Aufstieg in die 3. Liga - ein schmaler Grat

Der Ludwigspark, das Stadion des 1. FC Saarbrücken

Zulassungsverfahren

Aufstieg in die 3. Liga - ein schmaler Grat

Von Tim Beyer

In Rödinghausen hat man sich entschieden, keinen Zulassungsantrag für die 3. Liga zu stellen. Andere Vereine möchten unbedingt hoch, doch noch ist unklar, ob sie dürfen. Die Anforderungen des DFB sind hoch - vielleicht zu hoch?

Es sind gerade aufregende Tage für alle, die es mit dem 1. FC Saarbrücken halten. Im DFB-Pokal hat der FCS nacheinander Jahn Regensburg, den 1. FC Köln und den Karlsruher SC besiegt. Im Viertelfinale heißt der Gegner Anfang März Fortuna Düsseldorf. Natürlich sind die Erfolge im Pokal willkommen, doch wichtiger, da sind sie sich in Saarbrücken einig, ist das Abschneiden in der Liga. Der Aufstieg sei das „große, große Ziel“, hat der Trainer Lukas Kwasniok kürzlich gesagt. Die Chancen stehen gut: Aktuell ist der Verein Erster der Regionalliga Südwest, vier Punkte vor dem SV Elversberg. Bleibt es dabei, steigt der FCS direkt auf - soweit die Theorie.

Der Tag, von dem mancher in Saarbrücken fürchtet, er könne die Aufstiegsträume zerplatzen lassen, ist ein Montag. Am 2. März müssen alle Vereine, die sich um die Zulassung für die 3. Liga bewerben, ihre Unterlagen beim Deutschen Fußball-Bund hinterlegt haben. Dann wird geprüft: Hat das Stadion eine Kapazität von mindestens 10.001 Plätzen? Oder steht ein Ausweichstadion zur Verfügung, das die Anforderungen erfüllt? Ein Flutlicht mit mindestens 800 Lux? Und wie sehen eigentlich die VIP-Bereiche aus? Der DFB hat eine lange Liste mit Wünschen, nur in wenigen Fällen sind Ausnahme- oder Übergangslösungen möglich.

In Saarbrücken sorgen sie sich derzeit vor allem um ihr Stadion. Vor fünfeinhalb Jahren ist Saarbrücken aus der 3. Liga abgestiegen, seine Spiele trägt der FCS mittlerweile im benachbarten Völklingen aus. Das Ludwigsparkstadion in Saarbrücken wird umgebaut. Wenn es einmal fertig sein wird, werden sie sich beim FCS nicht mehr um die Stadionanforderungen sorgen müssen. Nur ist nicht ganz klar, wann es soweit sein wird. Er hoffe natürlich, dass das Stadion bis zum Sommer fertig werde, sagt Saarbrückens Geschäftsführer David Fischer im Interview mit sportschau.de. Doch sicher ist das nicht. Dann müssten sie eben "ein anderes Stadion finden, das drittligatauglich ist", sagt Fischer. Leicht würde das nicht: Im Saarland gibt es sonst kein Stadion, das alle Auflagen erfüllt.

Rödinghausen mag nicht aufsteigen

"Die Bewerbung für die 3. Liga ist eine Herausforderung", sagt Fischer. Das betrifft nicht nur den 1. FC Saarbrücken, es ist ein Phänomen, das in diesen Wochen in fast allen Regionalliga-Staffeln zu erkennen ist. Zwei Beispiele: Der SV Rödinghausen, Tabellenführer der Regionalliga West, hat schon bekannt gegeben, dass er lieber nicht aufsteigen möchte. Rödinghausen ist eine Gemeinde im Kreis Herford mit gerade 10.000 Einwohnern, der Verein hat vor zehn Jahren noch in der Kreisliga gespielt, das Stadion hat 3.140 Plätze - so richtig passt das nicht zu dem, was sich der DFB vorstellt.

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Und Türkgücü München steht in der Bayern-Staffel ganz oben und würde wohl gerne aufsteigen. Aber dürften sie es auch? Ein drittligataugliches Stadion hat der Klub nicht. Er versucht deswegen, eine Genehmigung für das Stadion an der Grünwalder Straße zu bekommen – doch dort spielen schon 1860 München und Bayern II. Ausgang ungewiss. Hasan Kivran, Präsident und Investor des Klubs, hat im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" gar über einen Umzug nach Nordrhein-Westfalen nachgedacht. Fanden sie beim DFB nicht so gut.

Die Zulassungsbedingungen seien wichtig, teilt Tom Eilers, der Vorsitzende des Ausschusses 3. Liga, auf Anfrage von sportschau.de mit. Notwendig gar, um "die Strukturen in den Vereinen zu professionalisieren und die gesamte Liga weiterzuentwickeln." Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass die 3. Liga eine reine Profiliga sei. Es sei eine "Herausforderung, den Anschluss an die 2. Bundesliga zu halten, ohne die Regionalliga abzuhängen."

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Die Frage ist, ob das gelingen kann: Eine Liga, in der Mannschaften wie der 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig oder der 1. FC Magdeburg spielen, weiter zu professionalisieren und die Vermarktung zu optimieren, und gleichzeitig die Durchlässigkeit Richtung Regionalliga zu gewährleisten?

Verl wie einst Sonnenhof Großaspach?

In der Regionalliga West könnte von Rödinghausens Absage der SC Verl profitieren. Verl ist im Fußball kein großer Name, nicht mal in der eigenen Staffel, in der auch Rot-Weiss Essen, Rot-Weiß Oberhausen oder Alemannia Aachen spielen. Das Stadion ist zu klein, die Infrastruktur generell ausbaufähig – doch in Verl arbeiten sie am Lizenzantrag für die 3. Liga. Man spreche mit Vertretern des SC Paderborn und von Arminia Bielefeld darüber, ob Verl im Falle eines Aufstiegs dorthin ausweichen könne, hat der Präsident Raimund Bertels kürzlich im Gespräch mit sportschau.de gesagt. Und doch fragt sich Bertels: "Warum erlaubt der DFB nicht wenigstens ein Übergangsjahr?"

Leider nicht möglich, teilt der DFB mit und verweist auf Vorgaben, die in den Versammlungsstättenverordnungen der Länder geregelt seien. Das sei "für die Gewährleistung der Sicherheit von großem Vorteil und für den Profispielbetrieb unabdingbar". Man habe natürlich nichts dagegen, wenn mehr kleine Klubs in die 3. Liga aufsteigen würden, sie müssten nur die Anforderungen erfüllen. Dass das möglich sei, könne man ja an Vereinen wie der SG Sonnenhof Großaspach oder dem 1. FC Heidenheim erkennen.

David Fischer vom 1. FC Saarbrücken sagt, der DFB unterstütze den Verein, wo immer er könne. Der FCS möchte hoch - unabhängig davon, in welchem Stadion dort gespielt werden kann. Trotzdem könne er auch verstehen, dass sich Vereine wie Rödinghausen gegen einen Zulassungsantrag entscheiden. "Das muss am Ende jeder Verein für sich beantworten: ob eine Bewerbung Sinn ergibt oder nicht."

Stand: 20.02.2020, 15:30

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