Fortunas Suche nach Konstanz

Uwe Rösler (M) und Mannschaft von Fourtuna Düsseldorf

2. Bundesliga

Fortunas Suche nach Konstanz

Von Matthias Esch

Fortuna Düsseldorf wurde in den vergangenen Jahren seinem Ruf als "launische Diva" mehr und mehr gerecht. Sportlich ging es immer wieder Auf und Ab. Aber vor allem abseits des Platzes kam die Fortuna einfach nicht zur Ruhe. Das lag unter anderem an der außergewöhnlichen Transfer-Bilanz des Vereins.

19 Spieler hat die Fortuna in der aktuell laufenden Transferphase bereits abgegeben*. Was auffallend viel klingt, war in Düsseldorf zuletzt Alltag. In den vergangenen Jahren tauschte der Verein in der Sommer-Transferperiode regelmäßig einen Großteil des Kaders aus - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Alleine vor der Saison 2018/19 holte die Fortuna 17 Spieler und gab 19 Spieler ab. Das lag auch an den vielen Leihgeschäften. Dadurch sparte der Verein zwar Geld. Nutzte ein Spieler seine Leihe sehr gut, konnte er wiederum nicht gehalten werden. Jüngstes Beispiel aus der vergangenen Saison war Erik Thommy, der jetzt zum VfB Stuttgart zurückkehrte.

Kritik an Pfannenstiels Transferpolitik

Doch nicht nur die Spieler waren in Düsseldorf zuletzt so wechselfreudig wie das Wetter. Auch in der sportlichen Leitung gab es bei der Fortuna keinerlei Konstanz. Jüngstes Beispiel: Lutz Pfannenstiel. Mitte Dezember 2018 wechselte der gebürtige Bayer an den Rhein und wurde dort Sportdirektor. Im Frühjahr 2020 war dann schon klar, dass Pfannenstiel den Verein wieder verlässt. Der Grund dafür war ungewöhnlich: Den F95-Anhängern passte die Transferphilosophie des ehemaligen Torwarts gar nicht.

Prominentestes Beispiel dafür war David Kownacki. Pfannenstiel lieh den polnischen Stürmer erst von Sampdoria Genau aus und verpflichtete ihn dann schließlich Ende 2019 für rund sieben Millionen Euro – Fortunas Rekordtransfer. Kownacki spielte aber nicht wie vorgesehen im Sturmzentrum, sondern oft auf dem linken Flügel. Dort war er rekordverdächtig torungefährlich und traf in 32 Pflichtspielen für Düsseldorf bislang ganze vier Mal. Weitere Pfannenstiel-Transfers schlugen nicht ein. Seine Familie und er wurden von einigen "Fans" derartig unter der Gürtellinie angegangen, beleidigt und bedroht, dass er nur noch wegwollte. Er floh in die USA nach St. Louis.

Abstieg und Umbruch

Am 34. Spieltag der vergangenen Saison verlor die Fortuna auf desaströse Art und Weise beim bereits geretteten 1. FC Union Berlin mit 0:3. Sie bescherte sich damit selbst einen der unnötigsten Bundesliga-Abstiege aller Zeiten. Fortunas bisheriger Scout Uwe Klein wusste zu diesem Zeitpunkt schon, dass er Pfannenstiels Nachfolger wird und den neuen Kader der Fortuna planen soll. Genauso wusste er zu diesem Zeitpunkt, dass nach diesem letzten Spieltag 17 Verträge zum Saisonende auslaufen!

Klein stand wahrlich vor einer Mammut-Aufgabe. In der jetzigen Sommerpause holte er unter anderem Spieler mit Erfahrung wie Edgar Prib und Florian Hartherz. Zwei Transfers, die Sinn ergeben, da der bisherige Kapitän Oliver Fink aufhörte und Leistungsträger Kaan Ayhan den Verein verließ. Beide Neuzugänge müssen aber in große Fußstapfen treten und bislang gab es bei der Fortuna nur drei weitere Neuverpflichtungen.

Dazu wurden drei Jugendspieler befördert. Mit Emmanuel Iyoha und Gökhan Gül kehrten dann noch zwei Spieler zurück, die ausgeliehen waren. Iyoha sammelte in dieser Zeit bei Holstein Kiel und Erzgebirge Aue viel Zweitliga-Erfahrung. Gökhan Gül kam bei Wiesbaden dagegen eher selten zum Einsatz.

Corona-Infektionen sorgen für Unruhe

Mitten in dieser Umbruchsphase infizierten sich mutmaßlich zwei Fortuna-Spieler auch noch mit dem Corona-Virus. Die Trainings- und Testspielphase musste unterbrochen werden. Trainer Uwe Rösler, der auch nicht gerade einen leichten Stand in Düsseldorf hat, sprach von der "ungewöhnlichsten Vorbereitung", die er je erlebt hat.

Offene Fragen und ungewisse Zukunfstperspektive

Angekommen im Hier und Jetzt und kurz vor dem schweren DFB-Pokal-Auftakt gegen Ingolstadt müssen sich die Verantwortlichen die Frage stellen: Wohin soll es eigentlich gehen mit der Fortuna? In der neuen Saison müsste sie trotz aller Widrigkeiten eigentlich um den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga mitspielen. Aber selbst, wenn das gelingt, was kommt dann? Wird sie eine dauerhafte "Fahrstuhlmannschaft"? Das kann schön sein, geht aber auf Dauer ans Nervenkostüm. Etabliert sich die Fortuna doch in der Bundesliga? Oder gehört sie sogar dauerhaft nur in die 2. Liga? Dem Anspruch vieler Fortuna-Fans würde das mit Sicherheit nicht genügen. Noch können diese Fragen nicht endgültig beantwortet werden. Schon jetzt ist aber klar: Fortunas eigentliches Ziel kann eigentlich nur eines sein, nämlich Konstanz.

*  (Stand 09. September 2020 / darunter vier Spieler, die nun für Fortuna II im Einsatz sind)

Stand: 09.09.2020, 15:50

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