2. Bundesliga - Nach dem Handspiel bleibt Verwirrung

Uwe Neuhaus (l.), Jos Luhukay

Videobeweis nach Handspiel im Montagsspiel der zweiten Liga

2. Bundesliga - Nach dem Handspiel bleibt Verwirrung

Elfmeter oder nicht? Ein vermeintliches Handspiel sorgt für Diskussionsstoff bei der Zweitligapartie Bielefeld gegen St. Pauli.

Kaum ist der Videobeweis in der zweiten Liga eingeführt, hat er auch schon für erhebliche Diskussionen gesorgt. Im Montagsspiel (29.07.2019) zwischen Arminia Bielefeld und dem FC St. Pauli lief die 73. Minute, als Hamburgs Verteidiger Daniel Buballa der Ball im eigenen Strafraum an die Hand sprang.

Handspiel, Pfiff, Elfmeter. Klare Entscheidung? Denkste!

Schiedsrichter Bastain Dankert pfiff und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Klarer Fall? Denkste. Denn es meldete sich der Videoassistent aus Köln und bat um Überprüfung der Szene. Und tatsächlich: Nachdem Dankert sich die Szene noch einmal am Videomonitor angesehen hatte, nahm er seine Entscheidung zurück. Und erklärte nach dem Spiel: "Bei Überprüfung der Szene konnte ich erkennen, dass der Ball vom Bein des Spielers an dessen Hand gesprungen war. Und laut der neuen Regel 12 ist das kein Strafstoß mehr."

Tatsächlich heißt es in der besagten Regel 12 jetzt neu: "Spieler spielt den Ball mit anderem Körperteil, danach springt der Ball an die Hand = nicht strafbar." Dies wurde zwar auch in der vergangenen Saison schon so gehandhabt, steht nun aber auch ausdrücklich in den Regeln.

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Arminia-Stürmer Klos: "Entscheidung ist unbegreiflich"

Eindeutig eigentlich, dennoch stand vielen der Beteiligten angesichts der Szene ein Fragezeichen in den Augen. "Diese Entscheidung ist unbegreiflich. Wenn der Videobeweis so genutzt wird, ist er sinnlos“, zürnte Arminias Stürmer Fabian Klos nach der Partie. Er berichtete: "In der Regelschulung vor der Saison wurde uns klar erklärt, dass genau solche Szenen mit Elfmeter zu ahnden sind."

Hat Klos da bei der Schulung etwas falsch verstanden? St. Paulis Kapitän Christopher Avevor jedenfalls meinte: "Uns wurde in der Belehrung vor der Saison ganz klar gesagt, dass es kein Elfmeter ist, wenn man sich den Ball selbst mit einem anderen Körperteil an die Hand schießt."

Buballa: "Für mich war klar, dass es kein Elfer ist"

Sportschau 29.07.2019 02:07 Min. Verfügbar bis 29.07.2020 Das Erste

Regeländerung zum Handspiel betrifft nur die Offensive

Möglicherweise entstand die Verwirrung aus einer anderen Regeländerung zur neuen Saison. Nach der wird auch unabsichtliches Handspiel teilweise strafbar. Aber nur dann, wenn aus einem solchen Handspiel eine Torchance oder sogar ein Tor entsteht - ein sogenannter "klarer Vorteil". Diese Regel betrifft allerdings ausschließlich die Offensive.

Luhukay: "Sage zum Thema Handspiel lieber nichts mehr"

Fragwürdig war in besagter Szene in jedem Fall das Eingreifen des Videoschiedsrichters, der die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters angriff. Denn die Beurteilung derartiger Handspiel-Situationen bleibt natürlich immer auch Auslegungssache. Ging die Hand des Spielers zum Ball? Hat sich der Spieler mit Absicht an die eigene Hand geschossen? Eindeutig ist das selten.

Sicher ist, dass die Handspiel-Situationen in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder Thema sein werden. Und viele der Protagonisten halten sich in der Beurteilung mittlerweile lieber zurück. Arminia Bielefeld wollte die Szene auf Anfrage von sportschau.de am Dienstagmorgen nicht weiter kommentieren, "weil man als Verein vorsichtig sein muss mit dem was man sagt", wie Sprecher Daniel Mucha erklärte.

Und auch St. Paulis Trainer Jos Luhukay fühlte sich auf glattem Eis: "Ich sage zu dem Thema Handspiel öffentlich lieber nichts mehr, weil da im Moment ja kaum noch jemand durchblickt."

Die Sportschau in 100 Sekunden Sportschau 29.07.2019 01:45 Min. Verfügbar bis 30.07.2020 Das Erste

Stand: 30.07.2019, 09:20

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