HSV gegen Heidenheim - Fernduell mit viel Brisanz

Schnatterer (Heidenheim) und Pohjanpalo (HSV)

Aufstiegskampf der 2. Liga

HSV gegen Heidenheim - Fernduell mit viel Brisanz

Von Jens Mickler

Nach zwei Jahren in der 2. Liga wollte der Hamburger SV dringend wieder zurück nach oben. Aus eigener Kraft kann er den Relegationsplatz drei nicht erreichen. Heidenheim hat die bessere Ausgangsposition. Die aktuellen Fakten vor dem Aufstiegskrrimi.

Ausgangslage

Vor dem letzten Spieltag liegt der 1. FC Heidenheim mit 55 Punkten einen Zähler vor dem Tabellenvierten Hamburger SV, der den SV Sandhausen empfängt. Der FCH hat den Relegationsplatz also nur mit einem Sieg bei der als Liga-Meister festehenden Arminia aus Bielefeld definitiv sicher. Verliert Heidenheim in Bielefeld, würde dem HSV aufgrund der besseren Tordifferenz ein Remis gegen den SVS reichen. Spielt Heidenheim Remis, braucht der HSV einen Sieg.

Spekulationen, wonach Heidenheims Gegner Bielefeld von einem Aufstieg des FCH aufgrund der TV-Geldrangliste profitieren würde, wies Arminia-Coach Uwe Neuhaus zurück. "Natürlich hätte jeder gerne so viel Geld wie möglich. Aber deswegen werden wir nicht die Fairness außer Acht lassen", so Neuhaus, der mit Arminia in der Rückrunde ungeschlagen bleiben will.

Personal

Der Hamburger SV muss seine Abwehr umbauen, die ohnehin zuletzt nicht den besten Eindruck hinterließ. Innenverteidiger Timo Letschert fällt mit einer Knieverletzung aus. Rückkehrer Ewerton, der lediglich vier Saisoneinsätze hatte, den letzten im Februar, ist ein Unsicherheitsfaktor. Youngster Louis Beyer ist zudem aufgrund der fünften Gelben Karte gesperrt.

Bei Heidenheim klagte Torjäger Tim Kleindienst, zuletzt nach dem 2:1 gegen den HSV, über Knieschmerzen. Er sollte für das Bielefeld-Spiel aber fit sein.

Trainerstimmen

Heidenheims Trainer Frank Schmidt setzt nicht auf Schützenhilfe des SV Sandhausen. "Wir können uns nur auf uns selbst verlassen. Es ist der letzte Spieltag, für uns geht es um alles. Und wir haben 90 Minuten und bis zur letzten Sekunde der Nachspielzeit Zeit, das Spiel für uns zu entscheiden.", sagte Schmidt, der vor den Arminen Respekt zeigte. "Das ist ein dickes Brett", sagte der dienstälteste Coach im deutschen Profibereich, "aber wir haben ein paar geeignete Bohrer dabei."

Seine Mannschaft sei auf jeden Fall gierig auf Platz drei. "Wenn wir in Führung waren, haben wir jedes Spiel gewonnen", sagte Schmidt und beteuerte: "Die Spieler haben einen großen Hunger auf Erfolg."

"Mit jedem Misserfolg wächst die Anspannung, daher sind die Spieler nicht so frei, wie sie es sein könnten", gestand dagegen HSV-Trainer Dieter Hecking, "Wenn wir es schaffen, haben wir es verdient. Wenn wir es nicht schaffen, haben wir es auch nicht verdient. Ich werde der Mannschaft abverlangen, dass sie Charakterstärke zeigt und das Spiel gewinnt", sagte der HSV-Trainer vor dem Spiel gegen Sandhausen am Sonntag (26.06.2020).

Frank Schmidt - der Baumeister des 1. FC Heidenheim

Sportschau 25.06.2020 02:49 Min. Verfügbar bis 25.06.2021 ARD Von Thomas Bareiß

Form

Heidenheim tat sich auswärts nach der Corona-Pause schwer. In vier Auswärtspartien gelang nur ein Tor. Dennoch ist der Trend positiv. In den jüngsten sieben Spielen verlor der FCH nur einmal (gegen Hannover 96). Der HSV musste in diesem Zeitraum zwei Niederlagen einstecken und gewann auch nur zweimal - gegen Absteiger Dynamo Dresden und Fast-Absteiger SV Wehen Wiesbaden

In acht Spielen nach der Corona-Pause kassierten die Hamburger zudem viermal in der Zusatzzeit einen Gegentreffer und verschenkten so sieben (!) Punkte.

Stimmungslage

In Hamburg hofft man noch, die Relegation zu erreichen, auch wenn die besseren Trümpfe beim Gegner liegen. "Wir haben nichts mehr zu verlieren", sagte Sportvorstand Jonas Boldt und gab damit die Parole vor.

Der ehemalige HSV-Trainer Benno Möhlmann sieht noch eine gute Chance für seinen Ex-Klub. "Sie sind darauf angewiesen, dass Bielefeld ihnen hilft. Aber das ist eine realistische Option, nicht nur eine theoretische. Dass Bielefeld bereits als Aufsteiger feststeht, muss kein Nachteil sein. Es gibt Mannschaften, die in so einer Situation alles laufen lassen. Es gibt aber auch Mannschaften, die mit dieser Lockerheit gut umgehen können", so Möhlmann.

Zu verlieren haben auch die Heidenheimer nichts. Das Erreichen von Platz drei wäre viel mehr, als sie vor dieser Saison erwartet hatten. In Heidenheim spricht daher auch niemand von Anspannung, sondern vielmehr von Vorfreude auf das alles entscheidende letzte Spiel in Bielefeld.

Aufstiegshistorie

55 Bundesliga-Jahren stehen sechs Zweitliga-Jahre gegenüber. Der HSV wollte im dritten Anlauf zurück in die Beletage, die er 2018 erstmalig verlassen musste. Heidenheim würde nach dem Aufstieg in die 3. Liga im Jahr 2009 und dem Aufstieg in die 2. Liga 2014 ein kleines Fußballwunder schaffen.

Wie einst 2013 - Heidenheims Kampf um den Relegationsplatz Sportschau 25.06.2020 00:49 Min. Verfügbar bis 25.06.2021 Das Erste

Stand: 27.06.2020, 12:00

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