Auf dem Zahnfleisch durch die Adventszeit

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10. Spieltag

Auf dem Zahnfleisch durch die Adventszeit

Von Dorian Aust

Bis Weihnachten ist der Fußball-Terminkalender so voll wie nie zuvor: Zum Durchatmen und Regenerieren bleibt kaum Zeit. Darunter leiden vor allem die international geforderten Teams.

Als am vergangenen Sonntag (29.11.2020) die Ersatzspieler von Bayer 04 Leverkusen auf der Bank Platz nahmen, mussten Sie sich um den Mindestabstand in Corona-Zeiten kaum Gedanken machen. Nur sechs von neun möglichen Reservisten standen im Kader. Nur drei von ihnen waren Feldspieler mit Bundesligaerfahrung.

Regenerationszeit Fehlanzeige

Wie auch viele andere Teams in der Bundesliga gehen die Leverkusener personell auf dem Zahnfleisch. Besonders bei den international spielenden Teams lautet das Motto wohl: irgendwie in die Winterpause retten. Dort warten dann allerdings zwischen der 2. Runde des DFB-Pokals (22./23. Dezember) und dem 14. Bundesliga-Spieltag (2. Januar) auch nur zehn fußballfreie Tage.

Seit Saisonbeginn (18. September) reiht sich praktisch eine englische Woche an die andere. Spieler, die mit ihren Clubs europäisch spielen und mit ihren Nationalmannschaften auf Reisen sind, haben zuletzt neun englische Wochen in Folge absolviert.

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Bis Weihnachten geht es in genau diesem Rhythmus weiter. Bayern und Leverkusen haben bereits erfolgreich die Verlegung ihrer Pokalspiele in den Januar erstritten, um zumindest nicht auch noch am Tag vor Heiligabend spielen zu müssen.

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"Es ist einfach eine enorme Belastung. Am Ende ist der einzelne Spieler der Leidtragende", sagte Bayern-Trainer Hansi Flick nach dem Auswärtsspiel in Stuttgart am vergangenen Wochenende, bei dem er gleich vier Spieler verletzt oder angeschlagen auswechseln musste.

Dass zwei von ihnen unter der Woche in Madrid bereits wieder in der Startelf standen, macht einerseits den zu absolvierenden Drahtseilakt deutlich und andererseits den Mangel an Alternativen.

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Leipzig vor Bayern und Manchester

Der kommende Gegner aus Leipzig war unter der Woche allerdings auch im Einsatz - ohne Schongang: "Jetzt mussten wir wieder 93 Minuten wie gegen Bielefeld oder Frankfurt oder Paris marschieren wie die Bekloppten, und irgendwann wird uns das nachhängen", sagte Trainer Julian Nagelsmann.

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Mit Motivationsproblemen ist beim Duell Erster gegen Zweiter (Bayern München - RB Leipzig, Samstag, 18.30 Uhr) zwar nicht zu rechnen, Nagelsmann sagt aber auch: "Im Laufe der Saison wird es irgendwann auch zäher". Und rund 72 Stunden nach Abpfiff gastiert dann auch schon Manchester United zum Abschluss der Champions-League-Gruppenphase - es geht um alles oder nichts.

Dortmund ohne Haaland

Bei Borussia Dortmund macht vor allem eine Personalie Sorgen: Erling Haaland. Die BVB-Lebensversicherung hat sich einen Muskelfaserriss zugezogen und wird wohl dieses Jahr nicht wieder auf den Fußballplatz zurückkehren. "Das tut weh. Vielleicht hat er zu viel gespielt", vermutete Trainer Lucien Favre.

Ob der in der Nachspielzeit der Champions-League-Partie gegen Lazio vom Spielfeld humpelnde Mats Hummels am Wochenende gegen Eintracht Frankfurt (Samstag 15:30 Uhr) wieder einsatzbereit ist, soll kurzfristig entschieden werden. Definitiv ausfallen wird Thomas Delaney (Rückenblessur). Thomas Meunier (Wadenverletzung) und Emre Can (Fußgelenk) verpassten bereits das Lazio-Spiel, Raphael Guerreiro musste ausgewechselt werden, Jude Bellingham war von Krämpfen geplagt.

BVB-Gegner Frankfurt hat in der noch jungen Saison aufgrund der fehlenden Europapokal-Wochen immerhin sechs Spiele weniger in den Knochen und eine entspannte Personalsituation. Bis auf Ragnar Ache (Sehnenverletzung) kann Adi Hütter aus dem Vollen schöpfen.

Ob Jonas Hofmann (Borussia M'Gladbach), der sich im Länderspiel gegen Tschechien einen Muskelbündelriss zuzog, oder Haaland - bei steigender Belastung häufen sich (Muskel-)Verletzungen, das hat zuletzt auch eine Studie aus England ergeben. Der Sportmediziner und Professor an der Sporthochschule Köln Dr. Hans-Georg Predel bestätigt das: "Wenn man nach einem wirklich intensiven Spiel vollständig wieder regeneriert sein will, braucht das ungefähr eine Woche."

Schalke ist zumindest körperlich erholt, Bayer 04 nicht

In der Realität folgen auf die intensiven Partien aber eher kurze Nächte, weite Reisen und nur zwei bis drei spielfreie Tage. Spieler, die nicht verletzt sind, sind nicht zwangsläufig fit. Peter Bosz konnte es sich beim Europa-League-Spiel am Donnerstag in Nizza zum Beispiel nicht erlauben, die am Wochenende noch krank bzw. verletzt fehlenden Bellarabi und Amiri langsam wieder heranzuführen. Stattdessen spielten sie 90 bzw. 67 Minuten.

Immerhin Patrik Schick konnte nach dem ersten Durchgang geschont werden. Der Tscheche hatte sich am 3. Spieltag eine Muskelverletzung zugezogen und war mehrere Wochen ausgefallen. Über ihn hatte Bosz bereits gesagt, dass er sich schnell wieder verletzen könnte, wenn er zwei Spiele pro Woche machen muss. Am Sonntag gegen Schalke (18 Uhr) wird Schick wohl dennoch spielen.

Stand: 04.12.2020, 12:00

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