Voller Tücken: Wiederaufstieg in die Bundesliga

Michael Wiesinger, Interimstrainer des 1. FC Nürnberg

2. Bundesliga

Voller Tücken: Wiederaufstieg in die Bundesliga

Von Frank Menke

Bundesliga-Absteiger gehören traditionell zu den Favoriten in der 2. Liga, wenn es um den Aufstieg geht. Doch Beispiele wie das des 1. FC Nürnberg und des Relegationsgegners FC Ingolstadt zeigen, dass der direkte Wiederaufstieg eine ziemlich tückische Angelegenheit sein kann.

Es ist "nur" eine Liga tiefer, aber offensichtlich eine andere Fußballwelt: die 2. Liga. Bundesliga-Absteiger wie der 1. FC Nürnberg tun sich dort trotz ihrer Favoritenstellung oft schwer, den Wiederaufstieg in die Bundesliga zu verwirklichen. Das hat verschiedene Ursachen: wegbrechende Fernsehgelder, mit dem Abstieg einhergehende Umbrüche der Kader oder Schwierigkeiten bei der Umstellung auf die robustere Spielweise im Fußball-Unterhaus. Die Sportschau zeigt Beispiele.

1. FC Nürnberg: Absturz statt Wiederaufstieg

Gemeinsam mit Arminia Bielefeld ist der 1. FC Nürnberg Bundesliga-Rekordaufsteiger. Beiden Vereinen gelang das acht Mal. Während die Ostwestfalen gerade in die Eliteklasse zurückgekehrt sind, musste der "Club" nach dem neunten Bundesliga-Abstieg im vergangenen Jahr in der 2. Liga ganz kleine Brötchen backen. Zwar hatten die Verantwortlichen den direkten Wiederaufstieg nicht als "Muss" ausgegeben, doch an eine Talfahrt in Richtung 3. Liga hatte wohl auch niemand gedacht.

Am Samstag (11.07.2020) geht es zum Relegationsrückspiel beim FC Ingolstadt. Nach dem 2:0 im Hinspiel haben die "Clubberer" immerhin gute Karten, wenigstens die 2. Liga zu halten und die Saison so gerade noch zu retten.

FC Ingolstadt 04: Erst Traum, dann Trauma

Ingolstadts Roger (l.) feiert ein Tor

Bundesliga-Zeiten: Ingolstadts Roger (l.) feiert ein Tor

Im Mai 2015 wurde er wahr, der Traum des FC Ingolstadt 04. Erstmals stiegen die "Schanzer" in die Bundesliga auf. Zwei Jahre hielten sich die Oberbayern in der Eliteklasse und hinterließen durchaus Spuren. So war der FCI der erste Aufsteiger in der Bundesliga-Geschichte, der drei Auswärtspartien in Folge gewinnen konnte. 2017 endete das Abenteuer Bundesliga mit dem Abstieg in die 2. Liga.

Der Wiederaufstieg wäre allerdings reines Wunschdenken gewesen. Die "Schanzer" spielten zunächst eine unauffällige Zweitliga-Saison, die auf dem neunten Platz endete. In der Spielzeit darauf ging es abwärts, Ingolstadt landete auf dem Abstiegs-Relegationsplatz. In einem dramatischen Relegations-Duell mit dem SV Wehen Wiesbaden erlebten die "Schanzer" ein Trauma. Zunächst gewannen sie 2:1 bei den Hessen, verloren das Rückspiel aber daheim 2:3 und landeten wegen der Auswärtstorregel in der Drittklassigkeit. Die könnte am Samstag enden, wenn es dem FCI gelingt, das 0:2 aus dem Relegationshinspiel in Nürnberg wettzumachen.

Hamburger SV: Knapp vorbei ist auch daneben

Hamburgs David Kinsombi kniet auf dem Rasen.

Hamburgs David Kinsombi nach dem verpassten Aufstieg

Der Hamburger SV gehörte zur Bundesliga wie der Ball zum Fußballspiel. Doch 2018 erwischte es auch den ewigen "Dino", Hamburg stieg nach 55 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit aus der Bundesliga ab. Mit einer extrem jungen Mannschaft wurde der direkte Wiederaufstieg angepeilt. Durch ein 1:4 am vorletzten Spieltag beim SC Paderborn verspielten die Hamburger noch den Aufstiegs-Relegationsplatz.

Auch mit Trainer Dieter Hecking spielten die Hamburger die aktuelle Saison wenig konstant. Nach dem blamablen 1:5 daheim gegen den SV Sandhausen am letzten Spieltag war erneut selbst der Relegationsplatz dahin. Experten wie NDR-Sportchef Gerd Gottlob prophezeien dem HSV einen längeren Aufenthalt in der 2. Liga.

Hannover 96: Zu viele Nebengeräusche

Hannover 96 musste 2019 zum sechsten Mal den Gang in die 2. Liga antreten. Dreimal war den 96ern der direkte Wiederaufstieg gelungen, in diesem Jahr nicht. Zu keinem Zeitpunkt der Saison waren die Niedersachsen im Aufstiegsrennen drin. Die Probleme liegen nicht nur auf dem Platz. Der Klub gleicht zuweilen einem Pulverfass.

Fan-Proteste gegen Martin Kind

Fan-Proteste gegen Martin Kind

Jahrelang schwelte der Streit zwischen großen Teilen der Fans und dem allmächtigen Klub-Boss Martin Kind, weil der die 50+1-Regel aufweichen und den Verein übernehmen wollte. Auch wenn der seinen Antrag vor knapp einem Jahr zurückgezogen hat, eine Liebesbeziehung zwischen Anhang und Kind wird es nicht mehr geben.

SC Paderborn: Verrücktes Rauf und Runter

Enttäuschte Paderborner

Enttäuschte Paderborner

Ein spezieller Fall ist der aktuelle Bundesliga-Absteiger SC Paderborn. Den Ostwestfalen ist alles zuzutrauen, was die jüngere Vergangenheit eindrucksvoll belegt. 2015 stieg der Klub erstmals aus der Bundesliga ab und wurde bis in die 3. Liga durchgereicht. Auch aus dieser war Paderborn 2017 sportlich abgestiegen, blieb aber drin, weil 1860 München keine Lizenz erhielt. Was folgte, war ein Fußballmärchen, sprich der Durchmarsch zurück in die Bundesliga.

SV Darmstadt 98: Erst Durchmarsch, dann Tristesse

Dirk Schuster als Darmstadt-Trainer

Dirk Schuster als Darmstadt-Trainer

In der Saison 2013/14 setzte der SV Darmstadt 98 zum Durchmarsch aus der 3. Liga in die Bundesliga an. Unter Trainer Dirk Schuster konnte der SV in der Saison 2015/16 zur Überraschung der Experten sogar die Klasse halten. Im Jahr darauf gelang das nicht mehr.

Es folgten zwei Jahre in der 2. Liga, in denen die Darmstädter sich eher nach unten orientieren mussten und die Spielzeiten jeweils auf dem zehnten Platz beendeten. In der abgelaufenen Saison durften die "Lilien" zumindest wieder am Aufstieg schnuppern, wurden am Ende aber nur Fünfter.

Fortuna Düsseldorf: Weg zurück ungewiss

Nach zwei Jahren Bundesliga ist Fortuna Düsseldorf nach der aktuellen Spielzeit wieder einmal in die 2. Liga abgestiegen. Ein direkter Wiederaufstieg wird schwierig, die Mannschaft steht vor einem totalen Umbruch - weshalb die Vereinsführung auch noch kein Saisonziel ausgeben will.

Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel

Düsseldorfs Ex-Trainer Friedhelm Funkel

Wie kompliziert der Wiederaufstieg werden kann, erlebten die Fortunen schon nach dem vorherigen Abstieg 2013. Es folgten fünf Jahre in der 2. Liga. Erst als Friedhelm Funkel 2016 den Posten als Trainer übernahm, konsolidierte sich der Verein sportlich wieder und kehrte 2018 in die Bundesliga zurück. Inzwischen ist aber auch Funkel Vergangenheit: Anfang 2020 trennte sich der Verein von ihm. Nun soll Uwe Rösler die Fortuna in die Bundesliga zurückbringen.

VfB Stuttgart: Auch ohne Konstanz aufgestiegen

Atakan Karazor jubelt mit seinen Mitspielern über seinen Treffer

Jubelnde Stuttgarter

Dem VfB Stuttgart ist in diesem Jahr als Tabellenzweiter der 2. Liga der direkte Wiederaufstieg geglückt. Doch wirklich souverän gelang dies nicht. Die Schwaben leisteten sich immer wieder Aussetzer gegen vermeintlich kleine Gegner, spielten unterm Strich zu inkonstant. Der teure Kader rief viel zu selten sein großes Potenzial ab, auch unter Tim Walters Trainernachfolger Pellegrino Matarazzo. Dass am Ende doch der Aufstieg stand, hatte auch viel damit zu tun, dass sich Konkurrenten wie der HSV noch schwerer taten.

Stand: 10.07.2020, 20:22

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