Lucas Hernández - seine Stärken, seine Schwächen

Frankreichs Abwehrspieler Lucas Hernández küsst WM-Pokal

Weltmeister auf dem Prüfstand

Lucas Hernández - seine Stärken, seine Schwächen

Von Frank Hellmann

Der französische Weltmeister Lucas Hernández bringt eine interessante Vita zum FC Bayern München. Seine Ausbildung hat der 23-Jährige in Spanien genossen. Er ist dabei zu einem vielseitigen Spieler geworden.

Natürlich gibt es vom WM-Finale eine ganze Palette von Bildern, in denen Lucas Hernández den goldenen Pokal küsst. Damals im Luschniki-Stadion von Moskau, als pünktlich zur Siegerehrung der große Regen einsetzte, durfte ja jeder einmal mit dem Objekt der Begierde allein sein. Doch hat die Weltöffentlichkeit wirklich wahrgenommen, wer bei der Équipe Tricolore fast das ganze Turnier über als Linksverteidiger gesetzt war? Eher nicht.

Was Benedikt Höwedes beim WM-Triumph der deutschen Nationalmannschaft vier Jahre zuvor in Brasilien war, gab Hernández auf seine Art beim französischen Team: die Überraschung links hinten. Nun hat sich der FC Bayern die Dienste des Abwehrspielers von Atletico Madrid gesichert, für 80 Millionen Euro. Das ist der mit Abstand teuerste Transfer der Bundesliga.

Die fünf teuersten Einkäufe der Bundesliga

Der FC Bayern überweist 80 Millionen Euro für Lucas Hernández an Atlético Madrid. So viel hat noch kein Bundesligist für einen Fußballer ausgegeben. Bei den teuersten fünf Neuverpflichtungen der Bundesliga-Geschichte war der FC Bayern aber immer mit von der Partie.

Lucas Hernandez

80 Millionen Euro: Diese Rekord-Ablöse bezahlt der FC Bayern für den französischen Verteidiger Lucas Hernández. Der 23-Jährige erhält einen Fünfjahresvertrag bis zum 30. Juni 2024. "Ich bin sehr glücklich, dass wir in Lucas Hernández einen der besten Defensivspieler der Welt und Weltmeister verpflichten konnten“, sagte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Andere Ablösesummen in dieser Liste sind teilweise geschätzt oder können sich durch Zusatzvereinbarungen nachträglich erhöhen.

80 Millionen Euro: Diese Rekord-Ablöse bezahlt der FC Bayern für den französischen Verteidiger Lucas Hernández. Der 23-Jährige erhält einen Fünfjahresvertrag bis zum 30. Juni 2024. "Ich bin sehr glücklich, dass wir in Lucas Hernández einen der besten Defensivspieler der Welt und Weltmeister verpflichten konnten“, sagte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Andere Ablösesummen in dieser Liste sind teilweise geschätzt oder können sich durch Zusatzvereinbarungen nachträglich erhöhen.

41,5 Millionen Euro: Bisher war Hernandez' Landsmann Corentin Tolisso der teuerste Einkauf in der Bundesliga gewesen. Olympique Lyon lässt Tolisso zur Spielzeit 2017/18 im Transferpoker zum FC Bayern München ziehen.

40 Millionen Euro: 2012 wechselt der Spanier Javi Martínez zu Bayern München. Bis zu Tolissos Transfer war dies der teuerste Einkauf eines Bundesligisten gewesen. Er kam von Athletic Bilbao.

38 Millionen Euro: 2016 verlässt Nationalspieler Mats Hummels Borussia Dortmund und geht zu den Bayern.

37 Millionen Euro: Auch der fünftteuerste Transfer wird zwischen dem BVB und den Münchnern abgeschlossen. 2013 entscheidet sich Mario Götze für den Umzug aus dem Ruhrgebiet in die bayerische Landeshauptstadt. Zur Saison 2016/17 kehrt er wieder nach Dortmund zurück.

Den Stars den Rücken frei halten

Der 23-Jährige, schon seit 2007 bei Atletico, bringt einige gute Argumente für die Verpflichtung mit - Zweikampfstärke, Handlungsschnelligkeit und Geschwindigkeit sind beim 1,80 Meter großen Hernández hervorstechende Eigenschaften.

Er gab eine der Konstanten aus dem Weltmeisterteam, die Artisten wie Antoine Griezmann oder Kylian Mbappé den Rücken frei halten. Dass der Stammspieler erst wenige Länderspiele absolviert hat, liegt darin begründet, dass er noch vor der WM in Russland Ambitionen anmeldete, für Spanien aufzulaufen.

Er spricht besser Spanisch

Atletico Madrids Lucas Hernández in einem Spiel der Primera Division

Atletico Madrids Lucas Hernández in einem Spiel der Primera Division

Der Sohn des ehemalige Atletico-Verteidigers Jean-Francois Hernández ist zwar in Marseille geboren, lebte aber seit dem fünften Lebensjahr in Spanien. Er spricht besser Spanisch als Französisch. Dieses Land, hatte Hernández einmal gesagt, habe ihm alles gegeben. Und so richtete der Spieler vor der WM ein Signal an den damaligen spanischen Nationaltrainer Julen Lopetegui: "Wenn mein spanischer Pass bald da ist, wäre es eine Ehre, für die Nationalmannschaft zu spielen. Ich sehe mich als Spanier."

Kurios: Kurz darauf berief ihn der französische Verband für die WM-Generalproben gegen Kolumbien und Russland. Denn mit Frankreich gab es keine Passprobleme, und Nationaltrainer Didier Deschamps soll seit längerem die Entwicklung von Hernández unter Kollege Diego Simeone verfolgt haben.

Zurückhaltung vor dem Tor

Für Frankreichs auf Seriosität und Verlässlichkeit ausgelegten Matchplan war die Stütze der "Colchoneros" wie gemacht. Deschamps wünschte sich speziell in der Abwehr treue Diener, die nichts anderes im Kopf haben, als die defensive Stabilität zu wahren. Speziell auf den Außenbahnen brauchte der "General" keine Tagträumer, die mit gewagten Ausflügen die Balance in Gefahr bringen.

So kamen Benjamin Pavard (rechts) und Hernández (links) zu ihren Stammplätzen. Ein Ausrufezeichen wie Pavard mit seinem Traumtor im Achtelfinale gegen Argentinien (4:3) - später zum schönsten WM-Tor gewählt - blieb Hernández zwar verwehrt, aber er konnte immerhin für sich in Anspruch nehmen, die Hereingabe für den Volltreffer gegeben zu haben. Ansonsten hält er sich mit Torbeteiligungen vornehm zurück.

FC Bayern verpflichtet verletzten Hernández

Sportschau 28.03.2019 01:07 Min. Verfügbar bis 28.03.2020 ARD

Auf dem Platz ein Krieger

Sollte er bei Bayern die linke Außenbahn besetzen, dann interpretiert er diesen Part fast konträr zum mitstürmenden David Alaba. Aber im Klub spielt er zumeist in der Innenverteidigung, wo er dank seiner Gewissenhaftigkeit das Urgestein Filipe Luís verdrängt hat. Über seine Einstellung sagt er: "Gegen Messi, Suarez oder Neymar zu spielen, das ist ein Kindheitstraum. Aber auf dem Feld gibt es keine Träume. Da ist Krieg."

Eine kämpferische Note kennzeichnet auch sein Privatleben. Mit seiner Freundin Amelia kam es Anfang Februar 2017 zu einem handfesten Streit, den erst die Polizei schlichten konnte. Beide wurden zu 31 Tagen gemeinnütziger Arbeit verdonnert, zwischenzeitlich gab es ein Kontaktverbot. Vier Monate später heiratete das Paar, danach kam Sohn Martin zur Welt.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 28.3., ab 22.50 Uhr

mit dpa, sid | Stand: 28.03.2019, 09:22

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