Keine Torlinientechnik in der 2. Bundesliga - und die Folgen

Drin oder nicht - diese Frage kann in der 2. Liga ungeklärt bleiben.

Kosten zu hoch

Keine Torlinientechnik in der 2. Bundesliga - und die Folgen

Von Chaled Nahar

Video-Assistent ja, Torlinientechnik nein. Die 18 Klubs der 2. Bundesliga haben sich bei ihrer Versammlung am Donnerstag (21.03.2019) zwar für die Einführung des Video-Assistenten in ihrem Wettbewerb ausgesprochen - über die Torlinientechnik wurde nach Informationen von sportschau.de jedoch nicht einmal gesprochen.

Und das hat vor allem zwei Folgen.

1. Folge: Restzweifel können bleiben

Der Video-Assistent kann mit dem Videomaterial sehr häufig klären, ob ein Ball im Tor war oder nicht. Das Bildmaterial im "Video Assist Center", dem "Kölner Keller", lässt sehr genaue Standbilder zu. Aber das funktioniert nicht immer.

"Eine Unsicherheit bei sehr knappen Situationen wird - wenn nur die Technik für den Video-Assistenten vorhanden ist - immer bestehen", sagt Jochen Drees, Projektleiter Video-Assistent beim DFB. "Hundertprozentige Sicherheit in jeder Szene gibt es nur mit der Torlinientechnik." Es bleiben also einige wenige Situationen, die umstritten sein werden.

Beim Champions-League-Achtelfinale blieb beim Rückspiel zwischen Real Madrid und Ajax Amsterdam (1:4) trotz Video-Assistent ungeklärt, ob der Ball vor dem dritten Amsterdamer Tor im Seitenaus war oder nicht. In der 2. Liga könnte im Extremfall eine solche Diskussion also an der Torlinie statt an der Seitenlinie entstehen. Die Situation wäre: "Jetzt haben wir den Video-Assistenten - und noch immer keine Klarheit."

2. Folge: Es wird länger dauern

Die Torlinientechnik hat neben ihrer Genauigkeit vor allem ihre Schnelligkeit zu bieten. Überquert der Ball vollständig die Linie, werden auf einer Art Armbanduhr und dem Funkstecker des Schiedsrichters optische und akustische Signale ausgelöst - fertig. In der 2. Liga wird künftig dagegen bei auch nur halbwegs engen Entscheidungen eine Wartezeit entstehen, da sich jeder Schiedsrichter per Funk vergewissern wird, ob der Ball wirklich im Tor war. Und das kann dauern.

Dynamo Dresdens Sportgeschäftsführer sagte vor der Abstimmung über den Video-Assistenten: "Der Videobeweis muss im Interesse aller auch bei schwierigen Entscheidungen schnell und ohne langandauernde Unterbrechungen funktionieren, damit der Charakter und vor allem die Emotionen des Spiels nicht verloren gehen." Diese Hoffnung wird sich wohl nicht immer erfüllen. Und vielleicht war sie den Zweitligisten auch nicht wichtig genug.

Erklärung: Warum es keine Torlinientechnik geben wird

Denn Drees nimmt angesichts der besonders engen Situationen, die auch der Video-Assistent nicht aufklären können wird, die Kostenfrage in den Blick. "Wir sprechen hier pro Saison von drei bis vier Situationen, sodass die Kosten für eine zusätzliche Torlinientechnik in der 2. Liga vielleicht nicht im Verhältnis stehen", sagt er. "Gerade vor dem Hintergrund der für den Video-Assistenten entstehenden Aufwendungen."

Diese sollen in der kommenden Saison 150.000 bis 200.000 Euro pro Zweitliga-Klub betragen. Was die Torlinientechnik in der 2. Liga kosten würde, lässt sich nur schätzen, in der Bundesliga belaufen sich die Kosten in der laufenden Saison laut "kicker" auf rund 120.000 Euro pro Klub. In der 2. Liga müssten aber viele Standorte erstmalig ausgerüstet werden.

Die Basis-Absicherung fehlt

Die Technik komplett wie in der Bundesliga zu übernehmen, war den Zweitligisten also offenbar zu teuer. Schon die Abstimmung zum Video-Assistenten ging nach Informationen von sportschau.de mit 13:5 knapper aus als erwartet. Das ist verständlich bis wirtschaftlich vernünftig, wenn man an Abstiegskandidaten denkt, die in der 3. Liga ihre teuren Kameras und die Torlinientechnik in den Keller stellen müssten.

Allerdings ist damit auch klar, dass die 2. Liga nur den zweiten Teil der Technik gekauft hat - die Basis-Absicherung der Torlinientechnik wird zunächst fehlen. Für das Bedürfnis einer Nachbestellung braucht es wahrscheinlich erst den Druck einer besonders strittigen Situation.

Stand: 22.03.2019, 15:33

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