Schlimme Nullnummer zwischen Sandhausen und Wehen Wiesbaden

Kevin Behrens von Sandhausen im Zweikampf mit dem Wiesbadener Niklas Dams

SV Sandhausen - SV Wehen Wiesbaden 0:0

Schlimme Nullnummer zwischen Sandhausen und Wehen Wiesbaden

Von Christian Hornung

Zur Saison 2021/22 haben die Fußball-Zweitligisten beschlossen, ihre Montagsspiele abzuschaffen. Die Partie zwischen dem SV Sandhausen und dem SV Wehen Wiesbaden am 11. Spieltag war ein Plädoyer für die Richtigkeit dieser Maßnahme.

Das Spiel endete nach 96 quälenden Minuten 0:0 - und kein anderes Ergebnis hätte der Auftritt der beiden Mannschaften verdient gehabt. Der 15. gegen den 18. - da war in der Tat kein Fußball-Festival zu erwarten. Zumal die Sandhäuser nach ihrem tollen Saisonstart mit einer starken Pokalleistung gegen Gladbach (0:1) und Platz drei nach fünf Partien in den freien Fall geraten waren: Seit dem 30. August gelang kein Dreier mehr.

Anstoß direkt zum Gegner gespielt

Und trotzdem: Für so einen qualitätslosen Auftritt kann auch die Tabelle nicht als Entschuldigung herhalten. Es begann tatsächlich schon mit dem Anstoß, der ja inzwischen nicht mehr kurz über die Mittellinie befördert werden muss, sondern überall hingespielt werden darf.

Die Sandhäuser brachten aber das Kunststück fertig, den Ball quer und unmittelbar in die Beine des Gegners zu schieben - das dürfte es im bezahlten Fußball noch nicht oft gegeben haben.

Unterhalb der Armutsgrenze

Diese Aktion war absolut wegweisend: Bis zum Schlusspfiff war das Duell eine Mischung aus Flipper und Pingpong. Kontrollierte Ballpassagen gab es so gut wie gar nicht, herausgespielte Chancen ebenso wenig - es war fußballerisch alles meilenweit unterhalb der Armutsgrenze.

Und es wurde auch im zweiten Durchgang nicht besser. Auch nach dem Wechsel überboten sich beide Mannschaften an Harm- und Mutlosigkeit im Spiel nach vorne. Und falls sich Sandhausen den Plan zurecht gelegt hatte, in der letzten halben Stunde nochmal richtig Gas zu geben, durchkreuzte dann auch noch Schiedsrichter Lasse Koslowski denselben: Nach einem harmlosen Luftkampf stellte er völlig zu Unrecht Ivan Paurevic mit Gelb-Rot vom Platz (63.).

Erste Torchance in der 72. Minute

In der 72. Minute gab es dann tatsächlich noch ein kleines Highlight: die erste Torchance der Partie. Der Wehener Max Dittgen behauptete im Sandhäuser Strafraum zunächst sehr gut den Ball und schlenzte ihn dann präzise in Richtung des linken Torwinkels, wo ihn SVS-Keeper Martin Fraisl aber gekonnt herausfischte.

Auch Sandhausen bekam noch einen Matchball, doch in der fünften Minute der Nachspielzeit schoss der eingewechselte Marlon Frey kurz vor der Torlinie Wehens Abwehrmann Sascha Mockenhaupt an. Das war aber auch letztlich völlig in Ordnung so, denn dieses Aufeinandertreffen hatte viel verdient - aber keinen Sieger.

Uwe Koschinat: "Kann man nicht schön quatschen"

Sportschau 29.10.2019 03:44 Min. Verfügbar bis 29.10.2020 ARD

"Es gibt nichts schönzuquatschen"

Wehens Max Dittgen sagte bei Sky zu seiner vergebenen Chance: "Der wollte wohl einfach nicht rein. Aber wir sind jetzt vier Spiele ungeschlagen, haben dabei nur ein Gegentor kassiert, insgesamt sind wir auf einem guten Weg." Moritz Kuhn räumte immerhin ein: "Nach vorn müssen wir deutlich mehr machen, wenn wir Tore machen wollen." Und auch Wehen-Trainer Rüdiger Rehm gab zu: "Defensiv war es okay, aber nach vorne war es schon sehr magere Kost."

SVS-Trainer Uwe Koschinat regte sich über den Platzverweis auf: "Eine lächerliche Entscheidung. Wenn das Gelb-Rot ist, habe ich keine Ahnung vom Fußball, es gab überhaupt keine aktive Bewegung." Insgesamt war er aber auch durchaus selbstkritisch: "Uns hat ganz klar die Präzision gefehlt, die Bälle müssen einfach auch mal aufs Tor gebracht werden. Vor allem kurz vor Schluss hat dann auch der allerletzte Wille gefehlt, das Ding zu machen. Es wäre ein glücklicher Sieg gewesen, aber eben auch einer der Moral- so gibt es aber nichts schönzuquatschen."

In diesem Jahr nicht mehr montags

Im DFB-Pokal in dieser Woche haben beide Teams nun etwas Zeit, über ihre Vorstellung nachzudenken - sie sind bereits ausgeschieden. In der Liga geht es am zwölften Spieltag für die Sandhäuser am Freitag (01.11.19) bei Hannover 96 weiter. Wehen Wiesbaden hat am Sonntag Spitzenreiter Hamburger SV zu Gast.

Die gute Nachricht zum Schluss: Montagsspiele sind bis Weihnachten weder für Sandhausen noch für Wehen Wiesbaden vorgesehen.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Montag, 28.10.19, 22.50 Uhr

Statistik

Fußball · 2. Bundesliga · 11. Spieltag 2019/2020

Montag, 28.10.2019 | 20.30 Uhr

Wappen SV Sandhausen

SV Sandhausen

Fraisl – Diekmeier, Nauber, Schirow, Paqarada – Paurevic, Zenga (85. Frey) – Gíslason (73. Linsmayer), Biada, Engels (56. Türpitz) – Behrens

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Wappen SV Wehen Wiesbaden

SV Wehen Wiesbaden

H. Lindner – Kuhn, Mockenhaupt, Dams, Medic, M. Niemeyer – Chato (85. Knöll), Mrowca (69. Lorch) – Schwede (80. Aigner), Dittgen – Schäffler

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Fakten und Zahlen zum Spiel

Strafen:

  • gelbe Karte Mrowca (3 )
  • gelbrote Karte Paurevic (63./Wiederholtes Foulspiel)
  • gelbe Karte Dams (2 )

Zuschauer:

  • 5.965

Schiedsrichter:

  • Lasse Koslowski (Berlin)

Stand der Statistik: Montag, 28.10.2019, 22:27 Uhr

Stand: 28.10.2019, 23:15

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