FC St. Pauli: Der "Stadtmeister" mit ungewisser Zukunft

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FC St. Pauli: Der "Stadtmeister" mit ungewisser Zukunft

Von Sebastian Ragoß

Der FC St. Pauli hat seine Erfolgsserie mit dem Derby-Sieg gegen den HSV gekrönt. Die im Winter umformierte Mannschaft überzeugt - und hat wohl doch keine Zukunft.

Ein Feuerwerk brannten die Fans des FC St. Pauli bereits vor dem Derby gegen den Hamburger SV außerhalb des Millerntor-Stadions ab. Sie hatten den richtigen Instinkt und nach den intensiven 90 Minuten im Zweitliga-Duell allen Grund, die zweite Runde zu zünden - was sie auch ausgiebig taten. Es gab kleinere Verstöße gegen die Corona-Regeln, doch die Polizei ließ die Anhänger nach Abpfiff zwei Stunden lang feiern.

Daniel-Kofi Kyereh hatte mit seinem Traumtor in der 88. Minute für den 1:0-Sieg und kollektive Euphorie beim Kiezclub gesorgt. Wieder ist der FC St. Pauli "Stadtmeister" in Hamburg "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich kann es selber noch nicht ganz fassen und ich bin überglücklich", sagte der Stürmer nach "dem schönsten Tor meiner Karriere".

Trainer Schultz: "Wir hatten den Lucky Punch"

Etwas glücklich war der Sieg gegen den Nachbarn, der auf Platz vier abrutschte, aber keinesfalls unverdient. "Hinten raus hatten wir den Lucky Punch. Ich glaube, den haben wir uns erarbeitet", analysierte Trainer Timo Schultz.

Der einstige Angstgegner HSV ist in den vergangenen Jahren fast zu einem Lieblingsgegner der Braun-Weißen geworden. Die Bilanz der jüngsten vier Derbys: drei Siege und ein Remis. "Wir haben vor dem Spiel viele Nachrichten von Fans bekommen und für sie ist absolut geil, dass wir den Derbysieg wiederholen konnten", freute sich Kapitän Philipp Ziereis.

Winter-Neuzugänge sorgen für einen Leistungssprung

Noch erfreulicher für die zahlreichen Anhänger ist indes, dass der FC St. Pauli nach der Winterpause einen Aufschwung erlebt, den wohl die kühnsten Optimisten nicht erwartet hätten: Dank der Neuverpflichtungen und der Genesung von Stürmer Guido Burgstaller sind die Hamburger von einem bemitleidenswerten Abstiegskandidaten zu einem Team geworden, das sich fußballerisch in dieser Liga vor niemanden verstecken muss und nun die Rückrunden-Tabelle anführt.

Hätte St. Pauli nicht zwölf, sondern lediglich fünf oder sechs Zähler Rückstand auf Rang drei, müsste man das Schultz-Team in der aktuellen Form sogar als Geheimtipp für den Aufstieg auf dem Zettel haben. Auch der Coach hat in den vergangenen Wochen an Profil gewonnen. Sein System mit einer Mittelfeldraute und zwei Stürmern funktioniert: Der Tabellen-Elfte spielt zurzeit attraktiven und erfolgreichen Fußball.

Marmoush und Zalazar sind wohl nicht zu halten

Die - dann doch bittere - Wahrheit ist allerdings: Diese eigentlich zukunftsträchtige Mannschaft hat wohl keine Zukunft. Die herausragenden Omar Marmoush (vom VfL Wolfsburg) und Rodrigo Zalazar (von Eintracht Frankfurt) sind lediglich bis zum Saisonende ausgeliehen und dürften nicht zu halten sein. Gleiches gilt für den zuletzt immer besser werdenden Keeper Dejan Stojanovic (FC Middlesbrough).

Im Personal-Puzzle werden also vor der kommenden Saison wieder einige Teile fehlen. Ob der Leihspieler-Weg der richtige ist, muss die Vereinsführung um Präsident Oke Göttlich, Sportchef Andreas Bornemann und Schultz entscheiden. Ein wenig mehr Kontinuität würde dem Club allerdings guttun. Denn mittelfristig sollte das Ziel nicht nur sein, Derbys in der Zweiten Liga gegen den HSV zu gewinnen, sondern eine Mannschaft zu formen, die eine Chance auf den Bundesliga-Aufstieg hat.

Dieses Thema im Programm:
Hamburg Journal | 02.03.2021 | 19:30 Uhr

NDR | Stand: 02.03.2021, 16:37

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