Aufstiegsrennen in Liga zwei: Die aussichtsreichen Sieben

Hamburgs Bakery Jatta (l.) im Duell gegen Bochums Anthony Losilla

2. Bundesliga, 19. Spieltag

Aufstiegsrennen in Liga zwei: Die aussichtsreichen Sieben

Von Dorian Aust

An der Spitze der 2. Bundesliga geht es eng zu, der Vorsprung der Spitzenmannschaften HSV und VfL Bochum ist nicht groß. Die Konkurenz dahinter wartet nur auf Ausrutscher - auch zwei Außenseitern lauern. Der Sportschau-Check vor dem 19. Spieltag.

Mit dem Hamburger SV und den Bochumern haben sich zwei Teams an der Spitze minimal abgesetzt. Die beiden Bundesliga-Traditionsvereine sind in der Pole Position um die beiden direkten Aufstiegsplätze. In der extrem ausgeglichenen 2. Liga kann sich das Blatt aber sehr schnell wenden - zurücklehnen ist also nicht. Vor allem das Rennen um den Relegationsplatz, den halben Aufstiegsplatz, verspricht Spannung.

Hamburger SV - nichts als der Aufstieg

Für den HSV geht es eigentlich seit dem dramatischen Abstieg 2018 nur um eine schnellstmögliche Rückkehr in die Bundesliga. In diesem Jahr scheinen die Norddeutschen dann auch die innere Ruhe für dieses Projekt gefunden zu haben. Nach einem bärenstarken Saisonstart schien die Aufbruchstimmung mit Neu-Trainer Daniel Thioune zwar schon wieder verflogen zu sein: zwischenzeitlich vier Spiele ohne Sieg und es wirkte wie das ewig gleiche HSV-Dilemma. Doch Thioune riss das Ruder herrum und führte den HSV wieder in die Erfolgsspur zurück.

Hamburgs Torhüter Sven Ulreich

Hamburgs Torhüter Sven Ulreich

Der HSV ist seinen Gegnern in der Regel in allen Belangen überlegen und kann vor allem an sich selbst scheitern. Die "Rothosen" spielen einen deutlich reiferen und erwachseneren Fußball als in den vergangenen beiden Jahren. Und mit dem treffsicheren Simon Terodde und Sven Ulreich als sicherem Rückhalt hat Thioune nun auch eine bessere Mischung im Kader als seine Vorgänger. "Wir haben eine junge, schlagkräftige Truppe, in der aber auch die älteren Spieler den notwendigen Halt geben. Ich habe von Anfang an gespürt, dass hier viel möglich ist", sagt Ulreich.

Und so stellt sich die Frage, ob die letzten beiden Saisons in der 2. Liga für den HSV vielleicht doch nicht ausschließlich verlorene Jahre waren. Offenbar hat der einstige Bundesliga-Dino die Zeit genutzt, um tatsächlich eine neue Gelassenheit zu entwickeln und einen jungen Spielerstamm gebildet, der für die Bundesligarückkehr bereit ist.

VfL Bochum - elf Jahre Wartezeit

Es hätte eine einjährige Stipvisite in die 2. Liga für den VfL Bochum sein können. Im Mai 2011 stand die Mannschaft um Paul Freier und Zlatko Dedic nach dem Abstieg in der Relegation Borussia Mönchengladbach und Lucien Favre gegenüber. In der Addition verloren die Bochumer 1:2, mussten in der 2. Liga verweilen und warten seitdem auf die Rückkehr in die höchste Spielklasse. Mehr als ein fünfter Platz (2015/16) war nie drin.

Thomas Reis, Trainer des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum.

Thomas Reis, Trainer des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum.

Unter Thomas Reis hat sich die Mannschaft in den letzten knapp eineinhalb Jahren zu einem Topteam der Liga entwickelt. Die Mannschaft spielt variabel, kommt sowohl über die Flügel als auch durchs Zentrum gefährlich vor das Tor und hat mit Simon Zoller (10) und Robert Zulj (9) gleich zwei gefährliche Angreifer. Im Vergleich zum HSV ist man hier deutlich weniger ausrechenbar. Wenig überraschend haben auch Zoller und Zulj fast im Alleingang den Auswärtssieg bei St. Pauli gesichert.

Das Spiel zeigte auch auch: Bochum hat Nehmerqualitäten und drehte die Partie nach zwei Rückständen. Insgesamt aber spielt der VfL eine sehr konstante Saison und stellt nach Holstein Kiel die zweitbeste Defensive der Liga, sodass im Ruhrgebiet tatsächlich schon über einen Ligentausch mit Schalke 04 spekuliert wird.

Holstein Kiel - mehr als ein Bayern-Schreck

Spätestens seit dem 13. Januar ist Holstein Kiel der gesamten Republik ein Begriff. Der Sensationssieg gegen den FC Bayern in der 2. Runde des DFB-Pokals war das bisherige Saisonhöhepunkt. Ole Werner und seine Mannschaft wollen aber für weitere sorgen. Ein Platz unter den ersten Drei in der Abschlusstabelle wäre sicher genau nach Werners Geschmack.

Dabei hat sich Kiel in diesem Jahr eher durch die Liga geschleppt: nur fünf von 15 möglichen Punkten hat Holstein geholt und auch die Verletztenmisere will einfach kein Ende nehmen. Ohne diese Formdelle würde Kiel wohl von ganz oben grüßen. Aber die Mannschaft ist müde: "Ich glaube, dass all die Umstände, Auswärtsspiel, kürzere Pause als der Gegner, dass so etwas schon ein Faktor sein kann", sagte Werner beispielsweise nach dem jüngsten 1:1 in Paderborn.

Alexander Mühling (l.) und Jae-Sung Lee bejubeln ein Tor

Alexander Mühling (l.) und Jae-Sung Lee bejubeln ein Tor

Die "Störche" stellen die beste Abwehr der Liga und sind vorne immer für einen Treffer gut. Aus dem gut harmonierenden Kollektiv ragen vor allem Fin Bartels und der südkoreanische Kreativposten Jae-Sung Lee heraus. Spielerisch setzt Kiel vor allem auf überfallartige Angriffe über die Außenbahnen.

Greuther Fürth - ein unbeschriebenes Kleeblatt

Trotz eines einstelligen Tabellenplatzes (9.) in der vergangenen Saison hatte wohl kaum jemand Greuther Fürth als echten Aufstiegsaspiranten auf dem Zettel. Nach der ersten Saisonhälfte liegt Fürth allerdings nur einen Punkt hinter dem Relegationsrang und ist für Kiel, Bochum und Düsseldorf ein ernst zu nehmender Konkurent. Die Qualität von Stefan Leitls Mannschaft hat auch die 1899 Hoffenheim bereits zu spüren bekommen. In der 2. Runde des DFB-Pokals warfen die "Kleeblätter" den Erstligisten raus - in der kommenden Woche wartet nun Werder Bremen. Für Fürth vor allem auch eine wichtige finanzielle Einnahmequelle.

Jubel bei Greuther Fürth

Jubel bei Greuther Fürth

Um im Aufstiegsrennen am Ende die Nase vorn zu haben, müssen die Franken vor allem an einer Stellschraube drehen: Heimspiele gewinnen. Fürth hat in der laufenden Saison gerade einmal elf Punkte im heimischen Sportpark Ronhof geholt, auswärts sind es bereits 21 - darunter wichtige Zähler bei direkten Konkurenz (Siege in Bochum, Kiel und Aue, Remis in Düsseldorf). Mit dem ersten Heimsieg sollte der Zweitligameister von 2012 am besten schon am Freitagabend (29.01.2021) gegen Aue beginnen.

Fortuna Düsseldorf - mit Uwe Rösler runter und wieder rauf?

"Wir haben unser Saisonziel bewusst so formuliert, dass wir den direkten Aufstieg erreichen wollen, weil ein Verein wie Fortuna die Ambitionen haben muss, in die 1. Liga aufzusteigen", sagte Sportchef Klaus Allofs kürzlich. Und das Selbstvertrauen in der Mannschaft stimmt. Das Remis gegen Tabellenführer Hamburg war das neunte Spiele in Folge ohne Niederlage und in der heimischen Arena sind die Düsseldorfer ebenfalls noch ungeschlagen.

Klaus Allofs bei seiner Vorstellung als neues Fortuna-Vorstandsmitglied

Klaus Allofs bei seiner Vorstellung als neues Fortuna-Vorstandsmitglied

Nach einem mehr als holprigen Saisonstart ist die Fortuna spätestens im November in der 2. Liga angekommen, hat sich wieder stetig nach oben gearbeitet und kann berechtigerweise Aufstiegsansprüche formulieren. Die Mannschaft wurde in der 2. Liga verjüngt, ist spielerisch stark und das Umfeld ist ruhiger als gewohnt - sicherlich auch ein Verdienst von Klaus Allofs. Rösler lässt im Unterhaus offensiveren und attraktiveren Fußball spielen.

Jubilar Uwe Rösler (seit einem Jahr im Amt) gibt die Marschroute vor: "In der Rückrunde wollen wir noch mehr Punkte holen - das ist unser Ziel". Und die Fortuna würde gut daran tun, vor allem die Big Points in den direkten Duellen zu holen. Aus dem Favoritenkreis setzte es in der Hinserie Niederlagen gegen den HSV, Bochum und Kiel. In der vergangenen Woche holte Fortuna dann zumindest zwei Remis gegen Fürth und im Rückspiel gegen den HSV.

Karlsruher SC und Erzgebirge Aue - die großen Außenseiter

Sowohl für den KSC als auch für Aue müsste so ziemlich alles perfekt laufen, um im Rennen um die Aufstiegsränge das letzte Wort zu haben. Beide spielen in dieser Saison über ihren Möglichkeiten und sind auch finanziell nicht auf Augenhöhe mit der Zweitligaspitze.

Karlsruhe hat aus den vergangenen fünf Spielen 13 Punkte geholt und ist so etwas wie das Team der Stunde. Der ehemalige KSC-Profi Christian Eichner ist seit knapp einem Jahr Cheftrainer und hat seitdem den Erfolg zurückgebracht. Nach dem Klassenerhalt am letzten Spieltag hat die Mannschaft in dieser Saison gar keine Abstiegssorgen mehr. Einziges Problem: Karlsruhe verliert zu oft. Sieben Niederlagen stehen bereits zu Buche - das eine oder andere Unentschieden würde dem Punktekonto guttun und vor allem den Abstand zur Konkurenz nicht anwachsen lassen.

Clemens Fandrich (l.) im Zweikampf mit Würzburgs Dominik Meisel

Clemens Fandrich (l.) im Zweikampf mit Würzburgs Dominik Meisel

Im Erzgebirge ist man eigentlich auch froh über jedes einzelne Jahr in der Bundesliga. Die traditionell heimstarken Auer haben die größte Entwicklung ausgerechnet in der Fremde erfahren. In der letzten Saison hat Aue auswärts gerade einmal elf Punkte geholt - die gleiche Ausbeute hat man sich jetzt bereits nach 18 Spieltagen gesichert. Ein Aufstieg in die Bundesliga wäre für die Mannschaft von Dirk Schuster, dem einstigen Aufstiegshelden aus Darmstadt, zum jetzigen Zeitpunkt eine Nummer zu groß. Dass der gebürtige Chemnitzer aber weiß, wie Aufstieg mit einem Underdog geht, hat er bereits bewiesen.

Stand: 29.01.2021, 14:00

2. Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.VfL Bochum2854
2.Hamburger SV2850
3.Greuther Fürth2750
4.Holstein Kiel2646
5.1. FC Heidenheim2845
 ...  
16.VfL Osnabrück2726
17.SV Sandhausen2725
18.Würz. Kickers2820
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