Die junge Dame Hertha

Die Spieler von Hertha BSC bedanken sich bei ihren Fans

Berlin setzt verstärkt auf den eigenen Nachwuchs

Die junge Dame Hertha

Von Christian Hornung

Die "Alte Dame" aus der Hauptstadt hat ein drastisches Facelifiting hinter sich. An den ersten beiden Bundesliga-Spieltagen stellte Hertha BSC jeweils das jüngste Team. Dass das Duell am Samstag (15.09.2018/Live-Ticker bei sportschau.de) in Wolfsburg ein Spitzenspiel wird, hat auch damit zu tun.

Den neuen Jugendstil in Berlin sieht man nicht nur daran, dass mit Jordan Torunarigha, Maximilian Mittelstädt, Arne Maier oder Valentino Lazaro lauter Teenies und Jung-Twens die Startelf gerockt haben. Sondern auch an den Säulen der Vergangenheit, die plötzlich von der Bank oder der Tribüne aus zuschauen.

Skjelbred und Lustenberger hintendran

So war beispielsweise Per Skjelbred in seinen fünf Jahren bei der Hertha immer gesetzt, wenn er gesund war. Jetzt stand er zweimal nicht mal im 18er-Kader. Doch der norwegische Dauerläufer mahnt zwar im "Kicker" an, dass die Mannschaft seine Qualitäten brauche. Er gibt aber auch ehrlich zu: "Die Jungs machen das super. Sie sind frech und gut genug. Sie kommen mit überragenden Grundlagen aus der Akademie und viele nehmen das Niveau der Profis sehr schnell an."

Sehr schnell verläuft nicht nur der Anpassungsprozess. Die Youngster bringen dem angestaubten und in den vergangenen Jahren oft unattraktiven Sicherheitsfußball nicht nur Frische und Unberechenbarkeit, sondern vor allem Tempo. Auch das ist ein Grund, warum es neben Skjelbred auch Typen wie Fabian Lustenberger schwer haben. Der Ex-Kapitän kommt bisher nur auf 23 Saisonminuten. Beim Auftaktsieg gegen Nürnberg wurde nicht er, sondern mit Palko Dardai und Dennis Jastrzembski weitere Talente aus den eigenen Reihen eingewechselt.

Zu ausrechenbar geworden

Dass Trainer Pal Dardai die Durchlässigkeit von der U19 in den Profibereich so forciert, hat auch mit der Analyse der Vergangenheit zu tun. Im Trainingslager in Schladming vor der Saison erklärte sein Assistent Rainer Widmayer: "Wir wollen dieses Jahr die Gegner ärgern, damit niemand mehr sagen kann: Heute spielen wir gegen Hertha BSC, da wissen wir ja was auf uns zukommt. Und wir wollen in der Lage sein, während eines Spiels mit derselben Elf von einem aufs andere System wechseln zu können." Auch deshalb haben formbare Jungprofis jetzt mitunter sogar einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Altgedienten, die seit Jahren den gleichen Stiefel gespielt haben.

Dardai warnt aber auch: "Wenn alles mit den jungen Spielern gut läuft, kann es eine wunderschöne Saison werden. Aber wir müssen auch höllisch aufpassen, denn die Jungs wissen noch nicht, was es bedeutet, unten zu spielen." Nach dem perfekten Saisonstart sieht es aber eher so aus, als ob sie sich damit auch nicht allzu schnell befassen müssen.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Samstag, 15.09.18, 18 Uhr

Stand: 13.09.2018, 12:56

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