Heidenheim und die Hoffnung auf Höheres

Heidenheims Mannschaft um Kapitän Marc Schnatterer (3.v.l.) bejubelt ein Tor

2. Bundesliga

Heidenheim und die Hoffnung auf Höheres

Von Julian Tilders

Der 1. FC Heidenheim könnte der Gewinner des Zweitliga-Spieltags werden. Der kleine Klub von der Schwäbischen Alb ist längst ein ernstzunehmender Kandidat für den Aufstieg.

Holger Sanwald ist Realist. "Mit dem HSV, dem 1. FC Köln, Union Berlin und dem FC St. Pauli stehen völlig andere Kaliber vor uns in der Tabelle", sagt der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Heidenheim. Man schaue von Spiel zu Spiel. Mit anderen Dingen würde sich der FCH in sportlicher Hinsicht "gar nicht beschäftigen", so Sanwald.

Dabei könnten sich die Kicker von der Schwäbischen Alb rein tabellarisch durchaus mit Höherem befassen. Von der Aufstiegs-Relegation trennen Heidenheim (Rang sechs, 39 Punkte) momentan nur zwei Zähler. Am 24. Spieltag treffen mit Holstein Kiel (Rang fünf, 39) und Union Berlin (Rang drei, 41) sowie dem SC Paderborn (Rang sieben, 38) und dem FC St. Pauli (Rang vier, 40) gleich mehrere Konkurrenten in direkten Duellen aufeinander und nehmen sich Punkte weg - die Heidenheimer könnten mit einem Sieg gegen Jahn Regensburg am Samstag (02.03.2019) die großen Gewinner des Spieltags werden.

Heidenheim und Profifußball - das klingt auch nach fünf Jahren (2014 schaffte man den Aufstieg ins Unterhaus) immer noch ungewohnt. Eng verknüpft ist die Erfolgsgeschichte mit dem Namen Frank Schmidt. "Frank Schmidt ist der Erfolgsfaktor für unsere fantastische sportliche Entwicklung als noch junger Verein im deutschen Profifußball. Er steht für Identifikation mit Heidenheim und unserer Region, Leidenschaft für seine Arbeit und einen unbändigen Ehrgeiz, der ihn immer wieder neu antreibt. Es gibt deshalb keinen geeigneteren Trainer für uns als Frank Schmidt", schwärmt Sanwald bei sportschau.de über den Coach.

Trainer Schmidt als Erfolgsgarant

Seit elf Jahren ist Schmidt Trainer in Heidenheim. Man vertraut ihm dort und lässt ihm vor allem eines: Zeit. Von Beginn an wurde nichts überstürzt, Heidenheim konnte sich in einem gesunden Tempo akklimatisieren. Auch bei Rückschlägen wird man nicht nervös: In der vergangenen Saison rettete sich Heidenheim mit zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Die Verantwortlichen hielten an Schmidt fest - und leiteten mit ihm einen Umbruch ein. "Wir haben erfahrene Spieler abgegeben und junge Spieler aus unterklassigen Vereinen hinzu geholt. Dass dieser Umbruch so schnell und gut funktioniert, war nicht abzusehen. Deshalb freuen wir uns über die momentane Ausgangssituation", so Sanwald.

Der Erfolg ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Verantwortung auf dem Feld nun auf mehrere Schultern verteilt ist. In der Vergangenheit war es vor allem der langjährige Kapitän Marc Schnatterer - schon in der Viertklassigkeit absoluter FCH-Führungsspieler - um den sich alles drehte. Schnatterer war auch in dieser Saison in 21 Spielen an 14 Treffern beteiligt (sieben Tore, sieben Vorlagen), aber neben ihm sind auch andere ins Blickfeld gedrängt. Zum Beispiel Robert Glatzel oder Nikola Dovedan. Glatzel hat bereits elf Treffer erzielt, der Österreicher Dovedan traf sechs Mal und legte vier Treffer auf.

Aufstieg in Reichweite?

Sicher ist: Das offizielle Ziel Klassenerhalt ist mit 39 Punkten quasi abgehakt. Und Trainer Schmidt ist Höherem gegenüber grundsätzlich aufgeschlossener als sein Chef Sanwald. Bereits im Oktober 2018 hatte Schmidt im Gespräch mit der "Augsburger Allgemeinen" gefragt: "Warum sollten wir nicht mal nah rankommen an den Erstliga-Aufstieg oder ihn sogar schaffen? Es gibt dafür Beispiele kleinerer Vereine. Wir verwalten hier nicht, wir wollen immer etwas erreichen."

Zumal der Aufstiegskampf nicht das einzige Eisen im Heidenheimer Feuer ist. Auch im DFB-Pokal ist der FCH noch vertreten. Im Achtelfinale siegte man verdient gegen den Erstligisten Bayer Leverkusen. Im Viertelfinale müssen die Heidenheimer nun zu Rekordmeister Bayern München reisen. Ärgerlich für die Heidenheimer, die gegen den Rekordmeister natürlich lieber zu Hause gespielt hätten. Mut machen sollte dem FCH zumindest die Statistik: Auswärts hat man in dieser Saison erst zwei Mal verloren.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Samstag, 02.03.19, ab 18 Uhr

Stand: 01.03.2019, 14:43

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