Lucas Hernández - seine Stärken, seine Schwächen

Frankreichs Abwehrspieler Lucas Hernández küsst WM-Pokal

Weltmeister auf dem Prüfstand

Lucas Hernández - seine Stärken, seine Schwächen

Von Frank Hellmann

Mit einem Transfer von Lucas Hernández zum FC Bayern könnte es ganz schnell gehen. Der französische Weltmeister brächte eine interessante Vita nach München. Seine gesamte Ausbildung hat der 22-Jährige in Spanien genossen. Und er ist vielseitig.

Natürlich gibt es vom WM-Finale eine ganze Palette von Bildern, in denen Lucas Hernández den goldenen Pokal küsst. Damals im Luschniki-Stadion von Moskau, als pünktlich zur Siegerehrung der große Regen einsetzte, durfte ja jeder einmal mit dem Objekt der Begierde allein sein. Doch hat die Weltöffentlichkeit wirklich wahrgenommen, wer bei der Équipe Tricolore fast das ganze Turnier über als Linksverteidiger gesetzt war? Eher nicht.

Was Benedikt Höwedes beim WM-Triumph der deutschen Nationalmannschaft vier Jahre zuvor in Brasilien war, gab Hernández auf seine Art beim französischen Team: die Überraschung links hinten. Nun hat der FC Bayern ein Auge auf den Weltmeister geworfen. Angeblich 80 Millionen Euro soll der Abwehrspieler von Atletico Madrid dank einer Ausstiegsklausel kosten. Das wäre mit Abstand der teuerste Transfer der Bundesliga.

Als Ersatz ist Meré im Visier

Die spanische Zeitung "Marca" berichtet, dass der Mega-Deal bereits im Winter über die Bühne gehen soll. Der 22-Jährige hatte zwar erst im Sommer seinen Vertrag in Madrid verlängert und seit 2007 ist er schon Bestandteil dieses Klubs, aber das zählt heutzutage ja nicht viel.

Laut übereinstimmenden Medienberichten in Spanien ist Atletico bereits auf der Suche nach Ersatz und am spanischen Innenverteidiger Jorge Meré vom Zweitligisten 1. FC Köln interessiert, der bei den "Geißböcken" noch bis 2021 unter Vertrag steht. So könnte auch Köln vom Geldregen in der Causa Hernández profitieren.

Den Stars den Rücken frei halten

Stellt sich unweigerlich die Frage: Ist Bayerns Wunschkandidat für die Verjüngung so viel wert? Auf jeden Fall sind Zweikampfstärke, Handlungsschnelligkeit und Geschwindigkeit beim 1,80 Meter großen Hernández hervorstechende Eigenschaften.

Er gab eine der Konstanten aus dem Weltmeisterteam, die Artisten wie Antoine Griezmann oder Kylian Mbappé den Rücken frei halten. Dass der Stammspieler erst 15 Länderspiele absolviert hat, liegt darin begründet, dass er noch vor der WM in Russland Ambitionen anmeldete, für Spanien aufzulaufen.

Er spricht besser Spanisch

Atletico Madrids Lucas Hernández in einem Spiel der Primera Division

Atletico Madrids Lucas Hernández in einem Spiel der Primera Division

Der Sohn des ehemalige Atletico-Verteidigers Jean-Francois Hernández ist zwar in Marseille geboren, lebte aber ab dem fünften Lebensjahr in Spanien. Er spricht besser Spanisch als Französisch. Dieses Land, hatte Hernández einmal gesagt, habe ihm alles gegeben. Und so richtete der Spieler vor der WM ein Signal an den damaligen spanischen Nationaltrainer Julen Lopetegui: "Wenn mein spanischer Pass bald da ist, wäre es eine Ehre, für die Nationalmannschaft zu spielen. Ich sehe mich als Spanier."

Kurios: Kurz darauf berief ihn der französische Verband für die WM-Generalproben gegen Kolumbien und Russland. Denn mit Frankreich gab es keine Passprobleme, und Nationaltrainer Didier Deschamps soll seit längerem die Entwicklung von Hernández unter Kollege Diego Simeone verfolgt haben.

Zurückhaltung vor dem Tor

Für Frankreichs auf Seriosität und Verlässlichkeit ausgelegten Matchplan war die Stütze der "Colchoneros" wie gemacht. Deschamps wünschte sich speziell in der Abwehr  treue Diener, die nichts anderes im Kopf haben, als die defensive Stabilität zu wahren. Speziell auf den Außenbahnen brauchte der "General" keine Tagträumer, die mit gewagten Ausflügen die Balance in Gefahr bringen.

So kamen Benjamin Pavard (rechts) und Hernández (links) zu ihren Stammplätzen. Ein Ausrufezeichen wie Pavard mit seinem Traumtor im Achtelfinale gegen Argentinien (4:3) - später zum schönsten WM-Tor gewählt - blieb Hernández zwar verwehrt, aber er konnte immerhin für sich in Anspruch nehmen, die Hereingabe für den Volltreffer gegeben zu haben. Ansonsten hält er sich mit Torbeteiligungen vornehm zurück: In seinen 105 Einsätzen für Atletico hat er noch kein Tor erzielt, nur vier Vorlagen stehen in seiner Vita.

Auf dem Platz ein Krieger

Sollte er bei Bayern die linke Außenbahn besetzen, dann interpretiert er diesen Part fast konträr zum mitstürmenden David Alaba. Aber im Klub spielt er zumeist in der Innenverteidigung, wo er dank seiner Gewissenhaftigkeit das Urgestein Filipe Luís verdrängt hat. Über seine Einstellung sagt er: "Gegen Messi, Suarez oder Neymar zu spielen, das ist ein Kindheitstraum. Aber dem Feld gibt es keine Träume. Da ist Krieg."

Eine kämpferische Note kennzeichnet auch sein Privatleben. Mit seiner Freundin Amelia kam es Anfang Februar 2017 zu einem handfesten Streit, den erst die Polizei schlichten konnte. Beide wurden zu 31 Tagen gemeinnütziger Arbeit verdonnert, zwischenzeitlich gab es ein Kontaktverbot. Vier Monate später heiratete das Paar, danach kam Sohn Martin zur Welt. Gut möglich, dass nun bald die gesamte Familie nach München zieht, wo dem Weltmeister angeblich ein Vierjahresvertrag winkt.

mit dpa, sid | Stand: 21.12.2018, 10:09

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