Borussen-Duell - Stehaufmännchen Stindl gegen Hüne Haaland

Mönchengladbachs Lars Stindl (L) und Dortmunds Erling Haaland

Die Topspiel-Gegner im Vergleich

Borussen-Duell - Stehaufmännchen Stindl gegen Hüne Haaland

Von Christian Hornung

Nach zwei schweren Verletzungen ist Lars Stindl plötzlich wieder ein großer Trumpf der Gladbacher im Bundesliga-Topspiel am Samstagabend (07.03.2020) gegen Dortmund. Der BVB hält mit Hüne Erling Haaland dagegen und es ist auch das Duell zweier besonderer Trainertypen - ein Vergleich.

Viele torgefährliche Stürmer gegen ein Ausnahme-Duo

Ein Syndesmosebandriss hat Gladbachs Kapitän Stindl die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2018 gekostet. Und als er sich nach fünf Monaten Reha zurück auf den Rasen gekämpft hatte, brach er sich 2019 das Schienbein. Als dann Marco Rose sein Amt bei den "Fohlen" antrat und temporeichen Powerfußball mit aggressivem Pressing als neue Marschroute ausgab, wurde Stindl öffentlich angezählt - denn über Highspeed hatte er sich noch nie definiert. Doch das Stehaufmännchen ist trotz prominenter Konkurrenz mit Alassane Pléa, Marcus Thuram, Breel Embolo, Patrick Herrmann - die allesamt fünf oder mehr Saisontore erzielt haben - sowie Jonas Hofmann als weiterer Alternative plötzlich wieder unverzichtbar. Nach vier Toren in den jüngsten beiden Auswärtsspielen ist Stindl auch gegen den BVB gesetzt. "Lars ist fit und hat einen Lauf - den wollen wir natürlich weiter nutzen", sagt Rose auf die Frage der Sportschau.

Durch die vielen torgefährlichen Angreifer ist Gladbach schwer ausrechenbar, dafür ist das Top-Duo des BVB kaum ganz auszuschalten. Der 1,94 Meter große Sturmbulle Erling Haaland hat in sieben Bundesligaeinsätzen bereits neunmal getroffen. Jadon Sancho spielt mit 14 Treffern und 15 Assists eine Saison, die den BVB zu Recht von einer Ablösesumme unweit der 150-Millionen-Grenze träumen lässt. Bei 66 gegenüber 46 Toren insgesamt spricht der Offensiv-Vergleich deshalb auch eher für Dortmund.

Vor dem Spiel gegen Dortmund: Marco Rose über die Stürmer auf beiden Seiten Sportschau 05.03.2020 01:27 Min. Verfügbar bis 05.03.2021 Das Erste

Gladbach hat den besseren Umschaltspieler

Beim BVB ist (neben Marco Reus) auch Thomas Delaney verletzt, die Schaltzentrale im Mittelfeld bekleiden deshalb weiterhin Axel Witsel und Emre Can. Witsel ist weit entfernt von der Dominanz der Vorsaison, auch deshalb war der Can-Transfer im Winter eine Top-Entscheidung.

Gladbach empfängt Dortmund - trotz Coronavirus

Sportschau 07.03.2020 02:29 Min. Verfügbar bis 07.03.2021 ARD Von Sven Pistor und Ulli Schäfer (WDR)

Den formstärksten Mittelfeldspieler haben aber die Gladbacher: Denis Zakaria ist wie Sancho auf dem Weg zu einem Mega-Transfer in die Premier League - und er ist mit seiner Dynamik der perfekte Athlet füt Roses Umschaltspiel. Dazu hat der Schweizer in dieser Saison auch sein früher oft fehlerhaftes Passspiel perfektioniert, auch sein Stellungsspiel und die vielen Balleroberungen sprechen für ihn.

Nur noch ein Wettbewerb für den VfL

Dass Gladbach in nur noch einem Wettbewerb vertreten ist, hat auch Dortmund mitverschuldet - in der 2. Runde des DFB-Pokals schaltete der BVB höchst glücklich durch zwei späte Tore von Julian Brandt den VfL aus. Während Gladbach dann auch noch in der Europa League frühzeitig den Dienst quittierte, hat die Mannschaft von Lucien Favre Schwerstarbeit zu verrichten: Das Borussen-Duell liegt eingebettet in die Champions-League-Spiele gegen Paris Saint-Germain, nächsten Mittwoch (11.03.20) tritt der BVB zum Rückspiel bei Thomas Tuchels Mannschaft an.

Michael Zorc: "Ganz wichtige Woche für uns" Sportschau 05.03.2020 00:33 Min. Verfügbar bis 05.03.2021 Das Erste

Plan-A-Trainer gegen System-Junkie

Spieler, die jahrelang unter Lucien Favre gearbeitet haben, wie beispielsweise Gladbachs Patrick Herrmann, heben oft eine Stärke des Schweizers hervor: "Es ist überragend, wie Lucien uns immer auf den nächsten Gegner vorbereitet hat. Man hatte das Gefühl, man weiß alles über den." Wenn die Spiele dann aber einmal laufen, tut sich Favre mitunter schwer, von seinem akribisch ausgearbeiteten "Plan A" abzurücken. Er ist ein Taktik-Guru, aber er kann auch sehr zögerlich und voller (Selbst-)Zweifel sein. Das bedeutet: Es muss schon viel passieren, ehe er Grundsätzliches ändert oder ein System umwirft - umso höher ist ihm in dieser Saison die Umstellung auf Dreierkette anzurechnen.

Mönchengladbachs Trainer Marco Rose (links) und Dortmunds Trainer Lucien Favre

Interessantes Duell: Gladbachs Trainer Marco Rose (links) und Dortmunds Trainer Lucien Favre

Mit solchen Umstellungen hat Rose gar kein Problem. Mit so etwas wie Selbstzweifeln beschäftigt er sich nicht, er ist ein Draufgänger, traut seiner Mannschaft und sich richtig viel zu. Systeme handhabt er maximal flexibel, er macht sie weniger vom Erfolg der Vorwoche als davon abhängig, wie er dem nächsten Gegner beikommen will: 4-2-3-1, 4-4-2, 3-4-3 oder 3-5-2, all das hat Gladbach schon unter Rose gespielt. Favre gibt zu: "Das machen sie sehr sehr gut, sie sind nicht leicht auszurechnen."

Besserer Torwart und weniger Gegentore

Dass Gladbach den besseren Torwart hat, steht außer Frage: Weil er gegen Yann Sommer chancenlos ist, hat BVB-Keeper Roman Bürki längst auch in der Schweizer Nationalmannschaft auf "Stand-by" geschaltet. Vor Sommer spielen bei den "Fohlen" DFB-Abwehrchef Matthias Ginter und der Schweizer Nationalverteidiger Nico Elvedi eine sehr stabile Saison, auch wenn es 2020 noch kein Zu-Null-Spiel gab.

Beim BVB war die Abwehr in der Hinrunde lange Zeit das Hauptproblem, doch inzwischen wirkt der Dreierverbund wesentlich stabiler - vor allem, seit Favre den formschwachen Manuel Akanji aus der Startelf genommen hat. Dortmund blieb zuletzt gegen Freiburg, Bremen und Frankfurt ohne Gegentor, hat aber insgesamt immer noch fünf Treffer mehr kassiert als der VfL.

Michael Zorc: "Glaube, dass kein Spielabbruch droht" Sportschau 05.03.2020 00:15 Min. Verfügbar bis 05.03.2021 Das Erste

Stand: 06.03.2020, 07:00

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