HSV trennt sich von Trainer Thioune - Hrubesch übernimmt

Horst Hrubesch (l.) spricht auf dem Trainingsplatz mit Daniel Thioune.

NDR-Sport

HSV trennt sich von Trainer Thioune - Hrubesch übernimmt

Nach fünf sieglosen Spielen in Folge soll die Clublegende das Ruder bei den Hanseaten herumreißen und den Aufstieg in die Bundesliga schaffen.

Fußball-Zweitligist Hamburger SV hat Trainer Daniel Thioune mit sofortiger Wirkung freigestellt. Bis Saisonende übernimmt Horst Hrubesch das Training. Vorstand Jonas Boldt rechtfertigte den Schritt am Montagnachmittag mit einer "immer schnelleren und dramatischeren Dynamik", die mit dem 3:3 gegen Hannover 96 begonnen habe. Deshalb sei die "große Justierung" nötig gewesen, "es gab keine andere Möglichkeit", so der 39-Jährige. Knackpunkt sei am Ende das 1:1 gegen Karlsruhe gewesen, bei dem Thioune vorher angekündigt hatte, "All in" zu gehen - "und dann kommt so ein Spiel heraus", sagte Boldt. Thioune sei danach "angeknockt" und "enttäuscht" gewesen: "Zuletzt war bei uns die Überzeugung nicht mehr da, dass das Konstrukt mit Mannschaft und Trainer noch funktioniert."

"Zuletzt war bei Daniel die Führungskraft nicht mehr in diesem Maße vorhanden, und wir sahen die Gefahr, von unserem Weg abzukommen. Das wollen wir nicht und das werden wir nicht."
— HSV-Sportvorstand Jonas Boldt

Co-Trainer Polzin und Drews bleiben

Und jetzt soll es Hrubesch ("Von ihm erwarten wir Klarheit und Lockerheit") richten. "Wir müssen alles daran setzen, den Mist, den wir verbockt haben, wieder geradezurücken. Dabei erwarte ich, dass unser gesamter Kader inklusive Trainer, Staff und Spieler alle Kräfte und alle Konzentration für die letzten drei Ligaspiele bündelt. Da nehme ich auch angeschlagene oder verletzte Spieler nicht aus", erklärte die Club-Legende Hrubesch. Gemeinsam mit Merlin Polzin und Hannes Drews, die beim HSV bleiben, leitete der 70-Jährige am Nachmittag erstmals das Training. Die nächste Partie steht für den HSV am 10. Mai mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg an.

Boldt: Aufstieg noch nicht abgeschrieben

"Mit der Veränderung auf der Trainer-Position greift der HSV zum letzten Strohhalm. Man muss abwarten, was diese Veränderung bringt", sagte Hrubeschs früherer Mitspieler Manfred Kaltz dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Boldt hat den Bundesliga-Aufstieg noch nicht abgeschrieben und zeigte sich kämpferisch: "Wir werden voll angreifen - und das ist es auch, was Horst Hrubesch versprüht."

Wie es auf der Hamburger Trainerbank nach Saisonende weiter geht, sagte Boldt nicht: "Wir haben noch mit Niemanden gesprochen". Zu kursierenden Namen wie Steffen Baumgart "äußere ich mich grundsätzlich nicht".

Nur 16 Punkte in 14 Spielen

Mit der Trennung von Thioune, der erst im vergangenen Sommer vom VfL Osnabrück an die Elbe wechselte und dessen Vertrag bis 2022 datiert war, zogen die Hanseaten die Konsequenz aus der sportlichen Talfahrt. Der HSV, der als Herbstmeister in die Rückrunde gestartet war, holte dort bislang nur 16 Punkte aus 14 Spielen. Nach zuletzt fünf sieglosen Partien in Folge droht die ersehnte Rückkehr in die Bundesliga im dritten Jahr hintereinander verpasst zu werden.

Die Hamburger sind aktuell zwar Tabellendritter, haben aber bereits fünf Punkte Rückstand auf Rang zwei. Zudem kann Holstein Kiel am Dienstag (18.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) mit einem Sieg gegen den SV Sandhausen vorbeiziehen und hat noch zwei weitere Nachholspiele in der Hinterhand. Auch Fortuna Düsseldorf (ein Spiel weniger) kann noch zu den Hanseaten aufschließen.

"Ich brauche keine Kennenlernphase"

Hrubesch berichtete von "vielen internen Gesprächen" am Wochenende: "Und irgendwann haben wir dann auch über Traineralternativen gesprochen. Bei nur drei oder maximal fünf verbleibenden Spielen machen andere Lösungen nicht viel Sinn. Ich brauche keine Kennenlernphase."

"Zuletzt hat die Mannschaft leider oft unter Wert gespielt. Sie verfügt über eine andere Qualität, die wir jetzt in den verbleibenden Spielen auf den Platz bringen müssen."
— HSV-Interimscoach Horst Hrubesch

Seine neue Aufgabe will Hrubesch "pragmatisch" angehen: "Zunächst einmal geht es darum, die Köpfe der Spieler freizubekommen. Ich werde viele Gespräche führen, reinhören und versuchen, ein paar Akzente zu setzen", sagte der 70-Jährige, der betonte, nur für die letzten Saisonspiele HSV-Trainer zu sein: "Danach kehre ich wieder auf meinen Posten im Nachwuchsleistungszentrum zurück."

Dieses Thema im Programm:
Hamburg Journal | 03.05.2021 | 19:30 Uhr

NDR | Stand: 03.05.2021, 14:21

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