2. Liga: Nordklubs hoffen auf Befreiungsschlag

Die Nerven liegen blank bei Benjamin Kessel und Marvin Duksch

2. Bundesliga

2. Liga: Nordklubs hoffen auf Befreiungsschlag

Von Dorian Aust

Noch vor wenigen Wochen schien alles in Ordnung: Der Hamburger SV war Erster, Hannover 96 kam nicht weit dahinter, St. Pauli war im Aufwind und Braunschweig zeigte Moral. Doch zuletzt stürzten alle vier Nordclubs gewaltig ab. Am Samstag kommt es zu zwei direkten Duellen.

Auch wenn die Partie im Volksparkstadion vor leeren Rängen stattfindt, umgibt das Duell Hamburger SV gegen Hannover 96 ein Hauch von Nostalgie. Immerhin 58 Mal standen sich beide Teams in der 1. Liga gegenüber. Nun sieht man sich eine Etage tiefer.

Der HSV ist zwar auch im Unterhaus immer noch der Favorit, doch das Team ist nach vier sieglosen Spielen mit zwei Niederlagen angeschlagen. Die Defensive mit 14 Gegentoren ist instabil, der Offensive fehlte laut Trainer Daniel Thioune zuletzt "die Gier": Selbst Goalgetter und Zweitliga-Spezialist Simon Terodde konnte in den letzten drei Spielen nur einmal jubeln.

Das jüngste 2:3 in Heidenheim wirkte wie ein Flashback: Erst Mitte Juni hatte man am gleichen Ort den Aufstieg verspielt. Die Leistung Ende November bezeichnete Thioune als "unkonzentriert", "nicht kompakt" und "sehr nachlässig".

Der HSV erinnert in seiner Leistungskurve fatal an die Vorsaison, als es in den Wochen vor Weihnachten ebenfalls bergab ging. Die Hamburger stehen zwar aktuell noch auf dem Relegationsplatz, aber die Formkurve zeigt nach unten. "Niederlagen sind für nichts gut", sagt Thioune. Seine Strategie: Die Negativ-Erlebnisse "kleinhalten und nicht thematisieren".

Absturz innerhalb weniger Wochen

Die Gäste aus Hannover reisen ebenfalls mit vier sieglosen Spielen in Folge an. Tabellarisch bedeutete das für den vermeintlich zweiten großen Aufstiegsfavoriten den Sturz von Platz drei auf 14. Klubboss Martin Kind bewertete die jüngsten Leistungen deutlich: "Die Entwicklung ist mindestens kritisch", sagte der 76-Jährige bei NDR2. "Weiter sollte es in der Tabelle nicht mehr runtergehen."

Viele sehen bei den "Roten" einen Kader mit Spielern wie Dominik Kaiser, Genki Haraguchi oder Linton Maina, der für Zweitliga-Verhältnisse herausragend besetzt ist. Trainer Kenan Kocak verweist aber immer wieder auch auf die Profis, die den Verein im Sommer verlassen haben: Waldemar Anton oder die Leihgaben John Guidetti oder Jannes Horn. Hinzu kommen die Verletzungsprobleme. "Wir sind jede Woche gezwungen, etwas zu ändern", sagte der Coach.

Luca-Milan Zander vom FC St. Pauli ärgert sich

Kocak und die 96er sollten kurzfristig auf jeden Fall etwas an ihrer Auswärtsschwäche ändern. Alle zehn Zähler holten die Hannoveraner im heimischen Stadion. Es gilt also die Statistik von vier Spielen und vier Niederlagen in der Fremde ausgerechnet beim HSV aufzuhübschen.

Kellerduell in Braunschweig

Eintracht Braunschweig steht nach neun Spielen als Aufsteiger über dem Strich - zumindest über dem, der die direkten Abstiegsplätze markiert. Ein bisschen mehr als der Relegationsplatz sollte es aus Braunschweiger trotzdem bitte sein - zumal die Erwartungen vor der Saison andere waren: Ein neuer Trainer mit einer klaren Spielidee, dazu elf neue Spieler, die teilweise auch andere Clubs sehr gerne geholt hätten.

Die Realität ist allerdings, dass Coach Daniel Meyer es bislang nicht geschafft hat, dem Aufsteiger Stabilität und ein funktionierendes Konzept zu vermitteln. Und die meisten Neuzugänge sind entweder verletzt (Suleiman Abdullahi) oder hinter den Erwartungen zurück geblieben (Felix Kroos, Yassin Ben Balla, Dominik Wydra).

So wird es mit dem Klassenerhalt in Liga zwei schwierig - zumal man sich nicht weiter auf die schwächelnde Konkurrenz verlassen sollte. Meyer will nun die Defensive stabilisieren, weniger Gegentore kassieren und damit das Selbstvertrauen steigern: "Wir wollen am Samstag die Mannschaft sein, die sich aus dem Tabellenkeller und der aktuellen Situation befreit."

Guter Saisonstart verpufft

Auch bei St. Pauli sind die Erwartungen trotz eines runderneuerten Kaders vor der Saison andere gewesen. Nach neun Spieltagen finden sich Hamburger nun auf einem Abstiegsplatz wieder. Dabei war der Saisonstart mit attraktivem Offensivfußball durchaus vielversprechend. Doch nach dem 2:2 gegen starke Bochumer und einem Sieg über Vorjahres-Fast-Aufsteiger Heidenheim ist der Kiezclub gewaltig aus der Spur geraten.

Seit dem einzigen Saisonsieg Ende September gegen Heidenheim gab es in sieben Partien drei Unentschieden und vier Niederlagen. Im 2:2 im Derby gegen den HSV erzielte St. Pauli seine letzten beiden Tore - es folgten drei Spiele ohne eigenen Torerfolg.

Der anfängliche Angriffs-Elan ist verpufft, die Mannschaft wirkt verunsichert, die Abwehr ist die viertschlechteste der 2. Liga. Zu allem Überfluss fällt nun auch noch Abwehrchef Christopher Avevor aus. Der Kapitän muss sich einer Sprunggelenks-OP unterziehen. Es wird nicht leichter für die Hamburger.

Stand: 04.12.2020, 12:13

2. Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.VfL Bochum1632
2.Hamburger SV1530
3.Fort. Düsseldorf1630
4.Holstein Kiel1529
5.Greuther Fürth1628
 ...  
16.E. Braunschweig1614
17.FC St. Pauli1613
18.Würz. Kickers169
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