Das war die spannende Zweitligasaison 2019/20

Das war die spannende Zweitligasaison 2019/20

In der 2. Liga gab es in der Saison 2019/20 ein heiß umkämpftes Aufstiegsrennen, einige kuriose Szenen, einen souveränen Meister und großen (Corona-)Frust.

Bielefelds Trainer Uwe Neuhaus (L) jubelt mit Andreas Voglsammer

Souveräner Meister: Zu Beginn Ehre, wem Ehre gebührt: Arminia Bielefeld beendet die Saison verdient und souverän auf Platz eins - deutlich vor den prominenten Absteigern VfB Stuttgart und Hannover 96 und dem hoch gehandelten Hamburger SV. Die meisten Tore geschossen, die wenigsten kassiert - solch eine Leistung haben vor der Saison nicht einmal die optimistischsten Arminia-Fans für möglich gehalten.

Souveräner Meister: Zu Beginn Ehre, wem Ehre gebührt: Arminia Bielefeld beendet die Saison verdient und souverän auf Platz eins - deutlich vor den prominenten Absteigern VfB Stuttgart und Hannover 96 und dem hoch gehandelten Hamburger SV. Die meisten Tore geschossen, die wenigsten kassiert - solch eine Leistung haben vor der Saison nicht einmal die optimistischsten Arminia-Fans für möglich gehalten.

Würdiger Kapitän: Die Arminia hat auch einen echten Aufstiegshelden: Fabian Klos. Mit 21 Treffern ist er Torschützenkönig und mit zusätzlich neun Vorlagen mit Abstand Topscorer der Liga. Der Mittelstürmer und Lebemann ist Kult in Bielefeld, schon mit 32 Jahren eine Klublegende. Die Bundesliga darf sich auf eine neue Attraktion freuen.

Dutts Abgang: Jetzt aber der Reihe nach. Beim VfL Bochum herrscht schon nach vier sieglosen Spieltagen Chaos. Das Team hat zwar einen 0:3-Rückstand gegen Wehen Wiesbaden aufgeholt, aber in der ersten Hälfte gegen den Aufsteiger blamabel gespielt. Robin Dutt zählt sich auf der Pressekonferenz im Anschluss als "geschwächten Trainer" selbst an - und wird zwei Tage später entlassen. Nachfolger Thomas Reis braucht lange, um das unhomogene Team in die Spur zu bringen - beendet die Saison mit einem furiosen Schlussspurt aber noch auf Platz 8. In der Zeit mit Geisterspielen ist der VfL sogar der erfolgreichste Zweitligist.

Kurioser Elfmeter: Im Oktober 2019 läuft sich Kiels Ersatzspieler Michael Eberwein in der Partie gegen den VfL Bochum hinter dem eigenen Tor warm, als ein Ball auf ihn zurollt. Er stoppt ihn mit der Sohle - mit fatalen Folgen. Der Video-Assistent macht Schiedsrichter Timo Gerach darauf aufmerksam, dass der Ball noch nicht komplett hinter der Toraus-Linie war. Die Konsequenz: Gerach gibt Elfmeter, Silvère Ganvoula trifft zum zwischenzeitlichen Ausgleich für Bochum. Glück für Eberwein: Kiel gewinnt die Partie noch mit 2:1.

Dreimal Frust: Stuttgarts Mario Gomez ist am 2. Dezember in Torlaune, trifft gegen den SV Sandhausen gleich drei Mal. Das Problem: Alle Treffer werden aberkannt, der Video-Assistent stellt jeweils hauchdünne Abseitsstellungen fest. Gomez ist entsprechend bedient. "Ich bin froh, dass ein Großteil meiner Karriere hinter mir ist und ich mich nicht mehr die nächsten zehn Jahre mit diesen Dingen auseinandersetzen muss." Tatsächlich muss er das gar nicht mehr: Der 34-Jährige beendet seine große Karriere (78 Länderspiele, 109 Tore für Stuttgart) mit durchwachsenen sieben Saisontoren - und wegen Corona ohne gebührenden Abschied.

Stuttgart wechselt: Mit der Hinrunde endet für Tim Walter auch seine kurze, aber intensive Amtszeit als Trainer des VfB Stuttgart. Nach einem enttäuschenden 2:2 gegen Mitabsteiger Hannover 96 wird der so engagiert und mutig Gestartete entlassen. Der VfB liegt zwar auf Platz drei, hat aber mit dem wertvollsten Kader der Liga höhere Ansprüche. Umso überraschender ist die Wahl des Nachfolgers: Pellegrino Matarazzo kommt aus Hoffenheim, wo er Co-Trainer war. Der 42-Jährige mit US-amerikanischer und italienischer Staatsbürgerschaft startet gut, erhält trotz Schwächephase eine Vertragsverlängerung und erlebt dann mit seinem Team das Schlüsselspiel. Der VfB gewinnt Ende Mai nach 0:2 Rückstand noch mit 3:2 gegen den Hamburger SV. Am vorletzten Spieltag ist nach einem furiosen 6:0 in Nürnberg klar: Mission Aufstieg erfüllt.

Dresdens Quarantäne: Die Corona-Krise trifft die ganze Liga hart - am schlimmsten aber Dynamo Dresden. Das Schlusslicht schöpft gerade nach zwei Siegen in Folge Hoffnung - da kommt Mitte März die Unterbrechung. In der Vorbereitung auf die Saisonfortsetzung werden zwei Spieler positiv getestet - und das Gesundheitsamt der Stadt Dresden schickt das ganze Team für 14 Tage in Quarantäne. Danach folgt ein Mammutprogramm mit acht Spielen in 22 Tagen, dazu der Trainingsrückstand - Dresden gewinnt nur noch zweimal, steht am vorletzten Spieltag als erster Absteiger fest. Letzter Strohhalm: Dynamo erwägt eine Klage gegen die DFL wegen möglicher Wettbewerbsverzerrung.

Prädikat wertvoll, Teil 1: Manuel Schäffler spielt mit 31 Jahren die Saison seines Lebens. In der 2. Bundesliga hatte er zuvor nur vereinzelt getroffen, spielte dann mit Kiel und Wehen Wiesbaden sechs Jahre lang in der 3. Liga. Aber in der Saison 2019/20 sorgt er für 19 Tore - und damit fast die Hälfte aller Treffer des SVWW. Allerdings kann auch Schäffler nicht verhindern, dass Wehen Wiesbaden zurück in die 3. Liga muss.

Prädikat wertvoll, Teil 2: Karlsruhes Philipp Hofmann hat zwar drei Tore weniger auf dem Konto als Schäffler, ist aber trotzdem für seinen KSC der Turm in der Abstiegskampf-Brandung. Beispiel vorletzter Spieltag: Karlsruhe liegt gegen den feststehenden Meister Bielefeld schon 0:3 zurück, wirkt völlig verunsichert. Doch Hofmann bringt mit seinem frühen Anschlusstreffer erst die Hoffnung zurück - und holt in der Schlussphase noch zwei Elfmeter heraus, die er beide verwandelt. Der spektakuläre Punktgewinn sichert den Relegationsplatz, sodass sich der KSC am letzten Spieltag sogar auf Rang 15 retten kann.

Schock für den HSV: Es ist das vorentscheidende Spiel um den Aufstiegs-Relegationsplatz: Der Tabellendritte Hamburger SV tritt am vorletzten Spieltag bei Verfolger 1. FC Heidenheim an. Schon ein Punkt würde sehr helfen, der HSV führt sogar bis zur 80. Minute mit 1:0 - und das verdient. Doch dann unterläuft Jordan Beyer ein Eigentor und in der Schlussphase bietet Hamburg schwer erklärbare Lücken in der Abwehr an. Heidenheims Konstantin Kerschbaumer sagt danke, trifft in der Nachspielzeit zum Sieg und der HSV fällt auf Platz vier zurück. Aufstieg vergeigt.

Stand: 28.06.2020, 17:30 Uhr

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