Die Auferstehung des SC Paderborn

Uwe Hünemeier und sein Paderborner Team feiern den Aufstieg in die Bundesliga

Bundesliga-Aufstieg

Die Auferstehung des SC Paderborn

Die Stadt an der Pader feiert ein zweites Fußball-Wunder: Nach einem Fast-Abstieg in die Regionalliga ist der SC Paderborn ein zweites Mal erstklassig. Nun wollen die Ostwestfalen die Fehler der Vergangenheit vermeiden.

Am Ende eines bewegenden Tages versagte Steffen Baumgart die Stimme. Zu aufgewühlt wirkte der Trainer des SC Paderborn, um nach dem Sensationsaufstieg die richtigen Worte zu finden.

"Das ist einfach geil, am Ende war es zwar noch einmal richtig eng, aber die Jungs haben zwei Jahre gut gearbeitet und das einfach verdient", sagte der 47-Jährige nach der folgenlosen 1:3-Niederlage bei Dynamo Dresden. "Ich hasse zwar Niederlagen, aber heute ist mir das scheißegal. Ich bin erstmal froh, dass die Saison vorbei ist", sagte Baumgart.

Krösche zieht es wohl nach Leipzig

Auch das "Westfalen-Blatt" erinnert an das Fußball-Märchen vor fünf Jahren und hält die Parallen von damals und heute fest: "Einer der ungewöhnlichsten Aufstiege in der Bundesliga-Historie. Paderborn, Inbegriff für tiefste Provinz, machte 2014 einen Riesenschritt raus aus dem Kleinbürgertum. Mit Ostwestfalen verband man plötzlich nicht nur Dr. Oetker, Miele, Melitta oder Benteler, sondern auch den SC Paderborn."

Nun ist derselbe Klub wieder in der Beletage vertreten. Es ist eine zweite Chance, die nicht zwingend einfacher wird: Mit Sportdirektor Markus Krösche, ehemaliger SCP-Profi, droht einer der Baumeister bereits in diesem Sommer wieder abzuspringen, um bei RB Leipzig als Sportdirektor einzusteigen. Das wäre ein immenser Verlust. Die jungen, flinken Spieler, die wie eine Boygroup durch die Liga stürmten, hat größtenteils er entdeckt.

Naturgemäß der erste Abstiegskandidat

"Wir sind sowieso der erste Absteiger jetzt", sagte Baumgart trocken - fügte aber auch sofort an: "Wir gehen nicht hin, um zu sagen, wir gehen wieder runter. Wir werden fighten." Denn in der am Sonntag beendeten Zweitligasaison zeigte das Team unter dem gebürtigen Rostocker herzerfrischenden Offensivfußball.

Nach der Rückkehr in die Erstklassigkeit soll es ähnliche Niedergänge wie nach dem Abstieg 2015 nicht wieder geben. "Wir kriegen jetzt ganz andere Möglichkeiten als in der zweiten Liga", sagte Präsident Elmar Volkmann. Damit werde man vernünftig umgehen. "Sportlich weiß man es nie genau, aber alles andere werden wir sauber im Griff haben", sagte Volkmann.

Effenberg gab nur ein kurzes Gastspiel

Mehr als 20 Jahre hatte der Unternehmer Wilfried Finke den Verein geführt, der zur Jahresanfang im Alter von 67 Jahren verstarb. Finkes Konterfei hängt noch in einer Ecke des Stadions. In die Amtszeit des Möbel-Millionärs, der im Juli 2018 bereits zurückgetreten war, fiel die Verpflichtung von Stefan Effenberg.

Finke wollte sich den Traum erfüllen, den ganz großen Fußball mit einem prominenten Namen in die Provinz zu holen. Doch dem einstigen Ausnahmespieler fiel die fehlende Trainererfahrung auf die Füße. "Effe" konnte den Absturz in die Drittklassigkeit nicht vermeiden.

2017 fast viertklassig

Vor zwei Jahren kam es noch schlimmer: Als Tabellen-18. stand 2017 der dritte sportliche Abstieg in Serie eigentlich fest und wurde nur durch den Lizenzentzug für 1860 München verhindert. Dem Fast-Absturz in die Viertklassigkeit folgt ein ungeahnter Aufschwung.

Im März 2017 kam der ehemalige Paderborner Profi Krösche als Sport-Geschäftsführer, rund einen Monat später heuerte der gebürtige Rostocker Baumgart als Trainer an - und am Ende kehrte der SCP als Tabellenzweiter hinter dem 1. FC Magdeburg in die zweite Liga zurück. Niemand sollte in diesem Moment glauben, dass ein Jahr darauf gleich die nächste Feier folgen würde.

Live-Reportage - die Höhepunkte des Aufstiegszweikampfes

Sportschau 19.05.2019 01:59 Min. ARD

dpa, sid, red | Stand: 20.05.2019, 11:07

2. Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.1. FC Köln3463
2.SC Paderborn 073457
3.Union Berlin3457
4.Hamburger SV3456
5.1. FC Heidenheim3455
 ...  
16.FC Ingolstadt 043435
17.1. FC Magdeburg3431
18.MSV Duisburg3428
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