Dynamo Dresden und die programmierte Wettbewerbsverzerrung

Dynamo Dresden erstmal ausgebremst Morgenmagazin 11.05.2020 01:42 Min. Verfügbar bis 11.05.2021 Das Erste

Coronainfektion: Dresden in Quarantäne

Dynamo Dresden und die programmierte Wettbewerbsverzerrung

Wegen zweier auf das Coronavirus positiv getesteter Spieler findet die Fortsetzung des Spielbetriebs in der zweiten Fußball-Bundesliga vorerst ohne Dynamo Dresden statt. Für den Tabellenletzten ist die Wettbewerbsverzerrung damit programmiert.

Ralf Minge hat es kommen sehen. "Das wird eine Wundertüte", hatte Dynamo Dresdens Sportdirektor im MDR-Interview erklärt, als der Termin für die Fortsetzung der zweiten Fußball-Bundesliga feststand. Dass er damit schon vor dem ersten Anpfiff ins Schwarze getroffen hat, das hätte aber auch Minge wohl nicht gedacht.

Der Klub aus der sächsischen Landeshauptstadt sollte am Sonntag (17.05.2020) eigentlich bei Hannover 96 antreten. Das fällt jetzt aus. Nach zwei positiv auf den Covid-19-Erreger getesteten Spielern muss das gesamte Team samt Trainern und Betreuern jetzt in eine zweiwöchige Quarantäne. Auch das Mannschaftstraining fällt in dieser Zeit aus. Entschieden hat das das örtliche Gesundheitsamt.

DFL bleibt gelassen

DFL-Chef Christian Seifert bleibt gelassen. "Wenn Dresden 14 Tage in Quarantäne geht, ist das kein Grund, die gesamte Saison infrage zu stellen. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir uns auf solche Fälle einstellen müssen. Wir machen uns nächste Woche Gedanken, wie wir mit den Spielen von Dynamo Dresden umgehen", sagte er im "Aktuellen Sportstudio".

Den Zeitplan, so Seifert, bringe das nicht ins Wanken. "Aktuell nicht", sagte der 51-Jährige. "Wir ändern jetzt nicht das Ziel, sondern den Plan", sagte Seifert. Es gäbe noch Puffer, um Spiele nachzuholen. Am 28. Juni soll die Saison beendet sein.

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Zwei Dynamo-Spiele fallen aus - mindestens

Klar ist, dass auch Dynamos nächstes Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth (23./24. Mai) nicht angepfiffen wird. Doch auch Spiel Nummer drei in Bielefeld wankt. Denn das ist in einer englischen Woche für den 26. oder 27. Mai terminiert. Die Dresdener werden aber mindestens eine komplette Trainingswoche vor ihrem Wiedereinstig brauchen, was schon sehr wenig ist. Der wäre dann erst am 30. oder 31. Mai daheim gegen den VfB Stuttgart. "Natürlich hätten wir uns ein oder zwei Wochen mehr an Mannschaftstraining gewünscht", hatte Minge schon vor den beiden positiven Tests gesagt: "Auch im Sinne der Gleichbehandlung."

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Rückschlag im Abstiegskampf

Falls drei Dynamo-Partien verlegt werden müssen, hätte das Team bis Ende Juni praktisch nur noch englische Wochen und damit Spiele im Drei-Tages-Rhythmus. Das ist hochproblematisch, denn Dresden ist Tabellenletzter der zweiten Bundesliga. Damit ist der Rest der Saison für die Sachsen nicht nur eine Wundertüte, sondern hat vielmehr mit Wettbewerbsverzerrung zu tun. Auch psychologisch könnte es schwierig werden für das Team. Jetzt beträgt der Rückstand auf den 16., den SV Wehen Wiesbaden, nur einen Punkt. Nach drei Spieltagen mit Dresdener Zwangspause könnte der Rückstand erheblich sein. Ob das Team dann mental in der Lage ist, nochmal ranzukommen, ist fraglich.

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Anfang vom Ende des Re-Starts?

Und natürlich könnte der Fall Dresden der Anfang vom Ende des Re-Starts sein. Die Entscheidung der Behörden könnte als Blaupause für kommende Fälle in anderen Klubs gelten. Das weiß auch Seifert. Jeder weitere positive Test könnte die Fortführung des Spielbetriebs gefährden, falls die gesamte Mannschaft anschließend in Quarantäne muss. Noch sieht Seifert auch da kein Problem. Es sei hypothetisch, über mögliche weitere Fälle zu reden. Doch Seifert gibt zu: "Es gibt eine Größe, da ist es nicht mehr machbar. Das hängt immer davon ab, wie viel Zeit man noch hätte, um die Saison zu Ende zu spielen."

vdv, sid, dpa | Stand: 11.05.2020, 08:40

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