Richtungsstreit in der 3. Liga: Abbrechen oder weiterspielen?

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Richtungsstreit in der 3. Liga: Abbrechen oder weiterspielen?

Von Niklas Schenk

In der 3. Liga kracht es gewaltig. Die Klubs ringen um den richtigen Umgang in Zeiten des Coronavirus. Ein Teil der Liga hat nun mit einem Vorstoß für einen Saisonabbruch die Diskussion weiter angeheizt.

Kein Saisonabbruch, "Geisterspiele" möglicherweise ab dem 16. Mai: Was der Deutsche-Fußball-Bund (DFB) vor gut einer Woche verkündete, sollte Einigkeit vermitteln, einen gemeinsamen Fahrplan für die 3. Liga. Zwar umstritten, aber von allen 20 Vereinen mitgetragen.

Aber von Einigkeit ist die 3. Liga in der Coronavirus-Krise weit entfernt. Unter den Klubs ist ein Richtungsstreit ausgebrochen. Während sich ein Teil der Liga am Freitag (17.04.2020) für einen Saisonabbruch aussprach, wollen andere die Saison unbedingt zu Ende spielen. Spannend an der Debatte ist wirtschaftlich insbesondere, dass die TV-Gelder für die Drittligisten weniger wichtig sind als etwa für Erstligisten. Einige Drittligaklubs befürchten deshalb wohl, dass "Geisterspiele" ohne Fans für sie zum Verlustgeschäft werden könnten. Aber der Reihe nach.

Mannheim und Magdeburg gehören zu Unterzeichnern

Mit ihrem Schreiben positionierten sich acht Drittligisten klar für einen Saisonabbruch. "Dies ist aus unserer Sicht der sportlich bittere, aber auch der einzig mögliche Weg, bei dem die gesellschaftlichen Realitäten, der Schutz der Gesundheit und die wirtschaftlichen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen sind", heißt es in dem Schreiben.

Unterschrieben ist es von Vertretern von SV Waldhof Mannheim, Hallescher FC, 1. FC Magdeburg, FC Carl Zeiss Jena, Chemnitzer FC, Preußen Münster, FSV Zwickau und der SG Sonnenhof Großaspach. Sie alle sehen keine Alternative zum Stopp der Saison.

Die Klubs schlagen vor, dass bei einem Abbruch der aktuelle Tabellenstand im Hinblick auf den Aufstieg gewertet, der Abstieg dagegen ausgesetzt und die 3. Liga in der kommenden Saison mit den derzeitigen Tabellenersten der Regionalligen aufzustocken. "Dies führt zwar zu mehr Mannschaften in der nächsten Saison, bildet aber einen fairen Kompromiss ab und ermöglicht eine teilweise wirtschaftliche und mediale Kompensation in der Folgesaison", teilten die Klubs mit.

Fast alle Klubs stehen am Tabellenende

Pikant an dem Vorpreschen der Klubs ist vor allem: Es sprechen sich ausgerechnet die sechs Klubs für einen Abbruch aus, die die letzten sechs Plätze der Liga belegen. Sie alle wollen nun ausgerechnet, dass es in dieser Saison keine Absteiger gibt. Der Chemnitzer FC steht auch nur knapp vor den Abstiegsrängen - und Waldhof Mannheim würde als aktueller Tabellenzweiter von der vorgeschlagenen Aufstiegsregelung profitieren.

Markus Kompp, Manager von Waldhof Mannheim sagt: "Natürlich muss ich mir angesichts unserer Tabellensituation den Vorwurf eines sportlichen Vorteils gefallen lassen, aber es ist glaube ich nicht verwerflich, selbst wenn ich den Benefit eines Aufstiegs hätte, an die Gesundheit und den Schutz der Spieler und Angehörigen zu appellieren.“

Klubs berufen sich auf die Politik

Die Klubs berufen sich in ihrem Schreiben auf die aktuellen Entscheidungen der Bundesregierung und fehlende Antworten, vor allem zu medizinischen Fragen. Deshalb dürfte die Saison nicht fortgesetzt werden. Man hafte schließlich persönlich für die Entscheidungen und die Gesundheit der Mitarbeiter und deren Familien.

Und die acht Vereine berufen sich auf die gesellschaftliche Verantwortung: "Wenn Ärzte und Pflegepersonal Tag und Nacht für ihre Patienten im Einsatz sind, wenn Kinder und Jugendliche nicht zur Schule oder zur Kita dürfen, (...) dann darf der Fußball - insbesondere in der 3. Liga mit der Verwurzelung der Vereine in den Regionen und Städten - keine Sonderrolle für sich beanspruchen."

Andere Töne aus dem Süden

Ganz anders klingt es vor allem im Süden der Liga. "Es gibt für uns gar keine andere Lösung als die Saison zu Ende zu spielen, weil nur dann ein sportlich faires Endergebnis zustande kommt", sagte Präsident Manfred Schwabl von der SpVgg Unterhaching. Unterhaching ist aktuell Dritter. Zusammen mit anderen bayerischen Drittligisten fordert Unterhaching eine Fortsetzung der Saison.

"Es ist klar, dass alle Vereine am liebsten mit Zuschauern spielen würden. Die zweitbeste Lösung wären die so genannten Geisterspiele", sagte Michael Henke, Sportchef des FC Ingolstadt. Er warnt eindringlich vor einem Abbruch: "Dann wäre die Liga aus meiner Sicht kaputt." Auch Würzburg, 1860 München und der FC Bayern München II gehören zur bayerischen Fraktion, die sich für eine Saisonfortsetzung ausspricht.

Die TV-Einnahmen sind unwichtiger als in anderen Ligen

Wirtschaftlich ist die Lage in der dritten Liga anders als etwa in der Bundesliga. Zwar bringt jeder Spieltag 250.000 Euro vom Fernsehpartner. Hinzu kommen Gelder aus der DFB-Zentralvermarktung. Aber die Erlöse aus den TV-Einnahmen machen im Schnitt nur gut zehn Prozent des Umsatzes aus - in der Bundesliga sind es über 30 Prozent.

Der Spielbetrieb, also insbesondere auch die Zuschauereinnahmen, machen hingegen mit über 20 Prozent einen deutlich größeren Anteil aus. Heißt in der Rechnung einiger Klubs wohl: Dann lieber gar keine Spiele als Geisterspiele, die keine Zuschauereinnahmen bringen, dafür aber auch noch Personalkosten mit sich bringen.

Romy Polster, Chefin des Chemnitzer FC, gibt offen zu: "Natürlich wäre es sinnvoll, der Saison ein sportliches Ende geben zu können. Aber das geht nicht um jeden Preis. Ein finanzieller Fehlbetrag müsste auf jeden Fall aufgefangen werden."

Es geht auch um Bluttests

Aber nicht nur wirtschaftliche Fragen spielen in der Kontroverse eine Rolle. So geht es auch um die Frage, ob Hunderte von teuren Bluttests pro Spieltag durchgeführt werden müssten.

Und dann ist da natürlich noch die Frage, wann die Vereine überhaupt wieder trainieren und wie wettkämpffähig die Teams dann wären. Eintracht Braunschweig verschob seinen heute geplanten Wiedereinstieg ins Training zumindest vorerst. Man prüfe derzeit einen neuen Starttermin.

Die Niedersachsen sind aktuell übrigens Tabellenneunter. Der Rückstand auf den Zweiten aus Mannheim beträgt jedoch nur drei Zähler. Da würde es naheliegen, dass die Eintracht gegen einen vorzeitigen Saisonabbruch wäre. Im Richtungsstreit in der 3. Liga will sich der Verein aktuell aber nicht positionieren. Die Gesundheit von Mitarbeitern, Spielern und Fans habe aktuell "absolute Priorität", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des Vereins, Sebastian Ebel.

sid, dpa | Stand: 18.04.2020, 12:39

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