Schalke zwischen Durchhalteparolen, Schönfärberei und Trotz

Vor dem Spiel gegen Bayern München

Schalke zwischen Durchhalteparolen, Schönfärberei und Trotz

Nach dem missglückten Befreiungsschlag gegen Porto droht dem FC Schalke in der Bundesliga gegen Bayern München die vierte Saisonpleite. Der Klub pendelt zwischen Durchhalteparolen, Schönfärberei und Trotz.

Schalkes Trainer Domenico Tedesco

Schalkes Trainer Domenico Tedesco

Der Befreiungsschlag blieb aus. Der FC Schalke 04 wollte sich mit einem Sieg gegen den FC Porto in der Champions League Selbstbewusstsein für das Bundesliga-Duell mit Bayern München holen, doch gegen die Portugiesen reichte es daheim nur zu einem 1:1. Weil sich das auch noch anfühlte wie eine Niederlage, hat sich die Laune bei den "Knappen" nicht sonderlich gebessert. "Jetzt kommt ein richtiges Brett", sagte Torhüter Ralf Fährmann mit Blick auf die Bayern.

Das beweist auch ein Blick in die Statistik. Selbst wenn der FC Schalke auf Augenhöhe war mit den Bayern, setzte es zuletzt nur Pleiten. Den bisher letzten Heimsieg feierte "Königsblau" im Dezember 2010 noch unter Trainer Felix Magath. Seitdem gab es, abgesehen von einem 1:1 im August 2014, nur noch Niederlagen. In der vergangenen Saison verlor der spätere Vizemeister sang- und klanglos mit 0:3.

Nicht auf Augenhöhe

Jetzt sind die Schalker mit den Bayern nicht auf Augenhöhe, und das lässt Schlimmes befürchten. Während der Branchenprimus aus München nach drei Spieltagen als einziges Team noch verlustpunktfrei ist und schon wieder an der Spitze thront, haben die Schalker als Tabellen-Vorletzter noch keinen einzigen Zähler auf dem Konto. Ganz klar: Es droht die vierte Niederlage in Serie.

Trainer Domenico Tedesco, der von einer Krise "auf Schalke" rein gar nichts wissen will, flüchtet sich in Durchhalteparolen. "Positive Signale" habe er gesehen, "Mentalität und Einstellung" hätten gestimmt und das alles sei ein "weiterer Schritt" in die richtige Richtung. Das alles kann man als Trainer so sehen. Auch Abwehrchef Naldo versucht es mit einer Art Schalker Selbsthypnose: "Wir müssen an uns glauben. Dann können wir alles schaffen."

Fährmanns unerschütterlicher Optimismus

Torwart Ralf Fährmann lehnte sich mit seiner Analyse derweil doch recht weit aus dem Fenster. "Man hat unser Gesicht aus der vergangenen Saison gesehen. Das müssen wir auch in der Bundesliga zeigen, dann bin ich sehr guter Dinge, dass es bald wieder aufwärts geht", sagte er nach dem Spiel gegen Porto: "Wir haben ein gutes Spiel gemacht und haben gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Fährmann. Er muss so etwas sagen, er ist Kapitän.

Gute Ansätze waren da. Schalke überließ Porto den Ball, provozierte mit starkem Pressing Ballverluste und erspielte sich so nicht nur ein Tor, sondern auch die Mehrzahl der Chancen. Genau diese Spielweise führte die Gelsenkirchener in der vergangenen Saison auf Platz zwei. In der Defensive stand die Schalker Elf zudem deutlich stabiler als zuletzt, spielerische Fortschritte waren ebenso da. Ob das gegen die Bayern reicht, bleibt abzuwarten.

Schalke gegen Porto im Pech

Sportschau 18.09.2018 00:40 Min. ARD

Niederlage schon eingeplant?

Dass der Tabellen-17. ausgerechnet gegen das Starensemble aus München die ersten Bundesligazähler holt, glaubt aber selbst Daueroptimist Fährmann wohl eher nicht. "Aber danach kommen die Spiele, in denen wir punkten müssen", sagte er. Und dieses "danach" kann man lesen als: Nach der nächsten Niederlage gegen Bayern München.

Nur drei Tage nach dem Bayern-Spiel muss S04 beim SC Freiburg ran. Dann geht es gegen Mainz und Düsseldorf. Das sind allesamt kampfstarke Teams, und es ist aus Schalker Sicht hochgefährlich, sich da als Favoriten zu sehen.  

"Ja, dann kommen sie eben"

Vor zwei Jahren startete der Klub ähnlich schlecht. Unter Trainer Markus Weinzierl gab es zum Saisonstart fünf Niederlagen, am Ende reichte es in der Tabelle nur zu Platz zehn - und Weinzierl musste gehen. Fakt ist auch: Nach drei Startpleiten hat Schalke noch nie einen Europapokalplatz erreicht. Was nichts heißen soll.

Betont locker bleibt Schalke-Sportvorstand Christian Heidel. Der sagt fernab von Durchhalteparolen und Schönfärberei voller Trotz: "Jetzt sagen die Ersten, jetzt kommen die Bayern. Ja, dann kommen sie eben. Es wird nicht so sein, dass wir am Samstag mit schlotternden Knien auf das Feld gehen."

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 23.09.2018, 18 Uhr

red/sid/dpa | Stand: 21.09.2018, 08:00

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