Die Angst der Zweitligisten vor der 3. Liga

Zerbricht der FCK an Liga 3?

Finanzielle Kluft zwischen zweiter und dritter Liga

Die Angst der Zweitligisten vor der 3. Liga

Von Frank Hellmann

Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen 2. Bundesliga und 3. Liga sind immens - und sie wachsen weiter: Allen Absteigern steht ein Kraftakt bevor, wobei die aktuellen Insolvenzen noch andere Ursachen haben.

Ein Abstieg ist nie von Vorteil. Erst recht nicht, wenn er solch einen stolzen Verein wie den 1. FC Kaiserslautern ereilt, der als Leuchtturm einer ganzen Region dient. Zwei Spieltage vor Saisonschluss ist sicher, dass die Pfälzer in der nächsten Saison drittklassig spielen. Aber immerhin besteht jetzt Planungssicherheit.

Dem FCK steht ein Kraftakt bevor. Vor allem wegen der radikal sinkenden Medienerlöse. Statt 11,1 Millionen Euro aus der nationalen Vermarktung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) kann der für die 3. Liga zuständige Deutsche Fußball-Bund (DFB) dann nur 1,28 Millionen Euro ausschütten.

Etat wird mehr als halbiert

Das ist die Summe, die jeder Drittligist in der kommenden Saison erwartet. Übrigens eine Steigerung zur Vorsaison (937.000 Euro). Hinzu kommt für den FCK noch eine halbe Million Euro "Überbrückungsgeld", das zur Fortführung des Nachwuchsleistungszentrums vorgesehen ist.

Und doch ist das am Betzenberg nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bei den "Roten Teufeln" regiert der Rotstift: Existenziell ist die von der Stadt von 3,2 Millionen auf 425.000 Euro gesenkte Stadionmiete. Der Gesamtetat von rund 40 Millionen Euro soll auf 15 Millionen reduziert werden, der Spieleretat dann noch fünf Millionen betragen.

Drittligist macht rund acht Millionen Euro Umsatz

Im Vergleich zur Konkurrenz steht Kaiserslautern allerdings gut da, wie die für die 3. Liga zuständigen Vertreter bei einem Informationsgespräch am Donnerstag (03.05.2018) in der DFB-Zentrale darlegten. In der laufenden Saison macht ein Drittligist im Schnitt acht Millionen Euro Umsatz und gibt davon rund 3,5 Millionen für Gehälter aus. Da liegt Kaiserslautern weit drüber.

Würde es als zweiten Direktabsteiger den SV Darmstadt 98 treffen, hat Präsident Rüdiger Frisch schon dargelegt, würde die "Lilien" "das finanziell nicht in den Abgrund stürzen". Die Südhessen haben in zwei ertragreichen Bundesligajahren ein bisschen Speck ansetzen, spricht Rücklagen bilden können. In dieser Saison haben die Darmstädter 15,2 Millionen Euro aus Medienerlösen geschöpft. Bei einem erneuten Abstieg wäre es weniger als ein Zehntel. Eine Horrorvorstellung für jeden Finanzfachmann.

Gefährliche Schnittstelle

"Die Fallhöhe ist da", räumt der für das Zulassungsverfahren der 3. Liga zuständige DFB-Abteilungsleiter Manuel Hartmann ein. "Die Schnittstelle zwischen zweiter und dritter Liga wird immer gefährdet sein." Der Faktor vier liegt zwischen dem Umsatz eines Dritt- und Zweitligisten - zwischen Zweit- und Erstligist beträgt er übrigens sogar 5,3. Und doch muss ein Abstieg nicht im wirtschaftlichen Fiasko münden, sofern die richtigen Schlüsse gezogen werden.

Überhaupt seien die Perspektiven in dieser Spielklasse nicht so schlecht, die aus Sicht des Verbands zu Unrecht als "Pleiteliga" tituliert werde. "Eine extrem spannende Liga, schwer ausrechenbar", sagt Heike Ullrich, die neue DFB-Direktorin, die den Bereich Verbände und Ligen verantwortet. Aber sie hat auch die "typischen Probleme einer heterogenen Liga" erkannt. Und die sind eben vor allem finanzieller Natur.

Von der Hand in den Mund leben

Viele Klubs leben von der Hand in den Mund. In der Vorsaison wiesen zehn Drittligisten ein negatives Eigenkapital auf, weniger als die Hälfte vermeldete ein positives Ergebnis. Der DFB verweist darauf, dass die höchsten deutschen Spielklassen im Basketball, Eishockey und Handball mit weniger Umsatz und geringeren Zuschauerzahlen auch einen rentablen Betrieb hinbekommen.

2016/2017 verzeichnete die 3. Liga einen Zuschauerschnitt von knapp 6.000, was europaweit den größten Zuspruch hinter der englischen League 1 (7944) bedeutet. Die folgenden Zahlen stammen vom DFB:

Durchschnittliche Zuschauerzahlen in der Saison 2016/2017 pro Spiel
3. Liga FußballEishockey DELHandball HBLBasketball BBL
5.9436.1984.8844.424

Und auch im Fernsehen ist die 3. Liga sehr präsent. In der Spielzeit 2016/2017 zeigten die Sender 412 Stunden Drittliga-Fußball. Das eröffnet den Vereinsbossen beste Argumente gegenüber Sponsoren. Der Verband, der regelmäßig mit den Klubs im Herbst Finanzgespräche führt,  wünscht sich bei solchen Rahmenbedingungen dann auch mehr Vernunft.

Insolvenzen kamen für den DFB überraschend

Es braucht weniger Negativschlagzeilen von maroden Klubs, die am wirtschaftlichen Abgrund wandeln. Laut einer Studie von Sportökonomen der Universität Duisburg-Essen gingen in den vergangenen 21 Jahren 109 deutsche Klubs aus den obersten fünf Ligen pleite.

In nicht einmal zwei Jahren hat es schon wieder vier Insolvenzen in der 3. Liga gegeben - erst den VfR Aalen und den FSV Frankfurt in der vergangenen Saison, dann Rot-Weiß Erfurt und Chemnitzer FC in der aktuellen. Für den beauftragten DFB-Vizepräsidenten Peter Frymuth ein sprichwörtliches Armutszeugnis. "Wenige Wochen vorher war das in unserem Hause nicht erkennbar: Das hat uns überrascht."

Der Verband könne aus rechtlichen Gründen jedoch nur die Liquidität für die laufende Saison prüfen, so Frymuth. Stellt eine neue Vereinsführung bei drohendem Abstieg und Verbindlichkeiten fest, dass ein Schuldenschnitt möglicherweise bessere Perspektiven eröffnet, habe der DFB nur bedingt Handhabe.

Uerdingen träumt gleich von mehr

Für Michael Schwetje, den Geschäftsführer von Fortuna Köln, besteht ein Grundproblem in der fehlenden Identifikation mit dieser verkappten Profiliga, die aus seiner Sicht sehr wohl "ein Segen" sein kann - sowohl sportlich als auch vermarktungstechnisch. Ein gutes Beispiel gibt der 1. FC Magdeburg, der nach dem Aufstieg 2015 vieles richtig gemacht hat und nun mit dem SC Paderborn bereits als Aufsteiger feststeht.

"Zu viele Vereine betrachten diese Liga nicht als ihr natürliches Zuhause, sondern nur als Durchgangsstation. Wenn 14 Klubs eine Spielklasse sofort wieder verlassen wollen, führt das zu ungesundem Wirtschaften", sagt Schwetje. Er wundere sich mitunter in den Vertragsverhandlungen, "welche Gehälter aufgerufen und gezahlt werden."

Die meisten Kollegen von Schwetje sind jedoch ungeduldig und streben mit einem zu risikoreichen Kurs in höhere Sphären. Ein schlechtes Beispiel geben da auch der KFC Uerdingen und Viktoria Köln ab, die in der Regionalliga West um den Aufstieg kämpfen. Nur einer kann die Aufstiegsspiele gegen Waldhof Mannheim bestreiten. Vor allem der Standort Krefeld würde sich mit Drittklassigkeit nicht zufrieden geben. "Ab der zweiten  Liga kann man erst Geld verdienen. Wir wollen so schnell wie möglich dorthin", hat KFC-Präsident Mikhail Ponomarev schon mehrfach betont.

Stand: 04.05.2018, 13:40

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