2. Liga: Wer darf träumen, wer muss bangen?

Bielefelds Andreas Vogelsammer jubelt

2. Fußball-Bundesliga

2. Liga: Wer darf träumen, wer muss bangen?

Mit der Partie des Spitzenreiters Arminia Bielefeld gegen den VfL Bochum geht die 2. Fußball-Bundesliga heute Abend ins neue Jahr. Unter welchen Vorzeichen steht der Start? sportschau.de gibt einen Ausblick.

Die größte Überraschung im Aufstiegsrennen der 2. Fußball-Bundesliga ist sicherlich der Höhenflug des Tabellenführers Arminia Bielefeld (34 Punkte). Das Team von Trainer Uwe Neuhaus hatte kaum einer vor der Saison auf der Rechnung, die Euphorie ist dementsprechend riesengroß. Vorteil Arminia: Bielefeld kann aufsteigen, muss aber nicht - im Gegensatz zu den ersten Verfolgern Hamburger SV und VfB Stuttgart, für die die Rückkehr ins Oberhaus den eigenen Ansprüchen gemäß Pflicht ist.

Neuhaus: "Nach der Winterpause zittert jeder" Sportschau 27.01.2020 01:31 Min. Verfügbar bis 27.01.2021 Das Erste

So trüben auch vier Testspiele ohne Sieg die Stimmung in Ostwestfalen nicht. Trainer Neuhaus sagte der Sportschau ganz entspannt: "Sportlich ist alles soweit gut. Gerade beim ersten Spiel nach der Winterpause zittert jeder so ein bisschen. Wie kommt man rein, wie gut ist man wirklich drauf?"

Hamburger SV rüstet auf

Joel Pohjanpalo beim Training des HSV

HSV-Zugang Joel Pohjanpalo beim Training

Deutlich angespannter ist da schon die Lage beim Tabellenzweiten HSV (31), dem es auch im zweiten Zweitligajahr an Konstanz mangelt. Als Reaktion darauf haben die Verantwortlichen in der Winterpause kräftig aufgerüstet mit den Zugängen Joel Pohjanpalo, Louis Schaub und Jordan Beyer. Angreifer Martin Harnik fällt vorerst mit einem Muskelfaserriss in der Wade aus.

In der Vorbereitung lief beim Team von Trainer Dieter Hecking nicht alles rund. Gerade erst sorgte die 2:5-Testspielpleite beim Viertligisten Lübeck für gedämpfte Stimmung. "Ich weiß, was solche Spiele bewirken oder auch nicht bewirken können", sagte Hecking geheimnisvoll.

VfB mit viertem Trainer in zwölf Monaten

Stuttgarts neuer Trainer Pellegrino Matarazzo

Stuttgarts neuer Trainer Pellegrino Matarazzo

Fehlende Konstanz zeichnet ebenso den Dritten VfB Stuttgart (31) aus, auch in personeller Hinsicht. Der neue Trainer Pellegrino Matarazzo, zuvor Assistenztrainer bei 1899 Hoffenheim, ist bereits der vierte Übungsleiter in den vergangenen zwölf Monaten.

Vor seiner Premiere gegen den 1. FC Heidenheim (30) sagt der 42-Jährige vorsichtig: "Wir geben Gas, werden alles tun. Das kann ich versprechen, mehr aber nicht." Kein Gas gibt vorerst Verteidiger Holger Badstuber, der sich einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zugezogen hat.

Heidenheim und Aue lauern

In Schlagweite zu den Aufstiegsrängen sind überraschenderweise auch der Vierte Heidenheim (30) und der Fünfte Erzgebirge Aue (29). Der FCH hat überhaupt keinen Aufstiegsdruck und kann völlig befreit aufspielen, was womöglich sein größtes Plus ist.

Ähnlich ist die Lage in Aue. Auf die langwierigen Verletzungen der Defensivakteure Steve Breitkreuz und Fabian Kalig hat der Klub mit der Ausleihe des Dänen Jacob Rasmussen vom AC Florenz reagiert. Hauptmanko der "Veilchen" ist ihre Ausswärtsschwäche. Nur ein Sieg und drei Remis gelangen bisher in der Fremde.

Im Tabellenmittelfeld ist alles möglich

Zwischen Aufstiegs- und Abstiegszone ist alles möglich. Den starken Neuling VfL Osnabrück (26) auf dem sechsten Rang trennen gerade einmal sechs Punkte von Mitaufsteiger Karlsruher SC auf dem 15. Platz. Auch Bundesliga-Absteiger Hannover 96 (21) ist der Abstiegszone näher als es dem allgewaltigen Klub-Boss Martin Kind lieb sein kann.

Nürnberg blickt in den Abgrund

Ondrej Petrak, Nikola Dovedan und Hanno Behrens (v.l.) gucken enttäuscht

Die Frustration ist den Nürnbergern Ondrej Petrak, Nikola Dovedan und Hanno Behrens (v.l.) ins Gesicht geschrieben.

Wie Hannover 96 hat auch Bundesliga-Mitabsteiger 1. FC Nürnberg (19) negativ überrascht. Der ambitionierte "Club" überwinterte auf Abstiegsrelegationsplatz 16. Auch Trainer Jens Keller, der im November den Österreicher Damir Canadi abgelöst hat, konnte bisher noch nicht die Trendwende einleiten.

Das 5:2 im Test gegen Bayern München, das im zweiten Durchgang mit einer C-Elf antrat, schätzt Keller denn auch zurückhaltend ein: "Wir dürfen und werden das nicht zu hoch hängen. So ein Sieg ist gut fürs Selbstvertrauen, aber wir werden im Training genauso hart weiterarbeiten."

Wiesbaden hat ein Abhängigkeitsproblem

Beim Tabellenvorletzten und Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden (17) ist die Abhängigkeit von Torjäger Manuel Schäffler ein großes Problem. Er schoss zwölf der bislang 21 Wiesbadener Saisontore. Stark verbesserungswürdig ist auch die Defensive. Mit 35 Gegentreffern ist sie nach dem KSC (36) die zweitschlechteste der 2. Liga.

Schlusslicht Dresden braucht Offensiv-Power

Schon etwas abgeschlagen ziert Dynamo Dresden (13) das Tabellenende. Die Sachsen haben in der Winterpause gleich fünf neue Spieler verpflichtet, davon drei für die Offensive. Dresden hat mit nur 17 Treffern den harmlosesten Angriff der 2. Liga und muss zudem den Abgang von Stürmer Moussa Koné verkraften, der zu Olympique Nimes in die Ligue 1 nach Frankreich wechselte.

Fazit: Egal, ob es um Aufstieg oder Abstieg geht, aufgrund der geringen Punkteunterschiede verspricht die 2. Liga Spannung bis zum Schluss, womöglich sogar mit einem Herzschlagfinale.

red/sid/dpa | Stand: 28.01.2020, 09:39

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