3. Liga - Warum der FC Bayern jetzt auch für Talente wieder interessanter ist

Leon Dajaku wechselt vom VfB Stuttgart zum FC Bayern München II

Aufstieg der U23 in die 3. Liga

3. Liga - Warum der FC Bayern jetzt auch für Talente wieder interessanter ist

Von Frank van der Velden

Talente haben es gemeinhin schwer beim FC Bayern München. Mit dem Aufstieg der U23 in die 3. Liga sind sie jetzt aber ganz nah dran an den Profis - und könnten das als Sprungbrett nutzen.

Viele Jahre war der FC Bayern berühmt für seine exzellente Jugendarbeit. So stammen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos und Thomas Müller aus der Kaderschmiede des Rekordmeisters. Sie gewannen 2013 mit den Münchnern die Fußball-Champions-League und wurden ein Jahr später Weltmeister.

Der Klub verstand es wie kein anderer in Deutschland, aus Talenten Weltstars zu formen. Das lag auch daran, dass er mit seiner zweiten Mannschaft seit 1994 kontinuierlich in der Regionalliga-Süd beziehungsweise in der 3. Liga spielte und damit mit seinen Talenten ganz nah dran war am Profi-Fußball.

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Alaba - und dann nichts mehr

Doch dann kam 2011 der Abstieg in Liga vier. Seitdem darbt die Jugendarbeit an der Säbener Straße ein wenig dahin. In den vergangenen Jahren schaffte jedenfalls kein Nachwuchsspieler mehr den Durchbruch ins Profiteam. Der bisher letzte, dem dies gelang, ist David Alaba. Das war 2010. Im aktuellen Kader haben nur noch Alaba und "Urgestein" Müller eine Bayern-Jugend-Vergangenheit.

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Kräftig investiert

Jetzt soll es wieder besser werden. Nach achtjähriger Abstinenz sind die Bayern mit ihrer zweiten Mannschaft zurück in Liga drei. Als Meister der Regionalliga-Süd machte das Team im Mai gegen den VfL Wolfsburg II in der Relegation den Aufstieg perfekt.

Für Drittliga-Verhältnisse hat der Klub kräftig investiert. Timo Kern kam für 200.000 Euro von Waldhof Mannheim, Sapreet Singh für 750.000 Euro von Wellington Phoenix aus Neuseeland und Leon Dajaku für stattliche 1,5 Millionen vom VfB Stuttgart.

Gerade letzterer ist ein Beweis dafür, dass die Bayern auch für Talente jetzt wieder hochattraktiv sind. Der 18-jährige Junioren-Nationalspieler machte für die Schwaben in der vergangenen Saison zwei Bundesligaspiele. Mit der U19 des VfB gewann er den DFB-Pokal und stand im Finale um die deutsche Meisterschaft. Doch jetzt kehrte er den Stuttgartern den Rücken - trotz der Aussicht auf Einsatzzeiten in der zweiten Liga.

Nah dran an den Profis

Ob Dajaku auch ohne den Aufstieg zu den Bayern gewechselt wäre, ist höchst fraglich. Für die Profis hätte es wohl nicht gereicht, denn im Kreis der internationalen Topstars hätte er es sehr schwer gehabt. Die Liste derer, die es nicht geschafft haben, ist lang. In der Regionalliga-Süd wäre er dagegen versauert. Doch jetzt in Liga drei ist er nah dran an den Profis, kann sich auf höherem Niveau weiterentwickeln und sich interessant machen für Trainer Niko Kovac. "Wenn man Nachwuchsarbeit gut machen will, sollte die zweite Mannschaft in der dritten Liga spielen, weil dann der Sprung nicht so groß ist", erklärte Präsident Uli Hoeneß nach dem Aufstieg in der "Süddeutschen Zeitung".  

"Es ist mit Sicherheit etwas anderes für unsere Jungs, in einem vollbesetzten Stadion in Rostock, Kaiserslautern oder Münster zu spielen als bei dem einen oder anderen eher kleinen Verein in der Regionalliga Bayern", sagte Jochen Sauer, Leiter des Bayern-Campus, auf der Homepage des Klubs: "Unsere Jungs wollen alle in den Profifußball, und in der 3. Liga werden sie natürlich ganz anders gefordert."

Tauschgeschäfte als Mittel

Dass der Verein jetzt aber nicht allein dadurch automatisch Stars produziert, ist ihm klar. "Ich glaube nicht, dass die Zugehörigkeit unserer U23 zur 3. Liga in jedem Einzelfall ausreicht, um wieder vermehrt Spieler für unsere eigenen Profis auszubilden", erklärte er.

Das ginge aber zum Beispiel über Tauschgeschäfte. Ein Beispiel ist Mittelfeldspieler Arian Fein. Der war in der vergangenen Saison an Regensburg ausgeliehen und hatte dort in der zweiten Liga einen Stammplatz. In der neuen Saison läuft er für den Hamburger SV auf, um dort den nächsten Karriereschritt zu machen. "Ich denke, wir sollten noch mehr in diese Richtung denken. Die individuelle Förderung ist maßgebend", erklärte Sauer.

Paradebeispiel Lahm

Erfolg hatten die Bayern damit schon oft. Ein Paradebeispiel dafür ist Philipp Lahm. Der wechselte 2003 zwei Jahre zum VfB Stuttgart, machte dort 53 Bundesligaspiele und schaffte anschließend in München den Durchbruch. Fakt ist, dass die Bayern-Talente als Drittliga-Spieler für andere Klubs wesentlich interessanter sind als zu Regionalliga-Zeiten.

Wer es in den Kreis der Bayern-Profis schafft und wann das passiert, ist nicht auszumachen. Der neue Trainer Sebastian Hoeneß, Sohn von Dieter und Neffe von Uli Hoeneß, hat 27 Spieler zur Verfügung. "Die Vorfreude auf diese spannende und reizvolle Herausforderung ist riesig! Man merkt den Jungs an, dass sie Bock auf die 3. Liga haben", sagte Hoeneß. Aufsteigen in die zweite Liga darf das Team übrigens nicht, doch auf der Suche nach neuen Stars ist auch die Entwicklung wichtiger als der Tabellenstand.

Stand: 17.07.2019, 11:36

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