3. Liga und der nächste Ärger - es geht um den Solidartopf

Deutscher Fußballbund knüpft DFL-Finanzspritze an Spielbetrieb Sportschau 29.04.2020 01:35 Min. Verfügbar bis 29.04.2021 Das Erste

Coronakrise und die 3. Liga

3. Liga und der nächste Ärger - es geht um den Solidartopf

Von Marcus Bark

Mehrere Klubs der 3. Liga sind verärgert über den DFB. Es geht um die Solidaritätszahlung der DFL in Höhe von 7,5 Millionen Euro, die unter Drittligisten und Frauen-Bundesligisten aufgeteilt werden soll.

Am Donnerstag (23.04.20) bedankte sich Christian Seifert namentlich beim FC Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen. Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) nannte diese Klubs, weil sie von ihren Konten 7,5 Millionen Euro in einen Solidarfonds gezahlt hätten, aus dem nun die Vereine der 3. Liga und Frauen-Bundesliga in den harten Zeiten der Corona-Pandemie unterstützt werden sollten. Allerdings nur jene Klubs, die keine Mannschaft im Bereich der DFL, also der Bundesliga und 2. Liga, spielen hätten.

Das machte die Rechnung ziemlich einfach. Bei 25 Vereinen, auf die das Kriterium zutrifft, sind es 300.000 Euro. Seifert hatte während der Pressekonferenz ausdrücklich erwähnt, dass „zu gleichen Teilen“ ausgeschüttet werde. Weiter sagte er: „Diese Unterstützungszahlungen sind ausdrücklich an keine weiteren Bedingungen geknüpft.

Seifert zu Corona-Solidarfonds Sportschau 29.04.2020 01:10 Min. Verfügbar bis 29.04.2021 Das Erste

Unterschiedliche Vorstellungen über Verwendung des Solis bei DFB und Vereinen

Abschließend fügte der DFL-Boss noch an, dass sich der Ligaverband kurzfristig mit seinem Mutterschiff DFBin Verbindung setzen“ werde, um die „Abwicklung dieser Solidaritätszahlung zu besprechen“.

Sicher kein Grund für die Zuhörer aus der 3. Liga, misstrauisch zu werden. Dass ein Teil der Summe zweckgebunden sein sollte, um damit die nötigen Tests auf das Coronavirus zu zahlen, war zwar schon vor der Videokonferenz mit dem DFB am Montag (27.04.20) durchgesickert. Aber letztlich, so FSV Zwickaus Vorstandssprecher Tobias Leege zum MDR, „sind wir davon ausgegangen, dass wir über das Geld frei verfügen können“.

Diese Version bestätigte ein weiterer Teilnehmer, der nicht genannt werden möchte, der Sportschau. „Der DFB hat uns am Montag mitgeteilt, dass dem nicht so ist“, sagte Leege weiter. Dass die Zwickauer wie die anderen Klubs also nicht 300.000 Euro, sondern weniger bekommen würden.

Solidarfonds wohl an Fortsetzung des Spielbetriebs geknüpft

Außerdem, so ist aus dem Teilnehmerkreis zu hören, sei die Zahlung aus dem Solidarfonds daran geknüpft, dass die 3. Liga und die Frauen-Bundesliga ihren bis auf weiteres ausgesetzten Spielbetrieb fortsetzen würden. Das würde der Aussage Seiferts von einer bedingungslosen Zahlung widersprechen. Eine Anfrage der Sportschau an die DFL mit der Bitte um Aufklärung blieb bislang noch ohne Antwort.

Der DFB verwies bei einer entsprechenden Anfrage auf eine Pressemitteilung, die noch am Montagabend verschickt worden war. Darin heißt es, dass das Verbandspräsidium am Freitag, also einen Tag nach Seiferts Ankündigung, einstimmig beschlossen habe, „zentral“ die Testungen auf das Coronavirus zu zahlen. Dem Präsidium des DFB gehören auch Vertreter der DFL an, unter anderen Christian Seifert. Ob er am Freitag mitgestimmt hat, ist nicht bekannt.

Drittligisten hatten auf schnelle Hilfe gehofft

Die weiteren Ausschüttungen werden dann anteilig nach jedem durchgeführten Spieltag an die partizipierenden 25 Klubs der beiden DFB-Spielklassen erfolgen“, heißt es in der Mitteilung des DFB weiter. Eine Überweisung aus dem vom DFB verwalteten Topf wird also erst erfolgen, wenn auch wieder gespielt wird.

Diese Nachricht, die den Vertretern der 3. Liga am Montag übermittelt wurde, sorgte für Verstimmung, da sie nach Seiferts Worten auf eine schnellere Hilfe gehofft haben. Die Spannungen zwischen vielen Drittligaklubs und dem DFB, dem hinter vorgehaltener Hand schon seit Wochen Führungsschwäche vorgeworfen wird, halten damit weiter an. Zuletzt hatte sich DFB-Vizepräsident Peter Frymuth öffentlich darüber beklagt, dass die Liga ein zerrissenes und damit schlechtes Bild abgebe, auch durch die Nörgeleien gegen den Verband.

In der Sitzung am Montag stimmten zehn Vereine für eine Fortsetzung der Saison, zwei enthielten sich, acht stimmten dagegen. Der MSV Duisburg, der eigentlich weiterspielen möchte, plädierte auf Abbruch, weil er sich die Zusage wünschte, dass es neben Aufsteigern auch Absteiger geben müsse. Andere Vereine bemängelten, dass mehrere Szenarien diskutiert worden seien, dann aber nur eines zur Abstimmung gestanden hätte.

Stand: 29.04.2020, 18:02

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