schritt in Richtung Öffnung", sagte Gesundheitsminister Glawe. Zugleich sprach er von einer "großen Herausforderung für den Verein und für die Zuschauer, Fußball unter Pandemie-Bedingungen im Land zu ermöglichen". Möglich machen den Vorstoß die niedrigen Inzidenzwerte an der Ostsee. Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Hansestadt lag am Donnerstag bei 22,9 registrierten Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche.

Nur ein erster Schritt

Die Fan-Zulassung fürs Wochenende soll für den Drittliga-Tabellenzweiten nur ein erster Schritt sein. Funktioniert das Konzept reibungslos, planen die Hansa-Macher schon bald mit bis zu 3.000 Zuschauern. "Es wird von heute auf morgen keine Normalität geben. Wir müssen sie uns Stück für Stück erkämpfen. Dazu müssen wir diesen ersten Schritt gehen, um danach den zweiten und dritten zu machen", hatte Marien kürzlich konstatiert.

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Je nach Stadionbereich hat der Verein verschiedene Teststrategien vorbereitet. Für eine Gruppe werden sogenannte Schnellstraßen am Stadion aufgebaut, für die andere Tribüne gibt es Abstrichzentren am Vormittag in Innenstadt und am Stadion. Für die VIP-Gäste gilt ein sogenanntes Drive-In-Konzept mit Tests im Auto. "Für diesen ersten Versuch bleiben die Kosten bei uns", sagte Hansa-Vorstandschef Robert Marien, der rund 50 Helfer für die Teststraßen engagiert hat.

Kontrastprogramm zur Lage in der Zweiten Liga

Für viele Vereine und Millionen von Sportfans sind die Rostocker Perspektiven ein kleiner Hoffnungsschimmer. Sie muten allerdings angesichts der Lage in der Zweiten Liga beinahe skurril an. Denn nur eine Klasse höher wirbeln vier Spielabsagen und etliche Infektionsfälle den Terminplan gehörig durcheinander. Holstein Kiel und Hannover 96 befinden sich aktuell komplett in Quarantäne, das Team von Jahn Regensburg kehrte gerade erst aus fast dreiwöchiger Zwangspause zurück. Der Hamburger SV kam trotz einer Corona-Infektion des Stürmers Simon Terodde um eine Gruppen-Quarantäne herum.

HBL-Chef Bohmann: "Ein sehr verantwortungsvoller Weg"

Derlei Sorgen hat der FC Hansa derzeit nicht. Er beschreitet neue Wege. Mit der vorsichtigen Öffnung für wenige Zuschauer will der Club nach eigenen Angaben Erfahrungen sammeln, wie viel Zeit die Corona-Tests erfordern. An dem Konzept haben auch Handball-Drittligist HC Empor Rostock und Basketball-Zweitligist Rostock Seawolves mitgewirkt. Beide wollen mit rund 350 Zuschauern in der Stadthalle beginnen. Bewährt sich das Konzept, sollen die Zuschauerzahlen dort sukzessive erhöht werden. "Wir sind über Empor Rostock in die Konzepte eingeweiht. Ich glaube, dass das ein sehr verantwortungsvoller Weg ist", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann dem NDR.

"Es ist meiner Meinung nach die richtige Entscheidung, sich nicht weiter einzuschließen, sondern sehr sorgsam einen Weg zurück ins wirkliche Leben vorzunehmen."
— Frank Bohmann

Wichtig sei dabei, dass die Ergebnisse sehr genau nachverfolgt würden, so Bohmann. "Ob man Ansteckungsrisiken eingeht, oder auch nicht und daraus dann die richtigen Schlüsse zieht."

Auch Fußball-Bundesligist Union Berlin plant gemeinsam mit anderen Sportclubs aus der Hauptstadt ein Pilotprojekt zur Zuschauer-Rückkehr. Genaue Termine dafür stehen noch nicht fest.

Dieses Thema im Programm:
Nordmagazin | 19.03.2021 | 19:30 Uhr

NDR | Stand: 19.03.2021, 08:29

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