Bayern und Dortmund - voller Fokus auf die Meisterschaft

Nach Ausscheiden in der Königsklasse

Bayern und Dortmund - voller Fokus auf die Meisterschaft

Von Robin Tillenburg

Borussia Dortmund und der FC Bayern München sind aus der Champions League ausgeschieden. Oberste Priorität nun: die Meisterschaft. Wie ist die Lage vor den entscheidenden neun Spieltagen?

Bis zu Beginn dieser Woche hatten die Bayern das "Momentum" auf ihrer Seite. Dortmund tat sich in der Rückrunde schwer, der Vorsprung, der Mitte Dezember noch neun Punkte und zwölf Tore betragen hatte, ist seit dem vergangenen Spieltag endgültig verspielt, und die Münchener sind dank der zwei Tore besseren Differenz Tabellenführer.

Zudem war Dortmund auch gegen ein bei weitem nicht überragendes Tottenham Hotspur aus der Königsklasse ausgeschieden und hatte kurz zuvor auch im Pokal gegen Werder Bremen die Segel streichen müssen - die Tendenz ging also deutlich abwärts. Gleichzeitig eilten die Bayern von Sieg zu Sieg, wurden für ihr taktisch diszipliniert erarbeitetes 0:0 gegen den FC Liverpool in der Champions League gefeiert und gingen mit einem 6:0 über den VfL Wolfsburg im Rücken als Bundesligaspitzenreiter ins zweite Duell mit Liverpool.

Wie ist die Stimmung bei den Bayern?

Seit Mittwochabend (13.03.2019) muss man dieses Momentum, von dem im Sport ja gerne gesprochen wird, aber infrage stellen. Das 1:3 im eigenen Stadion gegen die Mannschaft von Ex-Dortmund-Trainer Jürgen Klopp und das damit verbundene Verabschieden aus der Champions League haben in nur etwas mehr als 90 Minuten den gerade erst wieder hergestellten bayrischen Haussegen zumindest wieder in einen wackligen Zustand versetzt. Die Kritik von Stürmerstar Robert Lewandowski an der taktischen Grundausrichtung gegen Liverpool, die der Pole als "zu defensiv, zu tief, zu wenig Risiko" erachtete, lässt Trainer Niko Kovac schlecht aussehen.

Auch der Kolumbianer James Rodriguez, der offensiv gegen Liverpool kaum zu sehen war, wirkte bei seiner Auswechslung zehn Minuten vor dem Ende für den nicht unbedingt offensiveren Renato Sanches nicht wirklich glücklich. Momentaufnahmen, die angesichts des frühesten Scheiterns in der Königsklasse seit acht Jahren verständlich sind und nicht zu hoch gehängt werden sollten? Oder doch ein Zeichen dafür, wie fragil das Gebilde seit dem Umbruch mit Kovac beim Rekordmeister ist?

Wer muss in der Länderspielpause grübeln?

Das nächste Bundesligaspiel der Bayern am Sonntag (17.03.2019) gegen Mainz dürfte einen Fingerzeig darauf geben, wie es um das Gemüt des Rekordmeisters bestellt ist. Siegen die Münchener klar und souveräner als beim relativ knappen 2:1 im Hinspiel können sie mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause gehen und haben danach im SC Freiburg einen auf dem Papier ebenfalls machbaren Gegner. Wenn das Mainz-Spiel mehr Krampf als Gala oder sogar gar nicht gewonnen wird, sind Gewitterwolken programmiert.

Die Dortmunder reisen am Samstag nach Berlin zur Hertha, die ihnen im Hinspiel in letzter Sekunde ein Remis abtrotzte. Nach nur zwei Siegen aus den vergangenen neun Pflichtspielen müssen die Borussen zwingend gewinnen, denn auch hier gilt: So eine Länderspielpause kann sich ziehen und zu Zweifeln führen, wenn man eine Niederlage im Rücken hat. Und dass die jungen Dortmunder teilweise schon ins Grübeln gekommen sind, haben Experten bereits vor Wochen festgestellt und war auch gegen Tottenham vor allem vor dem Tor zu erkennen.

Personal: Keine großen Sorgen

Personell haben beide Teams nur kleinere Sorgen. Dass Dortmunds Axel Witsel am Wochenende gegen die Hertha fehlen wird, ist zwar bitter, aber der Belgier wird dank der Länderspielpause eben voraussichtlich nur diese Partie verpassen. Eine Rückkehr von Lukasz Piszczek dürfte nach der Pause ebenfalls anstehen, Ergänzungsspieler Maximilian Philipp könnte noch etwas länger ausfallen. Kovac könnte im April sogar wieder mit den aktuell noch nicht spielfähigen Corentin Tolisso und Arjen Robben arbeiten und hätte dann - wenn sonst nichts passiert - gar keine Verletzten.

Das Restprogramm: (leichter) Vorteil Bayern

Beide Teams treffen noch auf Mainz, Freiburg, Bremen und Düsseldorf. Neben Bremen und dem direkten Duell sind die "Top"-Gegner der Bayern noch an den letzten beiden Spieltagen RB Leipzig (in Leipzig) und Eintracht Frankfurt (in München). Mit den Spielen gegen Hannover und Nürnberg stehen allerdings auch noch die - Stand jetzt - vermeintlich leichtesten Gegner auf dem Programm.

Das Restprogramm im Titelkampf
Restprogramm DortmundRestprogramm Bayern
Hertha BSC (A)FSV Mainz (H)
VfL Wolfsburg (H)SC Freiburg (A)
Bayern München (A)Borussia Dortmund (H)
FSV Mainz (H)Fortuna Düsseldorf (A)
SC Freiburg (A)Werder Bremen (H)
FC Schalke (H)FC Nürnberg (A)
Werder Bremen (A)Hannover 96 (H)
Fortuna Düsseldorf (H)RB Leipzig (A)
Borussia Mönchengladbach (A)Eintracht Frankfurt (H)

Für den BVB geht es noch nach Berlin, es steht ein Heimspiel gegen Wolfsburg an, außerdem reist man eben nach Bremen und am letzten Spieltag nach Mönchengladbach - soweit die Europapokalanwärter, mit denen es die Elf von Lucien Favre noch zu tun bekommt. Relativ ausgeglichen gegenüber den Münchenern, könnte man meinen. Allerdings ist die Tatsache, dass man sowohl im direkten Duell in München antreten muss und auch die Partien gegen die Hertha, Bremen und Gladbach Auswärtsspiele sind, eher problematisch. Wenn man sich festlegen will, haben die Münchener gerade aufgrund des Heimrechts im Topspiel und der vermeintlich leichten Punkte gegen Hannover und Nürnberg wohl in Sachen Restprogramm knapp die Nase vorn.

Beckenbauer: Direktes Duell entscheidend

Wer am Ende die Schale in die Vereinsvitrine stellen darf, ist jedenfalls völlig offen. Beide Kontrahenten würden wohl gern vor dem letzten Spieltag mit den Partien gegen die starken Frankfurter, beziehungsweise Gladbacher, alles in trockenen Tüchern wissen. Franz Beckenbauer glaubt jedenfalls, dass bis dahin der Champion fest steht: "Die Meisterschaft entscheidet sich meiner Meinung nach am 6. April im direkten Duell gegen Dortmund."

Stand: 15.03.2019, 08:30

Darstellung: