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HSV - St. Pauli oder die Suche nach einem neuen Derbyhelden

Stand: 21.01.2022, 17:37 Uhr

Der HSV empfängt den FC St. Pauli heute zum Hamburger Fußball-Stadtderby. Der bis dato letzte Erfolg des einstigen Europapokalsiegers gegen den Kiezclub liegt schon fast drei Jahre zurück. Und der damalige Held kickt heute in der Wüste.

Von Hanno Bode

Am Sonnabend steht für den Al-Khor SC in der Qatar Stars League ein richtungsweisendes Spiel im Kampf um den Klassenerhalt an. Der Tabellenvorletzte aus der Küstenstadt im Norden Katars empfängt vor heimischer Kulisse Schlusslicht Al-Sailiya SC. Einer der Hoffnungsträger des Teams von Interimscoach Andre Lima, der nach der Trennung von Winfried Schäfer im vergangenen November übergangsweise auf der Bank sitzt, ist Pierre-Michel Lasogga.

Letzter HSV-Derbysieg liegt drei Jahre zurück

Der 30-Jährige verdient seit zweieinhalb Jahren seine "Petrodollar" im Land des diesjährigen WM-Gastgebers. Es hatte ihn ins Emirat gezogen, nachdem sein Vertrag beim HSV im Sommer 2019 ausgelaufen war. Ein paar Wochen vor seinem Abschied von der Elbe hatte der Angreifer noch Derby-Geschichte geschrieben. Mit zwei Treffern war der gebürtige Gladbecker maßgeblich am 4:0-Erfolg des Rautenclubs am 10. März bei St. Pauli beteiligt.

Seitdem konnte der einstige Bundesliga-"Dino" nicht mehr gegen den Stadtrivalen gewinnen. Heute (18.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) nimmt der HSV den nächsten Anlauf, diesen Fluch zu besiegen. Ohne Lasogga, aber mit der Hoffnung auf die Geburt eines neuen Derbyhelden.

Wer könnte in Lasoggas Fußstapfen treten?

Kandidaten für diese Rolle gibt es bei den Gastgebern einige. Beispielsweise Robert Glatzel, dem mit zehn Treffern erfolgreichsten Schützen des Tabellenfünften. Der 28-Jährige hat eine ähnliche Statur und Spielweise wie Lasogga, wirkt in seinem Auftreten auf dem grünen Rasen allerdings etwas geschmeidiger als der Katar-Legionär. Oder trumpft Youngster Faride Alidou, der im Sommer aller Voraussicht nach zu Eintracht Frankfurt wechseln wird, in seinem wohl letzten Stadtderby groß auf? Und dann gibt es ja noch den bis dato besten HSV-Feldspieler in dieser Serie: Sonny Kittel.

In seinem dritten Jahr bei den Hamburgern ist der Edeltechniker in eine Führungsrolle geschlüpft und hat sein Phlegma vergangener Tage abgelegt. Elf Vorlagen und vier Tore sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache.

Walter schaut nicht in den Rückspiegel

Apropos deutliche Sprache: Einer solchen bedient sich auch Coach Tim Walter gerne. So auch auf der Derby-Pressekonferenz, in der er selbstverständlich auf die schlechte Bilanz seiner Mannschaft gegen St. Pauli angesprochen wurde. Die typisch Waltersche Antwort: "Es bringt uns nichts, sich mit der Vergangenheit und früheren Derbys zu beschäftigen. Wir müssen nach vorne blicken, um die Gegenwart und die Zukunft positiv zu schreiben." Was gewesen ist? Interessiert den 46-Jährigen kaum bis gar nicht! Gebetsmühlenartig philosophiert er stattdessen darüber, dass die Entwicklung der Mannschaft im Vordergrund stehe.

"Wir sind auf einem guten Weg"

"Wir sind auf einem guten Weg", sagte Walter zwei Tage nach dem Viertelfinal-Einzug im DFB-Pokal. Das Duell mit dem Bundesligisten 1. FC Köln habe aber auch gezeigt, "dass wir immer über die volle Distanz 100 Prozent und nicht weniger abliefern müssen, um erfolgreich zu sein", ergänzte der Trainer. Dass St. Pauli in Borussia Dortmund einen Gegner aus dem nationalen Cup-Wettbewerb warf, der ebenfalls nicht zur Kategorie "Laufkundschaft" zählt, für Walter irrelevant: "Wir schauen auf uns. Wir versuchen unseren Weg mit viel Bereitschaft, Energie und Mut zu bestreiten. Unsere Jungs sind heiß und wir glauben an uns."

Schultz erwartet einen "heißen Tanz"

Es treffen also im Volksparkstadion vor Corona-bedingt nur 2.000 zugelassenen Zuschauern zwei selbstbewusste Teams aufeinander. Wobei die Favoritenrolle diesmal ob der jüngsten fünf Vergleiche, von denen der Kiezclub vier gewann, sowie der Tabellensituation bei Spitzenreiter St. Pauli liegt. "Unsere Bilanz ist super gut. Und wir würden uns freuen, wenn wir diese ausbauen können", sagte Coach Timo Schultz. Dass dieses gegen den vermeintlichen Lieblingsgegner nicht ganz so einfach wird, schwant dem 44-Jährigen allerdings auch: "Ich gehe davon aus, dass es ein ganz, ganz heißer Tanz wird."

Schlägt Makienok gegen den HSV erneut zu?

Umso wichtiger wäre es natürlich auch für "Schulle", wie der Übungsleiter gerufen wird, dass einer seiner Spieler über sich hinauswachsen kann. Im Hinrunden-Duell tat dies Simon Makienok mit zwei Treffern beim 3:2-Erfolg. Hernach lief es für den Dänen allerdings gar nicht mehr gut. Nur ein weiteres Tor gelang dem 30-Jährigen, der zwischenzeitlich wegen einer Corona-Infektion aussetzen musste und beim Pokal-Coup gegen Dortmund genau eine Minute als "Joker" zum Einsatz kam.

Eine erneute Makienok-Heldenstory gegen den HSV? Dennoch möglich, wenn vielleicht auch nur als Einwechselspieler. Immerhin hat der Angreifer drei seiner insgesamt fünf Tore in Kiezclub-Kleidung gegen den Nachbarverein erzielt. Geschichten, die nur der Fußball schreibt ...

Amenyido kann verrückte Woche krönen

In diese Rubrik gehört auch die Story von Etienne Amenyido. Der Sommerzugang vom VfL Osnabrück war monatelang wegen Achillesfersenproblemen ausgefallen und musste sich nach seiner Genesung hinten anstellen. Dann erzielte er als "Joker" den späten 2:2-Ausgleich gegen den FC Erzgebirge Aue und traf gegen den BVB zur 1:0-Führung. Gegen jenen Ballspielverein aus Dortmund also, bei dem er sechs Jahre lange in der Jugend ausgebildet wurde. Mit einer "Bude" im St.-Pauli-Dress gegen den HSV würde "Eti", wie er gerufen wird, seine verrückte Woche märchenhaft abschließen.

Möglicherweise aber schlüpft ja auch ein ganz anderer Spieler völlig unerwartet in die Rolle des Matchwinners. Ex-Derbyheld Lasogga wird es gewiss interessiert an einem Endgerät seiner Wahl verfolgen, bevor für ihn am Tag darauf Abstiegskampf in der Katarischen Wüste ansteht ...

Mögliche Aufstellungen:

Hamburger SV: Heuer Fernandes - Heyer, Schonlau, Vuskovic, Muheim - Meffert, Reis, Kittel - Alidou, Jatta, Glatzel
FC St. Pauli: Vasilj - Zander, Medic, Lawrence, Paqarada - Smith, Becker, Hartel, Irvine - Burgstaller, Amenyido

Dieses Thema im Programm:
NDR 2 Bundesligashow | 21.01.2022 | 18:00 Uhr

Quelle: NDR

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