SV Werder Bremen - Hannover 96 1:1

Bremen mit Remis gegen Hannover bestens bedient

Von Christian Hornung

Das erste Samstagabend-Topspiel der hochkarätig besetzten zweiten Liga hat Bundesliga-Absteiger Werder Bremen eine Enttäuschung beschert. Das Remis gegen Hannover 96 war sogar noch höchst schmeichelhaft.

Das 1:1 (0:0) vor 14.000 Zuschauern im Weserstadion hing vor allem in der Schlussviertelstunde am seidenen Faden für einen der vielen Aufstiegsfavoriten. Hannover, in der vergangenen Saison nur enttäuschender 13., zeigte einen hervorragenden Endspurt, verpasste aber mehrfach aus bester Position den Siegtreffer - der klar verdient gewesen wäre.

"Kontertor bei Führung darf nicht passieren"

"Wir hätten viele Szenen besser zu Ende spielen können", analysierte Bremens Trainer Markus Anfang: "Dann haben wir ein Kontertor bekommen, das darf zu Hause bei Führung überhaupt nicht passieren. Am Ende hatten wir dann auch ein bisschen das Glück auf unserer Seite. Man merkt, dass die Mannschaft aus einer schweren Saison kommt, das ist ein längerer Prozess. Aber wir haben einen Punkt geholt."

Hannovers Torschütze Marvin Ducksch im Interview Sportschau 24.07.2021 01:15 Min. Verfügbar bis 24.07.2022 ARD Von Janna Betten

Hannover-Stürmer Marvin Ducksch war hin- und hergerissen: "Ich muss meiner Mannschaft ein Riesenkompliment für eine Klasse-Leistung machen. Wir hätten gewinnen können, am Ende musste ich das 2:1 machen, ganz klar." Sein Trainer Jan Zimmermann sah es ähnlich: "Man hat gesehen, dass meine Jungs an das glauben, was sie machen. Ein Sieg wäre am Ende sicher nicht unverdient gewesen."

Remis zwischen Bremen und Hannover: Die Audio-Highlights Sportschau 24.07.2021 02:21 Min. Verfügbar bis 24.07.2022 ARD Von Olaf Rathje

Erste Chance durch Osako

Der Verantwortung, hier ein besonderes Spiel zu einer besonderen Übetragungszeit austragen zu dürfen, wurden beide Mannschaften vollauf gerecht. Bremen begann druckvoller und hatte schnell die erste Chance: Den Flachschuss von Yuya Osako auf Zuspiel von Josh Sargent nach acht Minuten lenkte 96-Rückkehrer Ron-Robert Zieler aber noch um den Pfosten.

Über eine leidenschaftliche Zweikampfführung arbeitete sich dann Hannover immer besser in die Partie. Ein wuchtiger Kopfball von Marvin Ducksch verfehlte knapp das Ziel, dann ließ es Florent Muslija ordentlich krachen: Aus gut 20 Metern zog er mit dem Vollspann ab und traf die Latte - Michael Zetterer im Tor der Gastgeber wäre chancenlos gewesen (26.).

Bremen defensiv zu passiv

Die Szene diente 96 als Mutmacher, Bremen war in dieser Phase zu passiv im Defensivverhalten und letztlich gut damit bedient, ohne Gegentor in die Pause zu gehen. Anfang hatte als taktische Formation ein 4-1-4-1 aufgeboten, Florian Eggestein konnte dabei als alleiniger Sechser nicht alle Lücken schließen.

Zur zweiten Halbzeit erinnerten sich die Werderaner dann wieder daran, was sie zu Beginn der Partie stark gemacht hatte. Gleich nach einer Minute verpasste Niklas Schmidt am zweiten Pfosten nur knapp, dann scheiterte Osako an Zieler.

Toprak vor Falette am Ball

Die daraus resultierende Ecke brachte den Lohn dieses Sturmlaufs: Ömer Toprak schraubte sich am kurzen Fünfereck in die Luft, setzte sich im Kopfballduell gegen Simon Falette durch, der die Kugel ebenfalls noch berührte - der Treffer wurde als Eigentor gewertet (49.).

Hannover zeigte aber prompt eine Reaktion. Ein stark vorgetragener Angriff über Sei Muroya landete bei Ducksch, der aus 14 Metern am linken Pfosten scheiteterte. Nur zwei Minuten später brachte diese Kombination den Ausgleich: Muroya spielte einen Traumpass hinter die Kette der Bremer, Ducksch löste sich perfekt und lupfte die Kugel in Tor-des-Monats-Manier gefühlvoll über Zetterer hinweg (55.).

Bremen geht die Puste aus

Danach verschoben sich die Kräfteverhältnisse dann immer weiter in Richtung Hannover. Bremen spielt nur noch sehr selten geordnet nach vorne, und vor allem in der Endphase hatte 96 eine Top-Chance nach der anderen. Linton Maina, aber vor allem Ducksch, den Bremen gar nicht mehr unter Kontrolle brachte, hätten das 2:1 erzielen können - eigentlich sogar müssen.

Nach dem Schlusspfiff gab es auf beiden Seiten enttäuschte Mienen. Die Gastgeber ernteten sogar Pfiffe von Teilen ihrer Anhänger, Hannover trauerte trotz einer sehr starken Leistung den verpassten drei Punkten nach.

Gleich das nächste Top-Spiel für Werder

Die Bremer haben die Ehre, am nächsten Samstag (31.07.2021) erneut dieses Topspiel bestreiten zu dürfen, dann treten sie bei Fortuna Düsseldorf an. Die Hannoveraner haben am gleichen Tag um 13.30 Uhr Hansa Rostock zu Gast.