Leonardo Bittencourt von Werder Bremen im Zweikampf mit Marius Bülter von Schalke 04

Fußball | 2. Bundesliga Schalke gegen Werder: Zweitliga-Gipfel mit Parallelen

Stand: 22.04.2022 12:46 Uhr

Beim Zweitliga-Topspiel zwischen dem FC Schalke 04 und Werder Bremen treffen zwei Klubs mit ähnlicher Entwicklung aufeinander. Auf Kurs Wiederaufstieg kamen beide erst durch einen Trainerwechsel.

Von Frank Hellmann

Rouven Schröder erinnert sich noch gut an seine turbulente Anfangszeit im vergangenen Sommer. Als Sportdirektor vom Bundesliga-Absteiger FC Schalke 04 verpflichtet, stieß auch der belastbare Sauerländer bald an seine Grenzen.

"Es war unheimlich schwer abzuschalten, ständig Kopfkino: Der muss noch gehen, der hat noch vier Jahre Vertrag, der will mehr Kohle", verriet Schröder im "Kicker"-Podcast. Inzwischen hat der 46-Jährige mehr als eine leise Vorahnung, dass die Aufräumarbeiten sich schnell auszahlen könnten.

Rouven Schröder lobt die Qualität beider Teams

Ins Topspiel der 2. Bundesliga zwischen dem FC  Schalke 04 und Werder Bremen (Samstag 13.30 Uhr) geht der Gastgeber als Tabellenführer, der bei einem Sieg fünf Punkte Vorsprung vor seinem ärgsten Verfolger hätte. Für Schröder ist es eine Reise in die Vergangenheit.

Aus wenig viel machen musste der fußballerisch im Ruhrgebiet sozialisierte Schröder bereits in seiner Zeit bei Werder, wo er zwischen 2013 und 2016 als Direktor Profifußball und Scouting viele kluge Transfers einfädelte. Er kennt Bremens Geschäftsführer Frank Baumann gut, der nach dem Abstieg bleiben durfte.

"Werder Bremen hat hohe Qualität und das gleiche Ziel wie wir", sagt Schröder. Und eine ähnliche Saison hinter sich wie die Schalker: Nach den Kaderumwälzungen machten die Königsblauen wie die Grün-Weißen ähnliche Schwierigkeiten durch, zeitweise schienen beide den Wiederaufstieg aus den Augen zu verlieren. Auf Kurs kamen beide erst durch einen Trainerwechsel, der hier wie dort einen Stimmungswandel auslöste.

Ole Werner freut sich auf einen "geilen Kick"

Bei Werder hat es sich als Glücksfall entpuppt, dass nach dem Impfpass-Skandal von Markus Anfang bald Ole Werner anheuerte, der gleich mal mit sieben Siegen startete. Trotz einer Delle zuletzt und Verletzungssorgen im Abwehrbereich - Ömer Toprak und Milos Veljkovic fallen jetzt aus - haben sich die Hanseaten viele Attribute eines Spitzenteams angeeignet.

Entsprechend optimistisch gibt sich Werner jetzt: "Eins gegen zwei - das ist ein wahnsinnig geiler Kick." Solche emotionalen Ansagen sind nicht Standard beim 33-Jährigen, der mit seiner bodenständigen Art bestens nach Bremen passt.

Mike Büskens findet die richtigen Knöpfe

Was in Gelsenkirchen auch alle von Mike Büskens behaupten, der als Interimstrainer Anfang März den zu biederen Dimitrios Grammozis beerbte. Bei dessen Ablösung wies Schalke noch sieben Punkte Rückstand auf Werder auf. "Beide Teams haben einen Traum - und den wollen sie leben", sagt Büskens, der authentisch rüberkommt und pragmatisch vorgeht. "Es ist schön zu sehen, wie geschlossen dieser Verein in der jetzigen Phase ist", findet der 54-Jährige, dennoch fange nach fünf Siegen am Stück "niemand an zu spinnen".

Der spielerische Aufschwung unter seiner Anleitung ist offenkundig. "Sie haben die Grundordnung geändert, sodass die besten Einzelspieler zur Geltung kommen", lobt Werner, der beim 1:1 im Hinspiel - als Werder von einem fast skandalös anmutenden Elfmeter nach einer Schwalbe von Roger Assalé in der Nachspielzeit profitierte - noch nicht auf der Trainerbank saß.  

Clemens Fritz hat eine schöne Erinnerung

Die Arena auf Schalke ist ausverkauft, was belegt, welche Strahlkraft zwei Marken besitzen, die sich 2007 mal einen elektrisierenden Titelkampf lieferten, als Werder den besten Fußball spielte, Schalke die beste Ausgangsposition besaß, aber der VfB Stuttgart sich als lachender Dritter die Schale schnappten.

Clemens Fritz, der heute Schröders Funktion an der Weser bekleidet, trug damals bereits den Werder-Dress, doch der 41-Jährige ist kein Freund davon, zu viel in der Vergangenheit zu schwelgen. Nur an eine Episode erinnert er sich gerne:  "Dass ich auf Schalke mal ein nicht ganz unwichtiges Tor geschossen habe." In seiner vorletzten Saison als Werder-Kapitän steuerte er im Abstiegskampf 2016 tatsächlich mal ein Tor und eine Vorlage zu einem 3:1-Auswärtserfolg bei.

Zwei treffsichere Sturmduos

Auch im Aufstiegskampf 2022 möchte Werner auf Sieg spielen: "Wir wollen Werder-Fußball zeigen und mutig sein." Sich wie gegen SV Sandhausen, FC St. Pauli und 1. FC Nürnberg (alle 1:1) mit einem Remis zu begnügen und dann auf das Restprogramm (Holstein Kiel, Erzgebirge Aue, Jahn Regensburg) zu verlassen kommt nicht infrage.

Zumal beide Teams mit ihren exzellenten Sturmduos ohnehin für einen offensiven Ansatz stehen. Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug haben 31 der 54 Bremer Tore erzielt. Ähnlich gut liest sich die Schalker Bilanz von Marius Bülter (10) und Simon Terodde (24).

Die Verpflichtung des Zweitliga-Torgaranten Terodde war für Schröder übrigens eine Schlüsselpersonalie: "In der 2. Liga ist es elementar, dass man vorne einen Stürmer drin hat, der eine gewisse Aura und seine Leistungen auch schon bewiesen hat. Er zieht das ganze Schiff." Direkt wieder in die Bundesliga?
 

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