Dresden vor dem Abstieg - Löwe lässt Frust ab

Chris Löwe von Dynamo Dresden übt Kritik an der DFL.

Dynamo verliert in Kiel

Dresden vor dem Abstieg - Löwe lässt Frust ab

Von Chaled Nahar

Dynamo Dresden steht vor dem Abstieg in die 3. Liga und Chris Löwe kritisiert die DFL hart für die Spielplangestaltung. Denn Dresden erlebt keinen normalen Abstieg.

Das 0:2 bei Holstein Kiel am Donnerstag (18.06.2020) lässt Dynamo Dresden kaum noch Hoffnung. Bei noch zwei ausstehenden Spielen beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz inklusive schlechter Tordifferenz fünf Punkte. Nach vier Saisons in der 2. Bundesliga geht es also wohl wieder runter. Doch das ist kein normaler Abstieg für Dynamo Dresden.

Löwe übt Kritik an der DFL

Denn als die meisten anderen Teams Ende Mai nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs schon drei komplette Geisterspieltage hinter sich hatten, war Dresden noch immer nicht im Einsatz. Positive Coronatests hatten zu einer zweiwöchigen Quarantäne der gesamten Mannschaft geführt, die das Gesundheitsamt verhängte.

Erst am 31. Mai stieg Dresden in den regulären Spielbetrieb ein, er begann mit einem 0:2 gegen Stuttgart. Sieben Spiele in 19 Tagen absolvierte Dresden zuletzt, um insgesamt drei ausgefallene Partien nachzuholen. "Wir reißen uns alle drei Tage den Arsch auf und baden das aus", schimpfte Dresdens Spieler Chris Löwe bei Sky über den für Dresden nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs besonders engen Spielplan.

Mit Blick auf die DFL sagte er: "Glauben Sie ehrlich, dass einer von denen in der DFL, Christan Seifert (Geschäftsfüher, d. Red.) oder wer auch immer, sich eine einzige Sekunde Gedanken macht, was bei uns in den Köpfen vorgeht? Das ist denen alles scheißegal. Wir sind am Ende die, die den Preis bezahlen für den ganzen Scheiß. Diese Leute sitzen in ihren 5000 Euro teuren Bürostühlen und entscheiden über unsere Köpfe hinweg." Eine aktuelle Reaktion der DFL auf Löwes Worte lag am Donnerstagabend noch nicht vor.

Dresden gegen besser ausgeruhte Teams

Dynamo Dresden ist bis zum Saisonende eines von 36 Mitgliedern der DFL. Der Ligaverband hatte mit viel Lobbyismus in der Politik und einem Hygienekonzept dem Profifußball in Deutschland eine Rückkehr auf den Platz ermöglicht. Als Mitte Mai die positiven Tests in Dresden bestätigt wurden, begann allerdings zugleich eine Diskussion um die Fairness des Wettbewerbs.

Dresdens Terrazzino: "Es ist einfach frustrierend"

Sportschau 18.06.2020 00:40 Min. Verfügbar bis 18.06.2021 ARD Von Fabian Wittke

"Wenn Dresden 14 Tage in Quarantäne geht, ist das kein Grund, die gesamte Saison infrage zu stellen. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir uns auf solche Fälle einstellen müssen", sagte DFL-Chef Seifert damals im "Aktuellen Sportstudio". Den Zeitplan, so Seifert, bringe das nicht ins Wanken. "Aktuell nicht", sagte der 51-Jährige. Der Zeitplan wurde bis heute eingehalten.

Und Dresden, das in seinem harten Rhythmus im Saisonfinale meist auf besser erholte Teams traf, steigt wohl ab. Dynamos Trainer Markus Kauczinski sagte nach der Niederlage bei Holstein Kiel im Kicker: "Man sieht, dass wir nicht mehr können." Löwe kritisiert eine mögliche Ungleichbehandlung: "Eine Frage die noch nie gestellt worden ist: Wäre das selbe mit Bayern München oder Borussia Dortmund passiert? Oder nur mit uns?"

Seifert: "Es war völlig klar, dass das passieren konnte"

Sportschau 10.05.2020 02:01 Min. Verfügbar bis 10.05.2021 ARD

Dresden schon vor der Unterbrechung Tabellenletzter

Was hätte die DFL besser machen können? Die Saison zumindest in der 2. Bundesliga weiter nach hinten strecken? Der 30. Juni, der in so vielen Verträgen des Profifußballs als Stichtag das große Hindernis war, könnte dagegen gesprochen haben.

Schuldlos ist der Klub zwar am engen Spielplan, an der sportlichen Situation jedoch nicht. Tabellenletzter war die Mannschaft auch vor der Saisonunterbrechung.

Stand: 18.06.2020, 23:59

Darstellung: