Deutsche Fußballklubs entdecken Türkei wieder

Trainingslager der SpVgg Greuther Fürth in Belek

Trainingslager im Winter

Deutsche Fußballklubs entdecken Türkei wieder

Von Marcus Bark

Wegen der politischen Lage haben die deutschen Profiklubs die Türkei zuletzt für Trainingslager gemieden. Das ändert sich langsam.

Der Wecker klingelte früh. Schon um 5.35 Uhr saß der Tross der SG Dynamo Dresden am Freitag (11.01.2019) im Flugzeug. Die meisten Profiklubs im deutschen Fußball haben in den vergangenen Wochen ähnliche Fotos in sozialen Netzwerken gepostet. Als Reiseziel wurde überwiegend Spanien angegeben, dort vor allem Andalusien.

Die Dresdner hingegen hoben nach Antalya ab. Von dort fuhren sie weiter nach Belek. Der Ort an der türkischen Südküste war für die deutschen Profiklubs mal das, was heute Marbella an der Costa del Sol ist. Dann aber gab es im Sommer 2016 den versuchten Putsch in der Türkei, auf den Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan mit aller Härte reagiert.

Türkei war plötzlich eine No-Go-Area

Es gab heftige Kritik an den zahlreichen Verhaftungen und Entlassungen von Richtern und sonstigen Beamten, die vermeintlich mit den Putschisten sympathisiert hatten. Auch aus Deutschland kamen mahnende Worte, das Verhältnis zwischen den beiden Staaten kühlte merklich ab.

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Die politischen Spannungen wirkten sich auch auf die Reisegewohnheiten deutscher Fußballklubs aus. In der Winterpause 2017/18 war kein Klub aus der Bundesliga und 2. Liga in der Türkei, um sich dort auf die Rückrunde vorzubereiten. "Wir fliegen nicht in die Türkei. Mit Erdoğan will ich nichts zu tun haben", hatte Gertjan Verbeek gesagt, damals noch Trainer des VfL Bochum.

"Extreme Zurückhaltung"

"Es gab quasi einen Stopp durch die politische Entwicklung und eine extreme Zurückhaltung", sagt Dieter Burdenski im Gespräch mit der Sportschau. Der ehemalige Torwart des SV Werder Bremen organisiert mit seiner Firma unter anderem Trainingslager, auch in der Türkei. "Es hat sich jetzt ein bisschen gebessert", sagt Burdenski über die Winterpause 2018/19, "es hat sich ein wenig beruhigt."

Diese Einschätzung teilt Christoph Rottmüller, der für ein führendes Unternehmen der Branche Trainingslager organisiert: "Es gibt eine spürbare Veränderung." Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei habe sich entspannt, zumindest werde es so wahrgenommen, so Rottmüller: "Auch die Aufhebung des Ausnahmezustands im Juli 2018 spielt sicher eine Rolle."

Warnung des Auswärtigen Amtes

Das Auswärtige Amt hält dennoch Warnungen aufrecht: "Reisenden wird dennoch empfohlen, sich von politischen Veranstaltungen und grundsätzlich von größeren Menschenansammlungen fernzuhalten." Weiter heißt es bei den Reise- und Sicherheitshinweisen zur Türkei: "In den letzten beiden Jahren wurden vermehrt auch deutsche Staatsangehörige willkürlich inhaftiert. Festnahmen und Strafverfolgungen deutscher Staatsangehöriger erfolgten mehrfach in Zusammenhang mit regierungskritischen Stellungnahmen in den sozialen Medien."

Weil der Deutsch-Türke Adnan Sütcü wegen des Vorwurfs staaatsfeindlicher Facebook-Einträge vorläufig festgenommen worden sei, warnte der Deutsche Journalisten-Verband Anfang 2019 seine Mitglieder davor, in die Türkei zu reisen, selbst zu Urlaubszwecken: "Die schönsten Wochen des Jahres sollte niemand im Polizeigewahrsam verbringen müssen."

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Trotz der weiterhin durchaus kritischen Lage sind außer Dynamo Dresden auch die Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth, FC Erzgebirge Aue und SV Sandhausen in der Türkei, um sich auf den Rest der Saison 2018/19 vorzubereiten. Aus der 3. Liga halten der Hallesche FC, der VfL Osnabrück, Hansa Rostock, der KFC Uerdingen und Eintracht Braunschweig dort ihre Trainingslager ab.

"Das Gesamtpaket stimmt"

"Wir spüren hier gar nichts von einer Anspannung", sagte Rachid Azzouzi in einem Telefonat mit der Sportschau in Belek. Der Sportchef von Greuther Fürth wäre "im letzten Jahr schon gerne hierhin gekommen", damals sei es aber kurzfristig nicht möglich gewesen. Daher habe er sich für Spanien entschieden.

Rachid Azzouzi

Rachid Azzouzi

Dort, so Azzouzi, sei ein vergleichbarer Aufenthalt "etwa 30 Prozent" teurer als in der Türkei. "Wir haben hier ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis", sagte Azzouzi, außerdem gebe es einen Direktflug von Nürnberg nach Antalya, während nach Spanien meistens Gabelflüge gebucht werden müssten. Das Fazit des Sportdirektors: "Das Gesamtpaket stimmt." Die Türkei könnte wieder in Mode kommen.

Stand: 11.01.2019, 16:00

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