14 Jahre Frank Schmidt in Heidenheim: "Fußball ist immer Gegenwart"

Frank Schmidt über seinen Trainer-Geburtstag 00:57 Min. Verfügbar bis 01.11.2021

Fußball | 2. Bundesliga

14 Jahre Frank Schmidt in Heidenheim: "Fußball ist immer Gegenwart"

An diesem Freitag ist Frank Schmidt auf den Tag genau 14 Jahre Cheftrainer beim 1. FC Heidenheim. Es ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte zwischen Oberliga und 2. Bundesliga.

Fast verlegen wirkt er, der Mann auf dem Podium der Pressekonferenz, als er auf seinen Trainer-Geburtstag angesprochen wird. Herzlichen Glückwunsch, 14 Jahre Cheftrainer beim 1. FC Heidenheim: "Unglaublich, die Zeit kommt mir gar nicht so lange vor", lächelt Frank Schmidt in die Kameras und Mikrofone vor dem Baden-Württemberg-Duell gegen den SV Sandhausen (Samstag, 13:30 Uhr). "Wenn man die Zeit hätte, gäbe es viel darüber zu erzählen. Aber eigentlich interessiert es mich gar nicht vor dem Spiel in Sandhausen. Es zählt nur die Gegenwart."

Frank Schmidt war zunächst nur eine Interimslösung

Zurück zur Vergangenheit. Es war ein Tag im Spätsommer 2007. Während in jenem Jahr der große VfB Stuttgart euphorisch seine bislang letzte Deutsche Meisterschaft feierte, dümpelte der kleine schwäbische Nachbar vom Heidenheimer SB sportlich in den grauen Niederungen der Verbandsliga und Oberliga. Am 17. September 2007 zogen die Verantwortlichen personelle Konsequenzen und ersetzten auf der Trainerbank Dieter Märkle durch den Abwehrspieler Frank Schmidt. Der damals 33-Jährige war nach vielen Jahren als Profi in Fürth, Wien, Aachen und Waldhof Mannheim in seine Heimatstadt zurückgekehrt, wollte an der Brenz seine Spielerkarriere eigentlich ganz gemütlich ausklingen lassen.

Frank Schmidt und seine Heimatverbundenheit

Von wegen. War das provisorische Engagement als vorläufiger "Spieler-Trainer" zunächst nur bis zur Winterpause befristet, öffnete der kurzfristige Erfolg unter Frank Schmidt die Tür zu einer phantastischen Trainer-Ära. Inzwischen ist Frank Schmidt, jetzt 47, seit genau 14 Jahren der Cheftrainer beim inzwischen in 1. FC Heidenheim umbenannten Verein. "Das hier ist Heimat, es ist vertraut, man kennt alles", so Frank Schmidt in einem Gespräch mit SWR Sport über Heidenheim und seine Heimatverbundenheit. "Das ist schon etwas Besonderes in der Konstellation, und das gibt es nicht oft im Profifußball." Die Fragen und Angebote anderer Vereine in dieser Zeit hörte er sich an, aber nie waren sie so gut, dass er Grund gehabt hätte, seinen FCH zu verlassen.

Von der Oberliga bis zur Bundesliga-Relegation

Gleich in seiner ersten Saison, 2007/2008, führte Schmidt, der nur wenige Meter vom Stadion entfernt in der Städtischen Klinik in Heidenheim geboren wurde, den Klub in die viertklassige Regionalliga. 2009 bereits stiegen die Schwaben als Regionalliga-Meister in die 3. Liga auf, 2014 folgte der Sprung in die 2. Bundesliga. Und im vergangenen Jahr scheiterten Frank Schmidt und seine "Underdogs" nur knapp in der Bundesliga-Relegation an Werder Bremen.

Frank Schmidt exklusiv bei SWR Sport

Es wäre die vorläufige Krönung eines Trainer-Werks gewesen, wie es in der Geschichte des immer schnelllebigeren Profifußballs nur noch selten zu finden ist. Aktuell am ehesten noch vergleichbar mit der inzwischen auch schon fast zehnjährigen Ära Christian Streich beim SC Freiburg.

Die Erfolgsgeschichte von Frank Schmidt und Heidenheim ist kein Zufall. Akribisch feilt der einst beinharte Abwehrspieler seit 14 Jahren bei sich selbst, der Mannschaft und dem Umfeld immer wieder an der nächsten Entwicklungsstufe, fordert und fördert seine Spieler: "Wir sind immer dabei den nächsten Schritt zu gehen, ohne die Vergangenheit zu vergessen." Man muss, so Schmidt, "sich immer hinterfragen, reflektieren und neue Wege gehen. Schließlich hat sich der Fußball in den vergangenen Jahren sehr verändert".

"Heidenheim bedeutet Malochen und Arbeiten"

Ganz wichtig ist für Schmidt auch der Begriff Identifikation: "Der Fußball, den man spielt, der muss auch immer zum jeweiligen Ort passen", so der Trainer. "Heidenheim ist Industrie, Heidenheim ist Mittelstand, Heidenheim bedeutet Malochen und Arbeiten, damit es einem gut geht." Er weiß: "Wenn die Mannschaft alles gibt, dann verzeihen die Zuschauer auch mal schwächere Leistungen. Wir kommen über Mentalität", beschreibt der Langzeit-Coach den vorrangigen fußballerischen Hintergrund auf dem Heidenheimer Schlossberg, "die Aufstiege haben wir vor allem über mannschaftliche Geschlossenheit und Kampf geholt".

Erfolgs-Duo Frank Schmidt / Holger Sanwald

Eine enge Vertrauensperson in dieser langen Zeit ist für den Trainer Schmidt vor allem Vorstandsboss Holger Sanwald, der mit dafür sorgte, dass neben dem sportlichen Erfolg auch die Infrastruktur mitgewachsen ist. Statt marodem Sportplatz steht inzwischen auf dem Heidenheimer Schlossberg eine kleine, feine Fußball-Arena mitsamt Business-Zentrum.

"Frank Schmidt kann sich bei uns in Heidenheim eigentlich nur selbst entlassen", hat Holger Sanwald einmal gegenüber SWR Sport bekräftigt. Der laufende Vertrag mit Schmidt ist noch bis zum 30. Juni 2023 datiert. Ein Ende der unglaublich treuen Fußball-Ehe ist also längst noch nicht in Sicht.

14 Jahre Cheftrainer in Heidenheim. Schön und gut, sagt Frank Schmidt, "aber das sind nur Zahlen. Das Entscheidende in diesem Job ist der Erfolg. Fußball ist immer Tagesaktualität".

SWR | Stand: 17.09.2021, 13:28

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