Ratlose Kölner zum Krisen-Gipfel nach Düsseldorf

Achim Beierlorzer

10. Spieltag in der Fußball-Bundesliga

Ratlose Kölner zum Krisen-Gipfel nach Düsseldorf

Von Christian Hornung

Ein knappes Vierteljahrhundert hat es dieses Duell in der Bundesliga nicht mehr gegeben, doch die Wiedersehensfreude hält sich in Grenzen. Düsseldorf und Köln sind vor dem rheinischen Krisen-Gipfel am Sonntag (03.11.2019) zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Wie man es hinbekommt, die Euphorie des Wiederaufstiegs binnen einer halben Hinrunde in Schutt und Asche zu legen, ist gerade am Geißbockheim zu bestaunen. Sieben Punkte aus neun Spielen sind eine klare Wiederabstiegsbilanz. Der gerade erst verpflichtete Trainer Achim Beierlorzer wackelt bereits, der Manager Armin Veh macht sich nach der Saison davon. Und als Krönung dilettierte sich der FC am Dienstag bei Viertligist Saarbrücken auch noch aus dem DFB-Pokal.

Totale Ratlosigkeit

Es herrscht die totale Ratlosigkeit. Beierlorzer wirbt zwar immer wieder um Geduld und sagte nach dem Saarbrücken-Spiel nach einem Gespräch mit Veh ernsthaft zur Bild-Zeitung: "Man kann natürlich sagen: 'Der Trainer schafft es nicht'. Aber man kann auch sagen: 'Die Arbeit des Trainers ist zu sehen'."

Veh befindet frühzeitige Rücktrittverkündung als "nur fair" Sportschau 01.11.2019 01:57 Min. Verfügbar bis 01.11.2020 Das Erste

Wo genau die zu sehen sein soll, hat er nicht verraten, aber er meint ja sicher unausgesprochen: die gute Arbeit. Die Arbeit, die Köln weiterbringt, Perspektive erkennen lässt, im besten Fall zukunftsicher macht. An der Tabelle lässt sie sich jedenfalls nicht ablesen. Köln ist Drittletzter, punktgleich mit dem Vorletzten Augsburg. Zarte Anzeichen spielerischer Verbesserung wie beim 3:0 gegen den SC Paderborn wurden gleich am folgenden Spieltag in Mainz (1:3) wieder zertrampelt.

Rätselhaftes Auftreten von Modeste

Spieler, die Hoffnungsträger sein sollten, wie Anthony Modeste, Jorge Meré, Jhon Cordoba oder Timo Horn, haben sich rückwärts entwickelt. Besonders der komplette Formverfall von Fan-Idol Modeste ist rätselhaft, wie auch Beierlorzer zugibt: "So richtig erklären kann ich es mir nicht."

FC-Coach Beierlorzer vor dem Derby gegen Düsseldorf: "Es ist kein Endspiel" Sportschau 01.11.2019 01:11 Min. Verfügbar bis 01.11.2020 Das Erste

Die Statistiken machen auch keinen Mut. Kölns Aufbauspiel fehlt es schlichtweg an Qualität, das lässt sich an einer Saison-Passquote von gerade mal 78 Prozent ablesen - nur Union Berlin und Augsburg sind noch schlechter. Rennt der FC wenigstens für die Rettung? Nein. Er walkt allenfalls. Bei der Laufleistung ist Köln Vorletzter, hat mit 1007,6 Kilometern beispielsweise rund 60 Kilometer weniger investiert als Nachbar Leverkusen.

Nur Fortuna läuft noch weniger

Letzte Hoffnung: Düsseldorf. Bei der Laufleistung ist der Gegner vom Sonntag das einzige Team in der Liga, das sich ähnlich schleppend bewegt: Die Mannschaft von Friedhelm Funkel liegt bei 1007,1 Kilometern. Auch die Passquote der Fortuna ist mit 80 Prozent nur minimal besser, die Punktausbeute (sieben) gleich miserabel.

Nur die Stimmungslage ist anders. Im Pokal agierten die Düsseldorfer in der ersten Halbzeit gegen Aue zwar ebenfalls besorgniserregend. Sie lagen aber nur mit 0:1 hinten und drehten dank reichlich Dusel und einer Steigerung in der zweiten Halbzeit die Partie noch. Zudem hat Funkel schon bewiesen, dass er einen Fehlstart korrigieren kann, und das nicht nur mit Zweckoptimismus.

Bislang letztes Bundesliga-Duell ging an den FC - vor 22 Jahren

Die Fans halten beiden Teams jedenfalls die Treue, sie werden sich auch wünschen, dass es nach dieser Saison nicht wieder 22 Jahre bis zu einem Wiedersehen im Oberhaus dauert. Damals, im Februar 1997, stand bei den Düsseldorfern noch ein Georg Koch im Tor, Markus Anfang spielte als Verteidiger bei der Fortuna.

Georg Koch zum Rheinderby – Fortuna Düsseldorf gegen den 1. FC Köln Sportschau 01.11.2019 03:48 Min. Verfügbar bis 01.11.2020 Das Erste

Der FC gewann das Duell aber durch den Treffer von Toni Polster und ein Eigentor von Jörg Bach mit 2:0. Vielleicht ein gutes Omen - in Zeiten wie diesen muss alles Mögliche als Mutmacher herhalten.

Stand: 01.11.2019, 08:45

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