Wende im HSV-Machtkampf: Präsidium tritt geschlossen zurück

HSV-Präsident Marcell Jansen (v.l.) mit den Vizepräsidenten Moritz Schaefer und Thomas Schulz

NDR-Sport

Wende im HSV-Machtkampf: Präsidium tritt geschlossen zurück

Das Präsidium des Hamburger SV ist am Dienstagabend zurückgetreten. Vereins-Präsident Marcell Jansen und seine beiden Vizepräsidenten Thomas Schulz und Moritz Schaefer lagen seit Monaten über Kreuz.

Damit hat das Trio vorerst einen Strich unter seinen Matchkampf gezogen. "Liebe Mitglieder, liebe HSVer, nach sehr intensiven und zielführenden Gesprächen in den vergangenen Tagen haben wir uns als Präsidium gemeinsam dazu entschlossen, mit sofortiger Wirkung von unseren Präsidiumsämtern zurückzutreten und so die zuletzt vorhandenen Meinungsverschiedenheiten im Präsidium nicht mehr zu einem Themenfeld innerhalb unseres Vereins zu machen", heißt es in einem gemeinsamen Brief an die über 87.000 Mitglieder des HSV e.V.

"Es geht um die Raute, ums Wir, nicht um Einzelpersonen", twitterte Jansen am Mittwochmittag. "Darum halte ich den geschlossenen Rücktritt des e.V.-Präsidiums für sinnvoll und zielführend." Es sei längst überfällig, dass wieder Ruhe einkehrt. "Und es ist jetzt auch nicht die Zeit, den Wahlkampf zu eröffnen."

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Machtkampf nicht entschieden, sondern vertagt

Der Machtkampf ist allerdings nicht entschieden, er ist vertagt worden. Im Sommer sollen nun die Mitglieder des HSV auf der ordentlichen Mitgliederversammlung ein neues Führungsgremium wählen und entscheiden, ob es eine neue Chance für Marcell Jansen gibt - oder dann doch den Machtwechsel.

Jansen bleibt Chef des Aufsichtsrates. Bei Neuwahlen darf er zudem erneut antreten und es wird damit gerechnet, dass er wieder für das Präsidenten-Amt kandidiert - diesmal mit einem eigenen Team. Er genießt die Rückendeckung aller HSV-Gremien und von Investor Klaus-Michael Kühne. Der Verein ist größter Anteilseigner der AG, von der Wahl des neuen Präsidiums hängt dann auch die Zusammensetzung des Aufsichtsrates ab. Ob Schulz und Schaefer eine Gegenkandidatur starten, ist offen.

Bis dahin werden der Geschäftsführer Kumar Tschana und Michael Papenfuß interimsmäßig den Club führen. Bis die verschiedenen Positionen auf der Mitgliederversammlung erneut aufeinanderprallen, dürfte hinter den Kulissen kräftig weitergerungen werden.

Schulz und Schaefer stellen sich gegen Jansen

Während es beim Tabellenführer der Zweiten Liga sportlich gut läuft, herrschte in der Führung des eingetragenen Vereins seit Monaten Streit. Vizepräsident Schulz und Schatzmeister Schaefer hatten in wichtigen Fragen andere Ansichten als Jansen. Unter anderem ging es um die Kandidaten für den Aufsichtsrat der Fußball-AG und um den möglichen Verkauf weiterer Anteile. Dabei sollte offenbar auch Vertrauten des ehemaligen HSV-Vorsitzenden Bernd Hoffmann ein Comeback ermöglicht werden.

An Schulz gab es sogar öffentliche Kritik aus dem Verein - der er jedoch entschieden widersprach. Trotzdem reichte der HSV-Ehrenrat, unterstützt von allen anderen Gremien des Vereins, einen Abwahlantrag gegen den Vizepräsidenten ein. Schulz' Handeln sei nicht mehr tragbar und das Vertrauen aller Gremien in ihn verloren gegangen. Über den Antrag sollte eine außerordentliche Mitgliederversammlung entscheiden. Doch das Präsidium ließ zuletzt eine Frist für deren Terminierung verstreichen. Zumindest dieses Problem ist durch den Rücktritt aller erst einmal gelöst.

Dieses Thema im Programm:
NDR 2 Sport | 16.02.2021 | 23:03 Uhr

NDR | Stand: 17.02.2021, 14:06

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