Nach öffentlicher Kritik: DFB setzt Video-Schiedsrichter ab

Keeper Bonmann klärt gegen Kiels Lee

Holstein Kiel gewinnt gegen Würzburger Kickers

Nach öffentlicher Kritik: DFB setzt Video-Schiedsrichter ab

Nachdem die Würzburger Kickers in Kiel erneut mit einem spielentscheidenden Schiedsrichter-Fehler leben mussten und die Kritik groß war, hat der DFB reagiert. Er setzte Martin Petersen als Videoassistenten für ein Spiel ab.

"Wir haben uns im Laufe des Samstagvormittags final zu dieser kurzfristigen Umbesetzung entschlossen, um den Betroffenen nach der massiven öffentlichen Kritik zu schützen", hieß es am Sonntag (14.02.2021) in einer Stellungnahme der sportlichen Leitung der deutschen Eliteschiedsrichter auf Anfrage des "Kicker"-Sportmagazins.

Von einem "Rausschmiss oder Suspendierung kann keine Rede sein. Wir haben mit dem Betroffenen über diese Umbesetzung und die Gründe dafür gesprochen. Eine ausführliche und notwendige Aufarbeitung der Situation vom Freitag war in dem Zeitraum bis zum Spiel am nächsten Tag schlichtweg nicht möglich und wird mit ihm in Ruhe vorgenommen."

Kickers-Trainer Trares fassungslos

Der 35 Jahre alte Petersen war am Freitagabend beim Spiel Kiel gegen Würzburg als Video-Schiedsrichter eingesetzt worden. In dieser Funktion griff er nach einer falschen Elfmeter-Entscheidung des Referees Thorben Siewer nicht ein und ermöglichte den Kielern dadurch in der 60. Spielminute den Siegtreffer zum 1:0. Der DFB räumte diesen Fehler bereits am Freitagabend via Twitter ein.

Kickers-Trainer Bernhard Trares verstand nach dem Spiel die Welt nicht mehr. "Das ist nicht mehr meine Zeit. Ich habe das Gefühl, ich bin hier falsch", sagte der Coach des Zweitliga-Schlusslichts Würzburger Kickers. Schon in der Vorwoche hatte sein Team bei der Niederlage gegen Greuther Fürth eine krasse Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns hinnehmen müssen.

Was war passiert? In der 58. Minute der Partie faustete Kickers-Keeper Hendrik Bonmann eine Flanke vor Holstein-Angreifer Jae-sung Lee aus der Gefahrenzone, doch Schiedsrichter Thorben Siewer pfiff - Elfmeter! Holstein nutzte das Geschenk, der eingewechselte Alexander Mühling verwandelte den Strafstoß zum letztlich entscheidenden 1:0.

"Wie kann man sich das nicht noch einmal anschauen?"

"Wir werden letzte Woche beschissen, ein paar Tage später passiert das Gleiche. Das muss mir mal einer erklären", zeigte sich Torhüter Bonmann nach der Partie am "Sky"-Mikrofon verzweifelt. Wie schon gegen Fürth (1:4) griff der Video-Schiedsrichter nicht ein. Schiedsrichter Siewer schaute sich die Situation nicht am Monitor an. "Wie kann man sich das nicht nochmal anschauen? Wir spielen um die Existenz hier, das muss mir mal einer erklären", so Bonmann.

Für Würzburg hat die erneute Benachteiligung fatale Folgen - der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt nun bereits zehn Punkte. Und die Konkurrenz kann an diesem Wochenende noch weiter davonziehen. Kickers-Vorstand Sport Sebastian Schuppan fehlte nach dem Spiel "jegliches Verständnis" für die Entscheidung des Schiedsrichtergespanns.

Er suchte nach den 90 Minuten sofort das Gespräch mit den Unparteiischen - vergeblich: "Das ist weit über das hinaus, was man akzeptieren kann. Es war kein Gespräch möglich. Es ist eine Arroganz, die die Offiziellen hier an den Tag legen, ich bin einfach sprachlos."

DFB meldet sich am Abend: "Fehler passiert!"

Am Abend meldete sich dann auch der DFB offiziell via Twitter zu Wort und bestätigte, dass es sich um eine falsche Entscheidung des Schiedsrichtergespanns gehandelt hatte. "Die Aktion des Torhüters ist tatsächlich fußballtypisch und ballorientiert, zumal er den Ball auch spielt. Deshalb ist die Wahrnehmung des Schiedsrichters, dass ein Foulspiel des Torhüters vorliegt, nicht zutreffend. Es hätte in diesem Fall zu einer On-Field-Review-Empfehlung und einer Rücknahme des Strafstoßes kommen müssen", so der Wortlaut der Mitteilung. So richtig trösten wird dieses Eingeständnis die Würzburger nicht.

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oja/dpa | Stand: 14.02.2021, 15:03

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